Zum Tode von Franz Beckenbauer Auricher erinnern sich an den „Kaiser“
Franz Beckenbauer hat die Auricher Fußball-Fans auf und neben dem Platz begeistert. Ein Trainer hütet einen besonderen Schatz.
Aurich - Die kollektive Erinnerung an große Persönlichkeiten manifestiert sich häufig in ikonischen Bildern. So wie die berühmten Aufnahmen von Franz Beckenbauer. Nach dem WM-Triumph 1990 in Rom läuft er mutterseelenallein mit der Medaille um den Hals über den Finalrasen, während sich seine Spieler mit dem Pokal feiern lassen.
Älteren fällt sofort das schmerzverzerrte Gesicht des „Kaisers“ ein. Im WM-Halbfinale 1970 gegen Italien quälte er sich bei glühender Hitze in Mexico-City mit einer schweren Schulterverletzung und einer Schlinge um den Hals durch das Jahrhundertspiel. Der Fußballer Beckenbauer mit der Rücknummer fünf hob das Spiel in den 1960er- und 1970er-Jahren auf ein neues Level, mit dem FC Bayern und der Nationalelf gewann er alle wichtigen Titel – er schwebte dabei förmlich über den Platz. Als Trainer holte er noch einmal den WM-Titel und bescherte den Deutschen 2006 mit der WM im eigenen Land das „Sommermärchen“. Die Unstimmigkeiten bei der Vergabe ließen das Denkmal in den letzten Jahren bröckeln. Am Sonntag ist die „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs gestorben. Wie behalten ihn die Auricher in Erinnerung?
Leichtfüßig und elegant
Wilfried Theessen, Vorsitzender des MTV Aurich, hat Franz Beckenbauer Anfang der 1990er-Jahre in München beim Deutschen Turnfest hautnah erlebt. Er beschreibt ihn als „einen lässigen und lustigen Menschen“, der zu den größten Sportpersönlichkeiten der Republik zählt. Einer, der als Spieler und Trainer herausragende Erfolge erzielt und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland geholt habe. „Ohne ihn hätte es die WM bei uns nicht gegeben. Zuerst haben sich alle gefreut. Später legte sich ein Schatten auf sein Tun wegen umstrittener Geldflüsse von mehr als sechs Millionen Euro bei der WM-Vergabe“, so Theessen, aber davon werde wohl in zehn Jahren kaum noch jemand reden. Er bleibe die Lichtgestalt, der er schon in seiner Schulzeit begegnet sei. Eine Mitschülerin in der fünften Klasse des Gymnasiums sammelte damals Klebebilder von bekannten Fußballern. Beckenbauer stand bei ihr sehr hoch im Kurs, so Theessen.
Als der Wiesmoorer Trainer Jürgen Zimmermann als Achtjähriger 1974 das WM-Endspiel zwischen Holland und Deutschland verfolgte, ahnte er noch nicht, dass er sich Jahre später, so wie Beckenbauer auch, als Libero einen Namen in der ostfriesischen Fußballszene machen sollte. Gleichwohl beeindruckte ihn der WM-Auftritt von Beckenbauer nachhaltig.
Autogramm aus den 1960er-Jahren
„Er hat mich und viele andere zum Fußballspielen motiviert. Ein außergewöhnlicher und intelligenter Spieler, der leichtfüßig wie eine Gazelle den Ball führte“, so der 58-Jährige. Er gestand: „Ich habe mir einiges von ihm abgeschaut, wie er die Liberoposition auf dem Platz gelebt hat.“ Auch wenn er jetzt tot sei, „lebt die Nummer fünf doch weiter“ in den Köpfen der Menschen, so der Wiesmoorer. In seinem Fundus befindet sich eine von Beckenbauer unterschriebene Autogrammkarte in schwarz-weiß. Sie zeigt den Ausnahmefußballer 1966 im WM-Gruppenspiel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz. Endstand 5:0 für die BRD mit zwei Treffern von Beckenbauer.
Winfried Neumann, Vorsitzender des Fußballkreises Ostfriesland, ereilte die Meldung am heimischen Rechner. „Da musste ich erst einmal schlucken“, sagt Neumann. Sofort schweifen die Erinnerungen in Richtung WM 1966. Als Neunjähriger war Neumann sofort begeistert von der Spielweise Beckenbauers. „Diese Eleganz und Leichtigkeit, für mich war er der beste Fußballer“, sagt der Funktionär. Gerne denkt er an den Triumph in Rom. „Das war ein Gänsehautmoment, seine Spieler haben zu ihm aufgeschaut“, sagt Neumann. Neumann selbst hat Beckenbauer zumindest mal aus der Nähe gesehen. Bei einem Pokalfinale in Berlin saß der „Kaiser“ zwei Reihen vor ihm.
Neumann weist aber auch auf die dunklen Flecken im Lebenslauf von Beckenbauer hin. „Das darf nicht verschwiegen werden“, sagt er und denkt an die Rolle von Beckenbauer bei der Vergabe der WM 2006. „Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die WM im eigenen Land ein tolles Erlebnis war. Das haben wir ihm zu verdanken.“