Viel Regen im Kreis Aurich Schöpfwerke an Belastungsgrenze
Der Regen und die schwere Sturmflut über die Weihnachtsfeiertage haben die Pumpen in den Schöpfwerken auf Hochtouren laufenlassen. Es war nur ein Höhepunkt eines ungewöhnlichen Regenjahres.
Aurich/Emden/Oldersum - Die Böden im Kreis Aurich und Umgebung sind nass. Jeder Regentropfen könnte das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringen. Wären da nicht die Pumpen der Schöpfwerke in der Region. Über Weihnachten musste die Pumptechnik auf Hochtouren laufen. Beim Entwässerungsverband Emden, der die Region über Südbrookmerland bis zum Teil ins westliche Aurich betreut, kamen die Pumpen an die Belastungsgrenze. Viele Entwässerungsgräben liefen voll. Es ist ein weiterer Höhepunkt in einem ohnehin sehr regenreichen Jahr. Das bestätigen Nachfragen bei den Entwässerungsverbänden Aurich, Emden und Oldersum-Ostfriesland.
Alles laufe an der Belastungsgrenze, sagt Jan van Dyk, Ingenieur des Entwässerungsverbandes Emden. Die vier Pumpen im Schöpf- und Sielwerk Knock in der Krummhörn würden alle derzeit im Betrieb sein, um das Wasser abzulassen. Auch im Werk in Greetsiel seien alle drei Pumpen im Betrieb. Die Sturmflut am Freitagabend vor Heiligabend habe die Arbeit zusätzlich erschwert. Die Motoren mussten noch mehr leisten, um das Regenwasser abzupumpen. „Das war schon eine Hausnummer“, sagt van Dyk. Die Mitarbeiter in den Werken der Entwässerungsverbände Emden und auch Oldersum-Ostfriesland sind über Weihnachten im Dauereinsatz gewesen. Schließlich müssen die Pumpen immer wieder beaufsichtigt werden. Nur durch abwechselnde Schichten konnten sie auch noch ein bisschen selbst Weihnachten feiern. Auch die Telefone standen beim Entwässerungsverband Emden nicht still. Immer wieder gab es Anrufe, weil Rohre verstopft waren oder Gräben wegen des hohen Niederschlagaufkommens vollliefen.
Ein Jahr der Nässerekorde
Lediglich der Entwässerungsverband Aurich hatte keine Notrufe über die Feiertage, so Helmut Schneider. Dennoch: „Die Lage ist angespannt“, so Schneider. In Oldersum sei die Entlastung immerhin seit Dienstagabend erkennbar, so Verbandsingenieur Adolf Wilken. Die kurzen Regenpausen bringen immerhin etwas Entspannung, so die Entwässerungsverbände.
Die regenreichen Tage um das Weihnachtsfest herum sind nur einer von vielen Nässerekorden in diesem Jahr. Das zeigen etwa die Zahlen des Entwässerungsverbandes Emden. Dieses Jahr war eines von fünf Jahren, bei dem die Regenmenge über dem Jahresdurchschnitt lag, seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Jahresdurchschnitt liegt laut van Dyk bei 800 Millimetern Niederschlag pro Quadratmeter, also 800 Liter pro Quadratmeter. Allein im Dezember fielen bereits 150 Millimeter im Bereich Emden. Schon im Juli waren 202 Millimeter in Wirdum gemessen worden und im Oktober fielen dort 199 Millimeter pro Quadratmeter. Allein diese zwei Monate machten den halben, sonst üblichen, Jahresdurchschnitt aus, sodass trotz trockener Monate im Mai, Juni und September der Jahresschnitt für 2023 bei 1155 Millimetern in Wirdum, 1150 Millimetern in Emden und knapp 1000 in Freepsum gemessen wurde. Solche Höchstwerte wurden sonst nur 1962, 1998, 2001 und 2017 gemessen.
Milliarden Liter Wasser zusätzlich im Großen Meer
Bemerkenswert sei laut van Dyk auch, dass noch nie so früh die Stauwehre zum Großen Meer in Südbrookmerland geschlossen werden mussten. Bereits am 21. Oktober wurden die Stauwehre geschlossen. Lange konnte das Wasser nicht abgelassen werden. In einer kurzen Pause wurden die Wehre einmal geöffnet, nur um sie dann erneut zu schließen. Zwei Staufälle so früh in der Saison hätte der Entwässerungsverband bis dato nicht gehabt, sagt van Dyk.
Im Großen Meer in Südbrookmerland befinden sich eine Million Kubikmeter Wasser. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter Wasser sind bereits 1000 Liter, also zehn fast volle Badewannen. Diese Mengen im Großen Meer müssten bei weniger regenreichem Wetter dann abgelassen werden. „Es war insgesamt ein sehr anstrengendes Jahr“, so das Fazit des Ingenieurs des Emder Entwässerungsverbandes.
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