Osnabrück  Füttern oder nicht: Wie Sie Wildtiere im Winter unterstützen können

Andreas Ohler
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Von Andreas Ohler
| 27.12.2023 10:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Brotreste können bei Vögeln zu Verdauungsproblemen führen. (Symbolfoto) Foto: Ingo Wagner/dpa
Brotreste können bei Vögeln zu Verdauungsproblemen führen. (Symbolfoto) Foto: Ingo Wagner/dpa
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Die Tage werden kürzer. Viele Bäume sind kahl. Es gibt kaum noch Futter. Doch nicht bei allen Wildtieren ist das Zufüttern durch Menschen sinnvoll. So können Sie Wildtiere optimal im Winter unterstützen.

Für Tiere, die bei uns leben, haben wir Tipps zusammengestellt, wie Tierfreunde ihnen am besten durch den Winter helfen können – und was man dabei auf keinen Fall tun sollte.

Gut zu wissen Igel mögen unter anderem Laufkäfer, Ohrwürmer und Spinnen. Alternativ fressen sie auch Regenwürmer und Schnecken. Im Herbst sollte man nicht das ganze Laub weg blasen, da sie sich darin gerne verstecken. Ebenso in Kompost-, Reisig- oder Steinhaufen. Die vergangenen Jahre seien schwierig für sie gewesen, so Koppe. "Der Klimawandel setzt ihnen zu." Immer mehr Igel sind im Winter unterwegs. "Das ist ein schlechtes Zeichen", sagt Eva Rieber. Sie ist Umweltpädagogin beim Nabu Mecklenburg-Vorpommern.

Füttern oder nicht? Ein naturnaher Garten bietet Igeln eine gute Nahrungsgrundlage. In Reisig-, Stein- und Komposthaufen, Totholz und Laub tummeln sich viele Insekten und andere potenzielle Nahrung, zudem findet der Igel dort Unterschlupfmöglichkeiten. Rieber: "Ein natur- und tierfreundlicher Garten ist einer Zufütterung immer vorzuziehen."

Winterschlaf oder aktiv? Igel überbrücken die kalte Jahreszeit, indem sie Winterschlaf halten. Sie sind die einzigen Winterschläfer unter den Insektenfressern. In einem wetterfesten, gut wärmeisolierten kugelförmigen Nest können Igel bis zu fünf Monaten die nahrungsarme kalte Jahreszeit verschlafen. Sie rollen sich zur Stachelkugel und verbleiben wochen- bzw. monatelang in dieser Haltung.

Was tun mit verletzen Tieren? "Verletzte Igel sollte man möglichst an Einrichtungen wie Auffangstationen geben", sagt Rieber. Wenn das nicht möglich ist, darf man lediglich verletzte, hilflose und kranke Tiere bei sich aufnehmen, sollte sich bei der Pflege aber Expertenrat holen. Falsche Hilfe kann gefährlich für die Tiere sein.

Auf keinen Fall Igel dürfen wegen ihrer Lactoseintoleranz keine Milch bekommen. Sie können Milchzucker nicht abbauen, bekommen Bauchschmerzen und Durchfall. Im schlimmsten Fall sterben sie.

Gut zu wissen Eichhörnchen legen im Sommer und Herbst zahlreiche Vorräte an. Mit dem Verstecken tragen Eichhörnchen zur Verbreitung von Baum- und Straucharten bei. Die meisten Verstecke können sie mit Hilfe ihres Geruchssinns wiederfinden. Bei Nahrungsengpässen plündern sie diese. Alte Bäume solle man stehen lassen, da die Tiere in ihnen gerne ihre Nester, die "Kobel", bauen.

Füttern oder nicht? Eichhörnchen dürfen gefüttert werden. Sie mögen Wal- und Haselnüsse, Apfel- und Karottenstückchen, aber auch Samen und Triebe, Beeren, Obst, Knospen und Pilze sowie Vogeleier und Kleinvögel. Spezielle Futterhäuser an Bäumen können mit Nüssen befüllt werden. Auch hier ist es nachhaltiger, Haselnuss- und andere fruchttragende Sträucher zu pflanzen als zuzufüttern.

Winterschlaf oder aktiv? Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Nur zur Nahrungsaufnahme verlassen sie ihr Nest.

Was tun mit verletzten Tieren? In diesem Fall sollte man das Eichhörnchen vorsichtig mit einem Handtuch oder Schal aufnehmen, da die Tiere scharfe Zähne und Krallen haben. Anschließend bringt man es bringen es an einen warmen Ort und vergewissert sich, welche Verletzungen das Tier hat. Bei leichteren Verletzung oder Unterernährung kann eine Eichhörnchenstation in der Nähe der richtige Ansprechpartner sein, bei schweren Verletzungen ist ein Tierarzt mit Wildtiererfahrung aufzusuchen.

Auf keinen Fall Brot- und Essensreste sind kein Eichhörnchenfutter. Regentonnen sollte man fest verschließen oder beschweren, da sonst Tiere ertrinken können. Beim Zufüttern gilt zu beachten, dass Nüsse, Sonnenblumenkerne usw. für Ratten und Waschbären unzugänglich angeboten werden.

Gut zu wissen Der Rehbestand ist stabil, die Gattung nicht bedroht. Rieber: "Sie finden genug Nahrung in unserer Kulturlandschaft". Die Tiere beißen gerne Triebe ab, mögen Raps. Darüber hinaus fressen sie Kräuter, Gräser, Knospen und Getreide. Geeignet ist auch hochwertiges Heu.

Füttern oder nicht? Rehe müssen nicht von privater Seite gefüttert werden. Futterstellen im Wald werden vom Förster oder dem Jagdpächter eingerichtet.

