Osnabrück Mystery-Serie „Oderbruch“: Ein Berg aus Leichen und ein dunkles Familiengeheimnis
Als zwei Angler eine geeignete Stelle suchen, entdecken sie einen meterhohen Berg aus Leichen und Tierkadavern. Wer steckt dahinter? Der neue ARD-Achtteiler „Oderbruch“ mit Karoline Schuch verbindet Mystery- mit Thriller-Elementen. Und verzichtet auf jede Form von Humor.
Das Oderbruch an der deutsch-polnischen Grenze in Brandenburg hat eine bewegte Geschichte. Entstanden während der letzten Eiszeit, wurde die Auenlandschaft im 18. Jahrhundert trockengelegt und besiedelt. Regelmäßig führt die Oder Hochwasser, was zu zahlreichen Katastrophen geführt hat. Die schlimmsten Folgen hatte das Hochwasser im Frühjahr 1947. Am besten in der kollektiven Erinnerung ist jedoch das Oderhochwasser aus dem Sommer 1997. Doch am katastrophalsten war die Schlacht um die Seelower Höhen mit zehntausenden Toten zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
All diese Ereignisse spielen eine Rolle in der hochwertig produzierten Mystery-Serie „Oderbruch“, die zunächst wie eine Nordic-Noir-Serie startet. Als zwei Angler im Morgengrauen eine geeignete Stelle suchen, ereilt sie ein grauenhafter Anblick. Meterhoch türmt sich ein schauriger Berg mit menschlichen Leichen und Tierkadavern vor ihren Augen. Besonders mysteriös an dem Fund erscheint die Tatsache, dass die meisten Leichen schon deutlich älteren Datums sind. Wie konnte es dazu kommen? Wer steckt dahinter? Ein einzelner Ritualmörder? Oder eine mörderische Sekte?
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Als Ermittler sollen der aus dem Oderbruch stammende Kommissar Roland Voit (Felix Kramer) und sein polnischer Kollege Stanislaw Zajak (Lucas Gregorowicz) Licht in das Dunkel des Falles bringen. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie von Voits Ex-Kollegin Maggie Kring (Karoline Schuch), deren Familie offenbar ein dunkles Geheimnis hütet. Seit Maggies Bruder Kai in den Fluten des Oderhochwassers von 1997 spurlos verschwand, ist sie von der Idee besessen, dass er noch lebt. Was unter anderem zum Bruch mit ihren Eltern geführt hat.
Ersonnen und umgesetzt wurde die achtteilige Serie „Oderbruch“ von Christian Alvart und Adolfo J. Kolmerer, die bereits mit „Sløborn“ (finale 3. Staffel ab 2. Februar in der ZDF Mediathek und bei ZDFneo) Erfolg insbesondere bei jüngeren Zuschauern hatten. Für „Oderbruch“ konnte Alvart, der auch schon in Hollywood gedreht hat, nun mit seiner Filmproduktionsfirma Syrreal Entertainment die US-amerikanischen CBS-Studios mit an Bord holen, die in der Geschichte „ein großes internationales Potenzial“ sehen, wie Koproduzent Siegfried Kamml betont.
Das Ergebnis ist eine optisch reizvolle Hochglanzproduktion. Rückblenden und Ortswechsel in ein polnisches Internat und bis nach Siebenbürgen sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern spielen auch geschickt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer. Die dürfen sich auf acht Stunden mysteriöse Spannung und mitunter sehr drastische Bilder einstellen.
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Am ungewöhnlichsten erscheint jedoch der vollkommene Verzicht auf Humor. Es gibt nicht eine einzige Einstellung, die das düstere Geschehen mit etwas Witz auflockern soll. Das wirkt mitunter etwas anstrengend und gewöhnungsbedürftig, wird aber vor allen Dingen durch die schauspielerischen Leistungen des herausragenden Ensembles kompensiert.
Allen voran Karoline Schuch glänzt in ihrer ambivalent angelegten Rolle als geheimnisvolle Frau, die bei der Suche nach ihrem Bruder noch einem ganz anderen Geheimnis über sich selber auf die Schliche kommt. Schuch, die nach dem Ende der Dreharbeiten zu der Tsunami-Serie „Die zweite Welle“ (ZDF Mediathek) nur wenige Wochen Zeit hatte, sich auf die neue Rolle in „Oderbruch“ vorzubereiten, haben es nach eigenen Angaben insbesondere die harten Actionszenen ihrer Filmfigur angetan. Davon kann es bald noch mehr geben. Das Ende der achten Episode schreit geradezu nach Fortsetzungen.
Ab Freitag, dem 19. Januar, läuft „Oderbruch“ um 22.20 Uhr im Ersten (1-4/8) und in der ARD Mediathek.