Hochwassergefahr im Kreis Leer  Hunderte Einsatzkräfte sicherten Deiche in Langholt und Hollen

Sebastian Bete Dirk Hellmers Rieke Heinig
|
Von Sebastian Bete, Dirk Hellmers und Rieke Heinig
| 26.12.2023 07:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Patrouille in der Nacht: Einsatzkräfte kontrollieren den Deich in Langholt. Foto: Hellmers
Patrouille in der Nacht: Einsatzkräfte kontrollieren den Deich in Langholt. Foto: Hellmers
Artikel teilen:

Hunderte Einsatzkräfte haben am Montag zu brechen drohende Deiche in Langholt und Hollen gesichert – mit Erfolg. „Bislang haben die Deiche gehalten“, so die Einsatzkräfte am Dienstagmorgen. So ist die Lage.

Langholt - Großeinsatz für die Feuerwehren im Landkreis Leer: Die Helfer sind am Montag, 25. Dezember 2023, in die Dorfstraße in Langholt gerufen worden. Der Grund: „Wasser tritt dort über das Ufer und bedroht mehrere Wohnhäuser“, schreibt die Kreisfeuerwehr in einer Mitteilung. Bis zum späten Abend wurde der Deich in Langholt entlang der Roten Riede mit Sandsäcken gesichert. „Wir waren rund 150 Kräfte“, sagt Westrhauderfehns Ortsbrandmeister Bernd Haskamp gegen 23 Uhr. Seine Feuerwehr wurde wie weitere Rhauderfehner und Ostrhauderfehner Wehren zur Verstärkung alarmiert. Außer der Wehr waren unter anderem noch Polizei, Malteser Hilfsdienst und die Wasserrettung ausgerückt. Später sind auch noch zahlreiche Einsatzkräfte der Wehren aus Westoverledingen zur Hilfe geeilt.

Video
Feuerwehr sichert Deiche mit Sandsäcken - Großeinsatz im Kreis Leer
26.12.2023

An der Brücke geht es zur Roten Riede. Foto: Hellmers
An der Brücke geht es zur Roten Riede. Foto: Hellmers

Bei der ehemaligen Molkerei auf der Ostrhauderfehner Seite haben die Wehren ihr Einsatzzentrum aufgebaut. Das ist wenige Meter von der Roten Riede – dem Grenzfluss zwischen Rhauderfehn und Ostrhauderfehn – entfernt. Der Einsatzort ist abgesperrt. Auf Höhe der Mühlenstraße sowie der Freitagstraße geht es für Passanten nicht weiter.

Nun während der Flut kann das Wasser nicht ablaufen. Wie Haskamp erläutert, ist das Ledasperrwerk geschlossen, damit kein zusätzliches Wasser in das Land eindringt. Die Einsatzkräfte beobachten die Lage an dem Deich. „Wir patrouillieren regelmäßig“, erläutert er weiter. In Zweierteams laufen die Einsatzkräfte den Deich ab und leuchten mit Taschenlampen auf die Sandsäcke. Dazu sind rund 60 Einsatzkräfte aus der Gemeinde Westoverledingen ausgerückt. Lob für die Einsatzkräfte gab es von Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes: „Es ist ein gutes Gefühl, dass in so bedrohlichen Momenten die Feuerwehren so gut und so eng zusammenarbeiten.“

.

Die Sandsäcke in Langholt. Foto: Feuerwehr Weener
Die Sandsäcke in Langholt. Foto: Feuerwehr Weener

Die Feuerwehr in Langholt ist seit dem frühen Montagmorgen im Einsatz. Die Helfer waren unter anderem im Bereich der Tiedecken-Kurve an der Hauptstraße in Ostrhauderfehn eingesetzt. Später rückten die Helfer noch zum Leda-Jümme-Weg aus, wo die Wassermassen ein weiteres Haus bedrohten. Dort machten die Einsatzkräfte einen verstopften Durchlass frei. „Wir sind gerade ins Feuerwehrhaus zurückgekehrt und werden uns jetzt erholen. Wir gehen davon aus, dass wir in der Nacht erneut eingesetzt werden“, sagte Langholts Ortsbrandmeister Christian Ammermann gegen 23.45 Uhr auf Anfrage dieser Zeitung.

