Naturgewalten Als in Alt-Simonswolde das Wasser fünf Fuß hoch stand
Im Dezember 1287 suchte die zerstörerische „Luciaflut“ Simonswolde heim. Wie sie die Geschichte des Dorfes in der Gemeinde Ihlow veränderte.
Simonswolde - In den vergangenen Tagen hat wieder einmal eine Sturmflut die norddeutsche Küstenlandschaft getroffen. Rechtzeitig haben Wetterdienste auf das Sturmtief „Zoltan“ mit einer zu erwartenden schweren Sturmflut in den Medien gewarnt und die Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen. Immer wieder mussten Menschen in den zurückliegenden Jahrhunderten gegen den „Blanken Hans“, der an den hiesigen Küsten tobte und mit seinen Wassermassen meistens großen Schaden anrichtete, ankämpfen. Viele verloren dabei ihr Hab und Gut, einige sogar ihr Leben.
Eine der fürchterlichsten Sturmfluten, so ist in den Geschichtsbüchern zu lesen, brach im 13. Jahrhundert vom 13. auf den 14. Dezember 1287 an der niederländischen und deutschen Küste über die Bewohner herein. Es sollen bis zu 50.000 Menschen ihr Leben damals verloren haben. Sie konnten nicht wie heutzutage früh genug vor den Gefahren gewarnt werden, sondern mussten sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf ihr Gefühl und ihre Erfahrungen verlassen, um zu retten, was zu retten möglich war. Zudem fehlten seinerzeit die entsprechenden und notwendigen Sicherheitsvorkehrungen. Diese wurde im Laufe der Jahrhunderte stetig verbessert, so dass nach und nach immer weniger Opfer zu beklagen waren. Dennoch ist die Angst vor schweren Sturmfluten auch heute noch nach wie vor bei den Küstenbewohnern vorhanden. Anlässlich der 700-Jahr-Feierlichkeiten in Simonswolde thematisieren die inzwischen verstorbenen Autorinnen Gebke Schönemann und Anneliese Krull in ihrem Büchlein „1287 – Sunedeswalde Bietje van`t Lant un Lü ut uns Laug 1987 – Simonswolde“ in dem Kapitel „Geschichtliche Entwicklung“ die sogenannte „Luciaflut“. Sie ist benannt nach der Heiligen Lucia von Syrakus, deren Gedenktag der 13. Dezember ist.
Große Wasserflut nach Mitternacht
Gebke Schönemann und Anneliese Krull schrieben: Am 14. Dezember 1287 brach nach Mitternacht eine große Wasserflut über die Deiche in unser Land herein. Häuser mit den Menschen, dem Vieh, Korn und Heu wurden hinweggetragen und zerstört. Ganze Äcker wurden vom Untergrund losgerissen, emporgehoben und bis an den Sandrücken getrieben. In der Wittewerumer Chronik heißt es, dass das Wasser in Alt-Simonswolde fünf Fuß hoch stand, die Äcker zerstört wurden und die Häuser einstürzten.
Diese grauenvolle Flut veranlasste die Simonswoldmer, ihr Dorf an die heutige Stelle zu verlegen. Die Kirche wurde abgebrochen, und man bildete eine lange Reihe von den „Bargen“ bis zum heutigen Standpunkt der Kirche, um die Steine der alten Kirche von Hand zu Hand weiterzureichen. Die neue Kirche wurde auf einer aufgeworfenen Anhöhe als Einraumkirche ohne Chor wieder aufgebaut. Mit der Kirche entstanden auf der Sandhöhe auch die Wohnhäuser der Simonswolder. Die Geschichte von „Neu-Simonswolde“ nahm ihren Anfang.
Die Simonswolder ließen sich seinerzeit von dieser und weiteren Katastrophen nicht entmutigen und unterkriegen. Auf dem Spitzbargen, wo früher vermutlich die alte 45 Meter lange und 15 Meter breite Kirche gestanden hat, ist heute eine groß gewachsene Buche zu sehen. Sie pflanzte einst der Vater des Landeigentümers Krine de Berg. Adoptivsohn Hinrich de Berg ist es ein besonderes Anliegen, den Baum im Sinne seines verstorbenen Adoptivvaters weiterhin zu pflegen und zu schützen.
Schwere Sturmfluten
Einige der schweren Sturmfluten, die die Menschen an den niederländischen, dänischen und deutschen Küsten über sich ergehen lassen mussten: ubb/Quelle: Wikipedia: Liste von Sturmfluten an der Nordsee