Schlüttsiel  Habeck an Bord: Landwirte versuchen Fähre zu stürmen – Polizei muss eingreifen

Jonna Lausen, Hagen Wohlfahrt, Frank Spyra
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Von Jonna Lausen, Hagen Wohlfahrt, Frank Spyra
| 04.01.2024 19:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Bauern haben die Fähre blockiert, kein Auto kann die Fähre verlassen. Die Polizei droht mit Räumung, die Protestierenden singen „Wir haben die Schnauze voll“. Foto: Hagen Wohlfahrt
Die Bauern haben die Fähre blockiert, kein Auto kann die Fähre verlassen. Die Polizei droht mit Räumung, die Protestierenden singen „Wir haben die Schnauze voll“. Foto: Hagen Wohlfahrt
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Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Donnerstag das Gerücht, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck am späten Nachmittag mit einer Fähre in Schlüttsiel (Kreis Nordfriesland) ankommen würde. Hunderte Landwirte machten mit ihren Treckern zum Protest auf den Weg.

Robert Habeck hat es nicht leicht dieser Tage, und die Bauern meinen es ernst: Zum Start der bundesweiten Protestwoche der Landwirte gegen die Streichung der Agrardiesel-Subvention rief der Bauernverband Landwirte auf, mit ihren Treckern bis vor sein Wahlkreisbüro in Flensburg vorzufahren. Die Aktion soll für den kommenden Mittwoch (10. Januar) geplant sein.

Am Donnerstag (4. Januar) machte dann plötzlich ein Gerücht die Runde: Robert Habeck lade zum Bürgerdialog in Schlüttsiel ein. Andere Quellen sprachen davon, dass der Wirtschaftsminister lediglich aus dem Urlaub von der Hallig Hooge komme, aber keinen Dialog plane.

Gegenüber unserer Redaktion bestätigt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, dass sich der Minister im Urlaub befindet. Von einem Bürgerdialog wisse man derweil nichts, jedenfalls nicht in der Verantwortung des Wirtschaftsministeriums. Dass der Minister selbstständig in seinem Urlaub das Gespräch mit den Landwirten suche, könne man nicht ausschließen.

Während die Gerüchteküche in Nordfriesland weiter brodelt, mobilisieren die Landwirte und machen sich zu Hunderten auf den Weg zum Fähranleger nach Schlüttsiel. Auch die Tatsache, dass Bundeskanzler Olaf Scholz, Vizekanzler Robert Habeck und Bundesfinanzminister Christian Lindner sich an diesem Donnerstag auf Änderungen zur Aufstellung des Haushaltes geeinigt haben, konnte die nordfriesischen Landwirte von ihrem Vorhaben offenbar nicht abhalten.

Einen offiziellen Sprecher für die Aktion gibt es nicht, Landwirt Jonas Hansen berichtet vor Ort, dass man sich privat und über Facebookgruppen innerhalb weniger Stunden zu der Aktion entschlossen habe.

Zwischen Dagebüll und Schlüttsiel sind sämtliche Straßen verstopft, aus Richtung Nordstrand reisen viele weitere blinkende Trecker an, beobachtet einer unserer Reporter, der vor Ort ist. Die Straße nach Ockholm soll gesperrt sein, die Trecker fahren derweil über den Hauke-Haien-Koog. Viele Traktoren parken jenseits des Deiches auf dem großen Parkplatz.

Andere werden den Weg dorthin gar nicht mehr schaffen, da die Straße gesperrt ist. Man wünsche sich einen konstruktiven Dialog, so ein Landwirt, der namentlich nicht genannt werden will. Auch die Polizei ist mit rund 20 Einsatzkräften vor Ort, ihr Auftrag sei es, so berichtet Einsatzleiter Andreas Sönksen, den Vize-Kanzler zu schützen. Und tatsächlich fährt die Fähre ein und Habeck ist auch an Bord, nur kann weder er noch irgendwer sonst diese verlassen, da die Landwirte diese blockieren. Auf einen Deal, dass bis zu drei Protestierende auf die Fähre dürfen, um mit dem Minister zu sprechen, lassen sich die Demonstranten nicht ein. Habeck solle mit einem Megaphon mit allen sprechen, oder von der Fähre kommen. Letzteres verbietet sein Sicherheitspersonal.

„Bundesminister Habeck war gerne bereit, mit den Landwirten zu sprechen. Er kennt und versteht ihre Sorgen. Minister Habeck, der Kanzler und Finanzminister Lindner hatten daher ja auch eine Lösung gefunden, um den Landwirten entgegenzukommen und einen Teil der Subventionskürzungen zurückzunehmen“, so eine Sprecherin des Ministers gegenüber unserer Redaktion. Leider habe die Sicherheitslage ein Gespräch mit allen Landwirten jedoch nicht zugelassen. „Das von Minister Habeck gemachte Gesprächsangebot mit einzelnen Landwirten wurde leider nicht angenommen.“ 

Als die Fähre wieder ablegt, versuchen rund 30 der Demonstranten diese zu stürmen, die Polizei kann das vereiteln. Am Ende macht sich die Fähre samt Minister und allen anderen Fahrzeuge wieder auf den Weg. Wohin es geht, wollte der Einsatzleiter vor Ort nicht mitteilen. Als die Fähre bereits abgelegt hatte, zündeten einige Protestierende Feuerwerkskörper.

Lesen Sie weiter: Reaktionen auf die Habeck-Blockade durch Bauern an Nordsee-Fähre

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