Dominik Janßen, Sprecher der Kreisfeuerwehr Leer, erklärte gegen 17.15 Uhr: „Der Deich in Langholt wird mit Sandsäcken erhöht.“ Die Anzahl der Säcke reiche aktuell jedoch nicht aus. In Rhauderfehn werden nun große Mengen Sandsäcke vorbereitet. Um die Situation an der Roten Riede besser einschätzen zu können, wurde der Bereich auch aus der Luft mit einer Drohne kontrolliert. Die Dorfstraße wurde im betroffenen Bereich gesperrt. Gegen 20.15 Uhr zeigte sich in Langholt ein unverändertes Bild. Man kämpfe weiter gegen das Wasser, sagte Janßen auf Nachfrage. Gegen 22 Uhr ergänzte er, dass im gesamten Landkreis Leer rund 500 Kräfte im Einsatz sind.

Nach Mitternacht heißt es dann von Seiten der Feuerwehr: „Die Sicherungsmaßnahmen mit Sandsäcken an den Deichen zeigten erste Erfolge.“ Betroffene Anwohner wurden vorsorglich informiert, dass im Falle eines Deichbruchs eine Evakuierung erfolgen könnte. Eine entsprechende Notunterkunft sei vorbereitet. „Entgegen einiger Falschmeldungen in den Sozialen Netzwerken sind aktuell noch keine Bewohner evakuiert worden. Es hat lediglich eine Vorwarnung diesbezüglich gegeben“, teilte die Kreisfeuerwehr mit. Die Lage vor Ort werde permanent beobachtet und neu bewertet. „Neueste Kontrollen haben jetzt gezeigt, dass der Deich auf einer Länge von circa 150 Meteer so sehr aufgeweicht ist, dass weitere Sicherungsmaßnahmen erforderlich werden. Die Einsatzleitung vor Ort hat deswegen weitere Feuerwehren alarmieren lassen.“

Weiterer Einsatz in Hollen

Einen weiteren größeren Einsatz gibt es auch in der Gemeinde Uplengen. „Im Bereich Hollen droht der Deich der Hollener Ehe zu brechen“, teilte die Kreisfeuerwehr gegen 19 Uhr mit. Mit dem erwarteten Hochwasser um rund 0 Uhr könnte der instabile Deich nicht mehr halten, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Feuerwehr bereite die Sicherung weiter vor. Sandsäcke aus Soltborg und Weener seien bereits auf dem Weg zur Einsatzstelle.

„Für Uplengen gilt aktuell Gemeindealarm der Feuerwehr, sodass gleich mit einer Menschenkette die Sandsäcke auf den Deich gebracht werden können. Dies verhindert unnötige Bewegungen auf dem instabilen Deich“, schrieb Dominik Janßen gegen 19 Uhr. Gut eine Stunde später war die Situation in Hollen unverändert, teilte der Sprecher der Kreisfeuerwehr auf Nachfrage mit.

Gegen kurz vor 2 Uhr in der Nacht gab es dann eine weitere Meldung der Wehr: „An der Einsatzstelle in Hollen werden gerade alle Kräfte zurückgefahren. Die Deichsicherung ist vorerst abgeschlossen und die Lage weitestgehend unter Kontrolle.“ Einheiten des Technischen Hilfswerks blieben jedoch zur Deichbeobachtung vor Ort und würden die Lage immer wieder neu bewerten. „Der Deich konnte an den wichtigsten Stellen gesichert werden“, teilt die Feuerwehr mit. Jedoch sei es den Kräften nicht gänzlich möglich gewesen, alle Leckstellen vollständig zu schließen. Die kommenden Stunden würden zeigen, ob der Deich hält. „Die Einsatzleitung stellt zudem fest, dass ein weiteres Betreten des aufgeweichten Deiches ein zu großes Risiko für die Einsatzkräfte darstellt“, heißt es in der Mitteilung weiter. Zeitweise standen bis zu 600 Helfer auf dem Deich. Sollte es dennoch zu einem Bruch kommen, stehen weitere 3000 Sandsäcke bereit, um die Höfe und betroffenen Gebäude direkt zu sichern.