Winterschlaf oder aktiv? Rehe halten weder Winterschlaf noch Winterruhe. Sie versuchen aber, keine unnötige Energie zu verbrauchen, damit sie mit weniger Nahrung auskommen. Hierbei kann man sie unterstützen, indem man in Wald und Feldflur auf den Wegen bleibt und Hunde angeleint lässt. Besonders in der Nacht reduzieren Rehe ihre Körpertemperatur (bis auf etwa 15 Grad) und verlangsamen auch ihren Stoffwechsel. Hierdurch kann dem geringeren Nahrungsangebot Rechnung getragen werden.

Was tun mit verletzten Tieren? Rehe dürfen nicht auf eigene Faust mitgenommen werden. Damit kann man sich strafbar machen. Wer ein verletztes oder krankes Tier findet, sollte den Jagdpächter oder die Polizei rufen. Der Jagdpächter entscheidet, ob das Tier behandelt werden kann oder "erlöst" werden muss.

Auf keinen Fall "Die Tiere bloß nicht anfüttern", warnt Rieber. "Sie kommen sonst wieder. Und in Siedlungen haben sie nichts verloren." Private Futterstellen sollten so weit wie möglich vom Haus entfernt sein. Zudem sollten sie überdacht sein, damit das Heu trocken bleibt. Hunde sollten in der Dämmerung dort nicht mehr herumlaufen.

Gut zu wissen Ackerrandstreifen, Feldgehölze und andere Strukturelemente helfen Feldhasen (und anderen Wildtieren).

Füttern oder nicht? Die Unterstützung von Hasen gestaltet sich schwierig. "Es gibt praktisch nichts, was man für sie im Garten anpflanzen kann", so die Umweltpädagogin vom Nabu Mecklenburg-Vorpommern. In der freien Natur ernähren sich Hasen von frischem Futter. Deswegen sollte der Anteil an frischem Futter auch immer höher sein als der Trockenfutteranteil. Es gibt viele frische Kräuter, aber auch Obst und verschiedene Gemüsesorten, die ihre Hasen gerne fressen. Ohne Einschränkung und in großen Mengen können Hasen Gurken zum Fressen bekommen. In begrenzten Mengen sollten sie Blätter von Radieschen und Kohlrabi bekommen. Radieschen enthalten Senföl. Zu viel davon kann zu Atembeschwerden bei den Tieren führen.

Winterschlaf oder aktiv? Hasen sind auch im Winter aktiv. Sie bekommen aber ein dickeres Fell, das sie vor Kälte schützt.

Was tun mit verletzten Tieren? Hasen sollte man nur mitnehmen, wenn sie schwer verletzt sind oder sich in unmittelbarer Gefahr befinden. Man sollte das Tier dann vorsichtig in eine luftdurchlässige Box setzen (Hände vorher reinigen oder Handschuhe benutzen), geschützt vor Hunden und Kindern, und es schnellstmöglich zu einem Experten bringen.

Gut zu wissen Vögel können bis zu einer gewissen Schneedecke Nahrung vom Boden aufnehmen. Wird diese jedoch zu dick, müssen sie sich anderweitig Futter suchen. Daher erfreuen sich Futterhäuschen bei Amseln oder Meisen großer Beliebtheit. Füttern ist in der Regel von November bis Ende März möglich und hilft den häufigen Arten zusätzlich, besser durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Wer den gefiederten Freunden jedoch grundsätzlich helfen möchte, ist gut beraten, seinen Garten naturnah mit vielen Bäumen und Sträuchern zu gestalten. In totem Holz finden Vögel etwa Insekten und Larven.

Füttern oder nicht? Vögel dürfen im Winter gefüttert werden, sagt Benjamin Weigelt, Naturschutzreferent beim NABU. "Man kann ihnen Hanfsamen, Erdnüsse, Sonnenblumenkerne oder verschiedene Körner geben." Die Samen sollten möglichst in einem Futterhaus platziert werden, das hängend angebracht wird. Zusätzlich kann man als Leckerbissen noch Äpfel und Birnen oder auch Erdnussringe sowie Meisenknödel aufhängen. Weigelt: "Jede Vogelart hat da ihre eigenen Vorlieben."

Winterschlaf oder aktiv? Viele Vögel verlassen jedes Jahr im Herbst ihre Brutgebiete und fliegen in wärmere Regionen, um dort zu überwintern. Den Arten, die bleiben, hilft ihr Federkleid gegen die Kälte: Sie plustern sich auf und die Luftschicht zwischen den Federn wärmt sie wie eine Daunenjacke. So können sie trotz Kälte aktiv bleiben. Wenn es jedoch kalte Nächte gibt, verbrauchen Meisen bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts, das sie am Folgetag wieder aufnehmen müssen, um zu überleben.

Was tun mit verletzten Tieren? Wer ein verletztes Tier findet, sollte erstmal ruhig bleiben und der Natur ihren Gang lassen. Es sei besser, ein Vogel erhole sich von selbst als dass er in menschliche Wohnungen komme, so Weigelt. Geht es einem Tier wirklich schlecht, so kann auch der nächste Tierarzt aufgesucht werden. Bei Vögeln, die unter besonderem Schutz stehen wie Rotmilanen oder Seeadlern sollte man sich an die Untere Naturschutzbehörde wenden.

Auf keinen Fall Vögel sollten kein Dosenfutter bekommen. Auch Datteln oder Aprikosen sind nicht geeignet. Die in Städten verbreiteten Stockenten werden gerne mit Brot- oder Brötchenresten gefüttert. Das sei ein Fehler, so Rieber. "Die Fütterung dient oft der Gewissensberuhigung. Diese ist jedoch nicht nötig und führt bei den Tieren zu Verdauungsproblemen."

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