Auricher erzählen Geschichten 50 Auricher haben schon ihre Herzgeschichten verraten
Eine Idee von Pastorin Cathrin Meenken schlägt Funken: Sie will ein Buch mit bewegenden Erlebnissen von Menschen veröffentlichen. Dabei gibt es auch einen sozialen Aspekt.
Aurich - Was für ein Superlativ! Eine Frau bezeichnet eine Begegnung als die „schönste und glücklichste in ihrem Leben“. 27 Jahre trennen sie heute von diesem ersten Kontakt, zu dem es in der Luft kam. Genauer gesagt in einem Helikopter, der die damals Schwangere ins Krankenhaus fliegen sollte. Die Auricherin trug Zwillinge unter ihrem Herzen, die Geburt drohte problematisch zu werden. „Die Dienst habende Ärztin entschied, dass ich im Klinikum Mitte in Bremen besser aufgehoben wäre, und forderte den Rettungshubschrauber Christoph 26 an“, schreibt die Frau selbst in einem Beitrag zu dem Projekt „Sternstunden Aurich“ auf der gleichnamigen Facebook-Seite. Weil sie wegen der bevorstehenden Geburt in Panik war, bat sie den Sanitäter, ihre Hand zu halten. Und das machte er − während des gesamten Fluges.
Was sich daraus entwickelte, ist eine jener Geschichten, die den Leser berühren und das Herz erwärmen. Er soll etwas von dem göttlichen Funken spüren, der in manchen Begegnungen wohnt. Das ist die Intention des „Herzensprojektes“, das Pastorin Cathrin Meenken vor einigen Wochen mit anderen aus der Taufe gehoben hat. Sie hat Menschen aus dem Landkreis Aurich dazu inspiriert, besondere Momente in ihrem Leben aufzuschreiben. Bisher haben sich rund 50 Männer und Frauen daran beteiligt. Sie haben sich an den Laptop oder PC gesetzt oder ganz einfach zu einem Kugelschreiber gegriffen und notiert, was ihnen an wunderbaren Momenten widerfahren ist. Verrückte Wendungen im Leben, plötzliche Freude oder unerwartete Hilfe. Begebenheiten aus der Familiengeschichte waren ebenso dabei wie Erlebnisse aus der jüngsten Zeit. Die Geschichten sollen in einem Buch veröffentlicht werden.
Geschichten, die aus dem Rahmen fallen
Für Cathrin Meenken ist jetzt Bergfest, wie sie sagt. Sie wünscht sich, dass noch mindestens 50 weitere Geschichten zusammenkommen: „Ich freue mich sehr über die Resonanz. Anfangs lief es etwas schleppend an, aber mittlerweile treffen über die verschiedenen Kanäle etliche Geschichten ein.“ Wahrscheinlich habe der eine oder andere nach den ersten Texten gesehen, dass es nicht erforderlich ist, ein großes belletristisches Werk beizusteuern, sondern funkelnde Alltagsgeschichten durchaus den Rahmen ausfüllen. Von denen gibt es bereits etliche. So hat Almuth Maaß von der gleichnamigen Drogerie in der Osterstraße beschrieben, wie sie durch die Herausgabe eines Fotobandes über die ostfriesischen Inseln zufällig Kontakt zu einem entfernten Verwandten bekommt. Das erste Telefonat ist so anregend, dass daraus eine erfüllende Dauerbeziehung geworden ist. Von einer Beziehung ganz anderer Art berichtet Christiane Wachtendorf. Die stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Sandhorst hat die Romanze ihrer Großeltern aufgeschrieben.
Flankiert wird das Ganze durch eine Aktion des Lionsclubs Aurich Aurora, der beim Auricher Weihnachtszauber den Hirtenstall betreut. Dort werden 3000 Sterne aus allen erdenklichen Materialien für einen guten Zweck verkauft. „Für den Erlös wollen wir den Zirkus Tausendtraum Anfang Januar eine Woche lang engagieren“, sagt Dr. Ruth Moldenhauer. Das Mitglied des Lionsclubs arbeitet seit sieben Jahren als Kinderärztin in Aurich und hat die Sternverkaufs-Aktion initiiert. „Einfach mal nach den Sternen zu greifen bedeutet nicht nur, hoch hinauszuwollen, sondern auch mutig zu sein, sich mal etwas zu trauen, kreativ zu sein, zu zaubern“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Eigentlich sollten es nur 1000 Sterne werden. Diese Idee habe sie mitten in der Nacht gehabt und sie sofort per WhatsApp an Silke Kampen, Pastorin der Matthäus-Gemeinde, geschickt. Aus den 1000 Sternen seien dann dreimal so viele geworden, und zwar unter Mitwirkung der Kirchengemeinden, des Spööltied-Vereins der Kinderklinik und vieler weiterer Menschen.
In dem Hirtenstall werden im Übrigen auch Geschichten gesammelt. Dort liegt ein großes, ein sehr großes Buch, in das die Besucher des Marktes ihre Erlebnisse handschriftlich eintragen können. Aber auch über die Homepage (www.sternstunden-aurich.de) können Geschichten beigetragen werden. Auf der Seite gibt es bereits ein paar Beispielgeschichten.