Gravenstein Erst Familiendrama, jetzt Kindesentführung: Die Abgründe hinter der Glamourwelt
Dramatische Wende im Familiendrama Block gegen Hensel. Zwei Kinder, die beim Ex-Ehemann der Hamburger Unternehmerin in Dänemark leben, wurden in der Silvesternacht in Gravenstein mutmaßlich entführt. Nun stellte sich heraus: Die Kinder befinden sich bei Christina Block
Bei den mutmaßlichen Entführungsopfern handelt es sich um ein 13-jähriges Mädchen und einen 10-jährigen Jungen, die bei ihrem Vater Stephan Hensel in Dänemark wohnen – gegen den Willen der Mutter, Christina Block.
Sie ist die Tochter von Steakhaus-Gründer Eugen Block, der ein Gastronomie-Imperium aufgebaut hat, zu dem unter anderem auch das Hotel Grand Elysée in Hamburg gehört. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Gerhard Delling (Ex-ARD-Sportmoderator) versucht sie, den seit 2021 tobenden Streit um den Aufenthaltsort der beiden Kinder juristisch für sich zu gewinnen – bislang ohne Erfolg.
Zuletzt hatte im Februar 2023 ein Familiengericht in Sønderborg geurteilt, dass die beiden Kinder bei ihrem Vater bleiben sollen. Nach Anhörung der Kindersachverständigen kam das Gericht zu der Auffassung, dass eine Rückführung ein Risiko für die Kinder darstellen würde. Auch die Kinder selbst seien gegen eine Rückführung.
Am Dienstagabend meldete sich Christina Block über eine Sprecherin des Unternehmens zu Wort. Demnach befänden sich die Kinder bei ihr. Sie bedanke sich für die guten Wünsche. „Die Kinder sind wohlauf. Ich bitte um Verständnis, dass ich vor allem aus Fürsorge um das Wohl meiner Kinder zurzeit keinerlei weitere Erklärungen abgebe“, hieß in dem Statement.
In der besagten Silvesternacht waren die beiden Kinder laut Polizeibericht gemeinsam mit ihrem Vater im Restaurant Caféodora in Gravenstein. Ein kleiner Ort unweit der Grenze zu Deutschland, der direkt an einem Seitenarm der Flensburger Förde liegt und dafür berühmt ist, dass die dänische Königsfamilie ihren Sommerurlaub im dortigen Schloss verbringt.
Als Hensel mit seinen beiden Kindern auf dem Weg zum Feuerwerk gewesen sei, wurde er nach Polizeiangaben von mehreren Personen angegriffen. Nach Informationen unserer Redaktion sollen die Männer maskiert gewesen sein. Der Junge und das Mädchen sollen von unbekannten Männern gezwungen worden sein, in einen Pkw zu steigen. Anschließend sollen die Täter mit zwei Autos mit deutschen Kennzeichen vom Tatort weggefahren sein.
Die Polizei von Südjütland erhielt nach eigenen Angaben um 00:17 Uhr einen Notruf und leitete sofort eine Fahndung ein. Die dänischen Behörden ermitteln wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Die dänische Polizei ging auch der Frage nach, ob möglicherweise ein „Zusammenhang zwischen den Ereignissen der Nacht und der Frage der elterlichen Sorge besteht“. „Das Hauptaugenmerk der Polizei liegt derzeit darauf, die beiden Kinder zu finden und für ihre Sicherheit zu sorgen“, teilten die dänischen Behörden an Neujahr mit.
Am Dienstag gab es dann am Vormittag eine erneute Wende. Nach Angaben der Hamburger Polizei bestehe „derzeit keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass eine Gefahr für die Kinder besteht. Die Strafverfolgungsbehörden gehen aktuell davon aus, dass sie sich in Obhut der Mutter befinden“, teilte die Behörde am Dienstag mit. Die dänischen Kollegen stellten die Fahndung wenig später ein, da „die Autos Dänemark am 1. Januar um 00.30 Uhr verlassen haben und beide Autos von der Polizei in Deutschland gefunden wurden“, so die dänische Polizei.
In den Boulevard-Medien sorgt der Fall seit vielen Monaten für Schlagzeilen. Block warf im vergangenen Jahr Hensel vor, die Kinder „entführt“ zu haben, zu manipulieren und von der Mutter entfremden zu wollen. Hensel behauptet, seine Ex-Frau habe den Kindern psychische und physische Gewalt angetan. Die Kinder wollten nach einem Urlaub im Jahr 2021 einfach nicht mehr zur Mutter zurück, so die Sicht Hensels.
Der Fall füllt viele Aktenordnungen in Gerichten, bei Rechtsanwälten, Gutachtern und Jugendämtern auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze. Hatte ein Amtsgericht in Hamburg zunächst Hensel Recht gegeben, sprach das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg das Aufenthaltsbestimmungsrecht Block zu. Die Behörden in Dänemark setzten dieses Urteil aber nicht um, führten eigene Untersuchungen durch und befragten die Kinder intensiv. Schließlich das Urteil in Dänemark vom Februar 2023, wonach Hensel das Aufenthaltsbestimmungsrecht behält. Christina Block wurde ein Besuchsrecht eingeräumt.
Block und Hensel haben insgesamt vier gemeinsame Kinder, drei leben beim Vater, nur noch eine 15-jährige Tochter wohnt bei der Mutter in Hamburg.
Pikant: Der Vater der Entführungsopfer hatte eine solche Eskalation wie an diesem Silvester schon lange befürchtet und mehrfach davor gewarnt, auch in mehreren Gesprächen mit unserer Redaktion. Im November 2022 hatte die dänische Polizei sechs Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma in Gewahrsam genommen, die das Haus der Familie Hensel beobachtet haben sollen, wie Videoaufnahmen nahelegen. Hensel vermutete, dass seine Ex-Frau die beiden Kinder entführen lassen wollte.
Ein Vorwurf, den Block vehement zurückwies. In der „Bild“ schilderte sie ihre Sicht: „Ich bin mit meiner Mutter und meinem Bruder nach Dänemark gefahren, wir haben vor dem Haus meines Ex-Mannes gewartet.“ Die Hoffnung sei laut dem Bericht gewesen, die Kinder zu sehen, vielleicht sogar mitzunehmen. Auch sechs Personenschützer seien dabei gewesen. Block in der „Bild“: „Für den Fall, dass er mich oder die Kinder bedroht.“ Die Staatsanwaltschaft in Südjylland stellte im vergangenen Februar schließlich die Ermittlungen ein – aus Mangel an Beweisen. Sowohl Delling als auch Hensel lehnten bislang eine Stellungnahme zu den Vorgängen ab.
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