Landkreis richtet sich an die Bevölkerung

Der Landkreis Leer richtete sich am späten Montagabend in den sozialen Medien an die Bevölkerung. Unter anderem in einem Instagram-Beitrag beruhigte die Verwaltung Einwohnerinnen und Einwohner: „Bislang ist die Hochwasserlage bei uns im Landkreis Leer unter Kontrolle. Bitte geben Sie nichts auf Gerüchte, die in den sozialen Medien von nicht offiziellen Stellen verbreitet werden und bleiben Sie ruhig.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Landkreis Leer (@landkreis_leer)

Bisher habe es keine Evakuierungen gegeben. Die direkt betroffenen Anwohner in Langholt seien von der Polizei über die Situation informiert worden. „Bitte fahren Sie auch nicht in die betroffenen Gebiete und bleiben Sie zu Hause. Die Einsatzkräfte haben es im Griff und brauchen keine Unterstützung. Im Gegenteil, es hindert sie an ihrer Arbeit“, heißt es weiter. „Wir hoffen das Beste“, wird Landrat Matthias Groote zitiert, der sich ein Bild vor Ort in Langholt gemacht hat.

Lage am Dienstagmorgen

„Bislang haben die Deiche gehalten“, sagte ein Sprecher der Leeraner Polizei am frühen Dienstagmorgen. Zu einem Deichbruch sei es seinen Angaben zu Folge nicht gekommen.

Zur Situation in Langholt schreibt die Leeraner Kreisfeuerwehr gegen 7.50 Uhr: „Die Sicherungsmaßnahmen am Deich haben in der Nacht gewirkt und waren erfolgreich. Der Deich ist stabil geblieben.“ In der zweiten Nachthälfte war der Kräfteeinsatz auf ein Minimum zurückgefahren worden. Es habe lediglich Kontrollen gegeben. Die Pegelstände seien in der Nacht um etwa 30 Zentiemter gefallen. „Aktuell werden erneut die Feuerwehren aus den Gemeinden Ostrhauderfehn, Rhauderfehn und Westoverledingen alarmiert. Die Deichkontrollen werden verstärkt und an den ein oder anderen Stellen erfolgen Ausbesserungs- und Erweiterungsmaßnahmen der verbauten Sandsäcke“, heißt es in der Mitteilung weiter. Ebenfalls wieder im Einsatz ist die Wasserrettung der Kreisfeuerwehr. „Hier werden Kontrollen auch von der Wasserseite aus durchgeführt.“ Am frühen Morgen wurde das Füllen von Sandsäcken, welches durch Einsatzkräfte im Bereich Soltborg erfolgte, eingestellt. Mit insgesamt 17 Paletten seien zunächst genug Sandsäcke fertiggestellt worden, von denen einige noch auf Abruf stünden. Weitere 40.000 leere Säcke zum Befüllen gebe es ebenfalls. „Da die Sicherung erfolgreich war, mussten keine Evakuierungen durchgeführt werden“, schreibt die Kreisfeuerwehr abschließend.

Und zur Lage in Hollen sagt die Feuerwehr: „Der Deich in Hollen hat gehalten“, teilt Dominik Janßen gegen 8 Uhr am Dienstagmorgen auf Nachfrage mit. Die Situation werde aber weiterhin genau kontrolliert und im Blick behalten.

Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr waren am Montagabend in Langholt im Einsatz. Foto: privat
Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr waren am Montagabend in Langholt im Einsatz. Foto: privat

Ähnliche Artikel