Stadt ohne Bahnhof Bahn für Aurich – ein Puzzleteil hat Verspätung
Seit 1967 fahren keine Personenzüge mehr nach Aurich. Wird sich das demnächst ändern? Auf dem Weg zur Antwort auf diese Frage hat sich ein Puzzleteil verspätet.
Aurich - Halten in absehbarer Zeit wieder Personenzüge in Aurich? Diese Frage ist noch nicht beantwortet. Ein wichtiges Puzzleteil, das eigentlich bis zum Ende des Jahres 2023 vorliegen sollte, fehlt noch – nämlich das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie. Der Landkreis Aurich hatte sie in Auftrag gegeben. Es geht um die Reaktivierung der Bahnstrecke von Aurich über Abelitz (Gemeinde Südbrookmerland) nach Emden. Dort verkehren seit 1967 keine Personenzüge mehr, seit 2008 aber wieder Güterzüge.
Die rot-grüne Landesregierung plant die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken für den Schienenpersonennahverkehr. Bis zu 90 Prozent der Kosten übernimmt der Bund. In einem standardisierten Bewertungsverfahren wählt das Land die zu reaktivierenden Strecken aus. Dabei spielen neben Kosten und erwarteten Fahrgastzahlen auch soziale und ökologische Kriterien sowie die Bedeutung der jeweiligen Bahnstrecke für den Tourismus eine Rolle.
Kombination aus Straßen- und Eisenbahn
Seit dem 19. Oktober 2023 ist die Reaktivierung der Bahnstrecke von Aurich nach Emden ein Stück wahrscheinlicher geworden. An diesem Tag teilte das Wirtschaftsministerium mit, dass die Strecke in die zweite Prüfstufe aufrückt und einer Nutzwertanalyse unterzogen wird. Das habe der parlamentarische Lenkungskreis Bahnstreckenreaktivierung entschieden. Von 54 gemeldeten Strecken sind nun noch 14 im Rennen.
Parallel zum Verfahren des Landes hat der Landkreis Aurich beim Ingenieurbüro Emch + Berger (Hannover) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Ingenieure untersuchen die Bedingungen für einen reinen Eisenbahnbetrieb, einen Straßenbahnbetrieb und eine Kombination der beiden Systeme (Tram-Train-Modell). Eine Straßenbahn kann schneller bremsen und beschleunigen als ein schwerer Zug. Sie wäre vor allem für das Nadelöhr Moordorf mit seinen vielen Bahnübergängen eine Alternative zur Eisenbahn.
Schon Enercon wollte den Ausbau
Die Firma Emch + Berger hatte sich bereits vor zehn Jahren mit einer möglichen Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz befasst und verfügt daher über viel Vorwissen. Damals gab es Pläne, die Strecke auszubauen, damit die Firma Enercon größere Teile für Windenergieanlagen in den Emder Hafen transportieren kann.
Das Fachbüro ermittelt nun Investitions- und Betriebskosten und erstellt eine Kosten-Nutzen-Analyse. Die Studie befasst sich zudem mit der Frage, wie viele Haltestellen genau es zwischen Aurich und Abelitz geben soll und wie die Anwohner vor Lärm geschützt werden können. Auch Fahrgeschwindigkeiten und der Vergleich moderner Antriebstechniken (Elektrofahrzeuge durch konventionelle Streckenelektrifizierung, Akkubetrieb, Nutzung von Wasserstoff als Energieträger) werden in die Gesamtbetrachtung einbezogen.
Bis zum Ende des Jahres 2023 werde das Ergebnis der Studie da sein, hatte es immer geheißen. Doch daraus ist nichts geworden. Um im Bahnbild zu bleiben: Die Studie hat Verspätung. Das Gutachten liege noch nicht vor, teilte Landkreis-Pressesprecher Rainer Müller-Gummels kurz vorm Jahreswechsel auf Anfrage mit. „Wann mit den Ergebnissen zu rechnen ist, lässt sich derzeit leider nicht sagen.“ Die Kreisverwaltung werde sich Anfang des Jahres mit dem Planungsbüro in Verbindung setzen, so Müller-Gummels.