Osnabrück Fußfessel für gewalttätige Männer? Wie wär‘s erstmal mit Zivilcourage an Weihnachten?
Sollten Annäherungsverbote für Gewalttäter notfalls mit Fußfesseln durchgesetzt werden? Die Idee hat zunehmend Befürworter. Gerade an Weihnachten und Silvester hat allerdings jeder Einzelne die Chance, etwas gegen Gewalt zu tun.
Statistisch betrachtet wird laut Bundesfamilienministerin fast alle zwei Minuten ein Mensch in Deutschland Opfer von häuslicher Gewalt. Betroffen von dieser Gewalt sind auch Männer, aber überwiegend sind es Frauen und Kinder, die geschlagen, erniedrigt, vergewaltigt und bedroht werden. Und in der Regel sind die Täter Männer.
Wenn sich vor Silvester nun wieder viele Menschen Sorgen um Ausschreitungen und Sicherheit in den großen Städten des Landes machen, lohnt sich der Blick auf die Statistik: Für Hunderttausende Menschen ist Weihnachten und Silvester im eigenen Zuhause viel gefährlicher, als öffentliches Feiern.
Nun fordert der Weiße Ring einmal mehr, gewalttätige Ex-Partner mit Fußfesseln zu überwachen, um zumindest einen Teil der häuslichen Taten zu verhindern. Daraus ergibt sich das klassische Dilemma: Wie viel Sicherheit ist wie viel Überwachung wert? Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hatte im Mai im Interview mit unserer Redaktion für Fußfesseln plädiert und argumentiert, dass Täter auf diese Weise beim ersten Verstoß mit der Polizei konfrontiert und sich Frauen so wieder sicherer fühlen könnten.
In Spanien wird das Prinzip bereits erfolgreich angewendet. Und so ist es sinnvoll, dass der Weiße Ring die Debatte am Leben hält. Ja, Überwachung und Fußfesseln sind gravierende Eingriffe in die Privatsphäre und Freiheit eines Menschen. Bis ein Gericht dem zustimmt, muss aber eine ganze Menge passiert sein, häufig in Form einer Eskalationsspirale.
Ebenso wichtig ist allerdings, das Thema zu enttabuisieren und frühzeitig entsprechendem Verhalten entgegenzutreten, auch Sprüchen, die so etwas sprachlich legitimieren. Das erfordert Mut.
Aber weder in Familien und Freundeskreisen noch im Job darf es als akzeptabel gelten, respektlos und gewalttätig mit einem anderen Menschen umzugehen. Auch nicht rhetorisch. Das beginnt bei Abwertung und Objektifizierung von Frauen, bei vermeintlichen Witzen und abfälligen Bemerkungen. Weihnachten und Silvester sind für viele ein Anlass, gute Vorsätze zu fassen. Mehr Zivilcourage zu zeigen, kann einer sein.