Nach dem Hochwasser Deiche sind aufgeweicht – wie geht es weiter in der Region?
Das Thema Hochwasser sei noch nicht durch, sagt Meino Kroon vom Leda-Jümme-Verband. Es kommen einige Probleme zusammen.
Rhauderfehn/Ostfriesland - In Langholt und Hollen (Uplengen) kämpften über die Feiertage, am 25. und 26. Dezember 2023, Hunderte von Feuerwehrleuten mit Sandsäcken darum, dass die Deiche halten. Und die Gefahr ist noch nicht gänzlich gebannt. „Mit dem Thema sind wir noch lange nicht durch“, sagt Meino Kroon, Geschäftsführer des Leda-Jümme-Verbandes. Der ist für die Deiche und damit die Sicherheit der Menschen in einem 58.230 Hektar großen Gebiet unter anderem in Barßel, Saterland, Bockhorst, Ostrhauderfehn, Rhauderfehn, Westoverledingen, Leer, Hesel und Uplengen zuständig.
„Es kommt noch jede Menge Wasser nach“, so Kroon. Und all die Wassermassen müssen auf dem Weg zur Nordsee das Oberledingerland passieren. Das ist vor allem im Bereich Langholt problematisch. „Dort kommt Wasser aus einem Einzugsbereich bis südlich des Küstenkanals an. Und Langholt ist ein Nadelöhr“, sagt Kroon. Die Gewässer seien eng und schmal, die Bebauung reiche nah heran, es gebe Deiche in der Ortslage. „Da staut sich das Wasser, kann nicht schnell genug weg.“ Die Mitarbeiter des Deichverbandes behalten Polder, Deiche, Bauwerke und Pegelstände im Auge, so Kroon. Man sei weiter in Alarmbereitschaft.
Das Wasser läuft nur langsam ab
Dienstagabend und Mittwochmorgen habe es eine gute Tide gegeben, bei den Ebben sei man einiges an Wasser losgeworden. Allerdings musste das Ledasperrwerk am Mittwochvormittag wieder dich gemacht werden, um die ansteigende Flut „auszusperren“. Das Schöpfwerk sei aber wieder in Betrieb, und viel Wasser laufe in den ebenfalls geöffneten Polder Leer. „Am Pegel Dreyschloot ist der Wasserstand 50 Zentimeter niedriger als vor drei Tagen. In Langholt hatten wir am Mittwochmorgen 15 Zentimeter weniger als am Dienstag“, so Kroon. Trotzdem lägen die Wasserstände immer noch deutlich über dem Schnitt. Was kann man tun, wenn das Wasser kommt?
Hunderte Einsatzkräfte sicherten Deiche in Langholt und Hollen
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Und die Prognosen für die nächsten Tage geben keinen Anlass zur Entwarnung. Für Donnerstag, Freitag und Sonnabend sei erneut Regen angesagt. „Ob uns das weh tun wird, können wir noch nicht sagen. Das kommt darauf an, wieviel Wasser wir noch rauskriegen“, sagt Kroon. Die nächsten beiden Tiden verliefen normal, sähen also gut aus. Aber: „Für die Nacht von Donnerstag auf Freitag geht die Tide wieder stark nach oben.“ Das bedeute: ein geschlossenes Leda-Sperrwerk und keine gute Ebbe. „Aus dem Schneider sind wir noch nicht.“
Deiche bitte nicht betreten
Und auch der Zustand der Deiche ist derzeit nicht so gut wie sonst: „Die Deiche leiden. Sie sind seit Wochen stark belastet durch hohe Wasserstände. Und nun sind sie auch von oben komplett durchnässt“, so Kroon. Das wiederum bedeutet auch, dass der Deichverband nichts tun kann, um Schäden auszubessern. „Wenn wir da mit unseren Geräten rauffahren würden, würden wir mehr kaputt als heile machen.“ Jeder Druck von oben belaste jetzt die Stabilität der Deiche. Deshalb, so der Fachmann, sollten auch Spaziergänger und Neugierige ganz von den Deichen herunterbleiben und die Bauwerke nicht betreten.
Lob hat Kroon für die Einsatzkräfte etwa in Langholt. Dort sei sehr gute Arbeit geleistet worden. Zur Sicherung des Deiches unter anderem mit Sandsäcken waren an den beiden Tagen insgesamt rund 250 Helfer, zu Spitzenzeiten 160 gleichzeitig, im Einsatz, sagt Westrhauderfehns Ortsbrandmeister Bernd Haskamp: „Weihnachten mal anders“, scherzte er an diesem Mittwoch nach einem 27-Stunden-Einsatz. Bis Mittwochmorgen kontrollierten Feuerwehrleute die Pegelstände. „Jetzt ist die Lage erstmal relativ entspannt. Wir gehen unserem normalen Arbeitsalltag nach.“ Auch wenn die Lage im Oberledingerland ruhig bleiben sollte, könnte auf die Feuerwehrleute aber noch Arbeit in Sachen Hochwasser zukommen: „In anderen Teilen Niedersachsens ist die Situation ja noch schlimmer. Es könnte sein, dass wir zum Unterstützen eingeteilt werden.“