Hamburg  Weihnachten mit Alzheimer: So gelingt das Fest

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 17.12.2023 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wie kann man das Weihnachtsfest auch für die Angehörigen mit Alzheimer zu einem schönen Erlebnis machen? Foto: Jonas Walzberg/dpa
Wie kann man das Weihnachtsfest auch für die Angehörigen mit Alzheimer zu einem schönen Erlebnis machen? Foto: Jonas Walzberg/dpa
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Weihnachten ist das Fest der Familie. Doch wenn auch demente Angehörige am Fest teilnehmen, kann es besonders stressig werden, nicht zuletzt für die Pflegebedürftigen selbst. Mit diesen Tipps können es für alle trotzdem ein paar schöne Stunden werden.

Wenn die Familie zur Weihnachtszeit zusammenkommt, soll keiner fehlen. Doch wenn ein Familienmitglied an Alzheimer oder einer anderen Demenzform erkrankt ist, wird es mit einem Weihnachten „wie immer“ schwierig. „Kranke Menschen haben nun mal auch da ihre ganz eigenen Bedürfnisse”, heißt es vom Verein Alzheimer Forschung Initiative (AFI).

Doch das muss kein Grund sein, die Weihnachtszeit nicht zusammen zu verbringen. „Eine Patentlösung gibt es nicht, dafür sind die Bedürfnisse der Menschen viel zu unterschiedlich”, erläutert Astrid Marxen vom Verein auf Anfrage unserer Redaktion. Trotz individueller Bedürfnisse kann das Fest mit ein paar Faustregeln für alle ein bisschen stressfreier werden.

Die Durchführung einer erfolgreichen Feier beginnt schon bei der Gästeliste. Viele Demenzpatienten sind nämlich schnell überfordert. „So kann ein Nachmittagskaffee in kleinem Kreis für Menschen mit Alzheimer entspannter sein als ein spätes Abendessen in großer Runde”, heißt es von der Alzheimer Forschung Initiative. Eine ruhige Atmosphäre sei generell angenehmer, alternativ hilft es auch, den Erkrankten eine Rückzugsmöglichkeit zu geben.

„Mit Fortschreiten der Demenzerkrankung verlieren Menschen nach und nach das räumliche und zeitliche Gefühl”, sagt Astrid Marxen. Da könne der Besuch in einem komplett fremden Restaurant schon stressiger sein, als die Feier bei der Familie oder gar im eigenen Zuhause des Kranken.

Weihnachten ist eine Zeit der Ausnahmen, ein bisschen mehr Süßigkeiten für die Kinder, langes Ausschlafen für die Erwachsenen und viele andere Annehmlichkeiten gönnt man sich über die Festtage besonders gerne. Doch gerade, wenn das Familienmitglied mit Alzheimer sonst im Pflegeheim lebt, kann die Umstellung über die Feiertage verwirrend werden. Wenn Routinen wie Duschen, Anziehen und Mahlzeiten einnehmen zu bestimmten Zeiten beibehalten werde, gibt das auch außerhalb des Heims Sicherheit, so die AFI.

Riskant sind in solchen Fällen hingegen Ausflüge ins alte Zuhause, zum Beispiel in die Gegend, in der die Person zuletzt vor dem Umzug ins Heim gewohnt hat. „Menschen mit einer Demenzerkrankung wie Alzheimer können bei solchen Ausflügen einfach vergessen, dass sie in einem Heim leben”, heißt es von der AFI. Und entsprechend stressig und emotional könnte dann die Fahrt zurück ins Heim werden.

Selbstredend kommt es auch hier immer darauf an, wie fortgeschritten die Krankheit ist. „Aber selbst wenn die Menschen ihre eigenen Verwandten nur noch situativ erkennen, funktioniert das Langzeitgedächtnis meistens noch gut”, sagt Astrid Marxen von der AFI. Alte klassische Weihnachtslieder und auch der gemeinsame Blick in Fotoalben kann da besonders Freude machen. 

„Berührungen sind auch immer gut, gerade, wenn es mit der Kommunikation schwieriger ist”, führt Marxen aus. Dann reiche es auch, die Hand zu halten und gemeinsam Musik zu hören. „Die Gefühlsebene bleibt immer erhalten”. Auch gemeinsame Spaziergänge als Erholungsphase können eine gute Idee sein.

Die pflegenden Angehörigen kennen die Bedürfnisse der Patienten am besten. Sie wissen meist am besten, wie die Feiertage besonders angenehm verbracht werden können. Auf dieses eigene Wissen sollte man dringend vertrauen.

Und dazu kann auch gehören, trotz aller Tradition und Zuneigung auf ein gemeinsames Fest zu verzichten. „Das Weihnachtsfest soll ja für alle schön werden, niemand sollte seine eigenen Bedürfnisse komplett zurückstellen”, so Astrid Marxen. Auch die Angehörigen nicht.

Doch die Balance zu finden, kann je nach Betreuungsaufwand sehr schwierig werden. Wenn bei der Planung der Familienfeier klar wird, dass man den Bedürfnissen der dementen Angehörigen nicht wirklich gerecht werden kann, sei es keine Schande, sich gegen das gemeinsame Feiern zu entscheiden. „Da sollte niemand ein schlechtes Gewissen haben”, meint Marxen.

Denn am Ende sind die Festtage trotz aller Bedürfnisse nach familiärer Atmosphäre für Menschen mit Alzheimer und die Angehörigen eine Belastung. Viele Eindrücke, eventuell viele Menschen, komplett aus dem gewohnten Alltag herausgerissen werden: Da reicht auch mal ein kürzerer Besuch im Heim. Und das Vorbeischauen außerhalb der Festtage ohne den klassischen Feiertagsstress ist ohnehin mindestens eine genauso gute Idee.

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