Hamburg  300 Euro mehr für den Pflegeplatz: Caritas Niedersachsen warnt vor drastischen Verteuerungen

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 15.12.2023 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Pflege wird 2024 teurer, warnt die Caritas Niedersachsen. Foto: Oliver Berg/dpa
Pflege wird 2024 teurer, warnt die Caritas Niedersachsen. Foto: Oliver Berg/dpa
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Schon jetzt gilt ein Heimplatz als teuer und kaum bezahlbar. 2024 könnte sich die Situation aber noch verschlimmern. Die Caritas Niedersachsen rechnet mit mindestens 300 Euro mehr, die Bewohner jeden Monat aufbringen müssen.

Die Caritas Niedersachsen hat vor starken Preisanstiegen in der stationären Pflege gewarnt. Um rund 300 Euro könnte der Heimplatz ab 2024 teurer werden, teilte der Verband mit. Derzeit müssen Heimbewohner in Niedersachsen durchschnittlich 2300 Euro an Eigenanteil bezahlen. 2024 werden es nach ersten Prognosen mehr als 2600 Euro sein, so die Caritas.

Grund dafür sind vor allem die steigenden Kosten, für den Betrieb von Pflegeheimen: „Wir verzeichnen einen starken Anstieg der Sachkosten, beispielsweise im Energiebereich oder auch bei den Lebensmitteln. Zusätzlich steigen auch die Gehälter um durchschnittlich etwa 13 Prozent“, lässt sich Stefanie Holle, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Altenhilfe in der Mitteilung zitieren.

Schon jetzt sind die Heimkosten im ersten Jahr bundesweit kaum mit der Rente allein zu bezahlen. In Niedersachsen etwa liegt sie durchschnittlich bei rund 1550 Euro im Monat. Wenn die eigenen Rücklagen aufgebraucht sind und die Angehörigen nicht mehr aushelfen können, müssen die Sozialämter einspringen.

Ein Gang, der schon jetzt vielen Menschen schwerfällt, wie Maik Wolff vom Netzwerk „Pflege in Not MV” zu berichten weiß. Egal, ob sie zu Hause oder im Heim betreut werden: „Viele Menschen entscheiden sich dann eher, weniger Leistungen in Anspruch zu nehmen, um noch ein bisschen Geld übrigzuhaben oder weil sie mit den Anträgen ans Sozialamt überfordert sind.

„Die Situation wird sich auf jeden Fall weiter verschärfen”, mahnt Wolff, der selbst Inhaber eines Pflegedienstes in Neubrandenburg ist. Wie sich die Heimkosten im nächsten Jahr genau entwickeln werden, ist schwer abzusehen. Jede Einrichtung verhandelt mit den Pflegekassen einzeln über die Kostenübernahme.

Doch wie kann verhindert werden, dass ein Platz im Pflegeheim für immer weniger Menschen bezahlbar ist? Die Caritas nimmt gleich mehrere Institutionen in die Pflicht: Zum einen sollten die Ausbildungskosten nicht mehr den Bewohnern und Angehörigen überhäuft werden. Das hatte sich auch die Ampel im Koalitionsvertrag vorgenommen, passiert ist dahingehend noch nichts.

Die Länder, so die Caritas Niedersachsen, müssen zudem „verlässlich die Investitionskosten für die stationäre Pflege übernehmen“. Ähnlich hatten es auch schon private Betreiber gefordert. Etwa ein Fünftel des Eigenanteils sind die Investitionskosten, die mit einer Art Kaltmiete verglichen werden können. Bundesweit lag sie zuletzt im Durchschnitt bei knapp 500 Euro.

Allein: Die meisten Länder machen genau das nicht. Als eines von ganz wenigen Bundesländern fördert Niedersachsen schon jetzt die Investitionskosten. Knapp 69 Millionen standen dafür dieses Jahr zur Verfügung. Allerdings war dieses Geld nicht für vollstationäre Einrichtungen, sondern unter anderem für Angebote der Tages- und der Kurzzeitpflege vorgesehen. 2024 stehe die gleiche Summe erneut zur Verfügung, teilt das niedersächsische Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. „Damit steht Niedersachsen beim Fördervolumen pro Pflegebedürftigen im Ländervergleich an dritter Stelle“, heißt es aus Hannover weiter.

Für Heime sind solche Bezuschussungen weiterhin nicht vorgesehen. Das Ministerium sieht sich dabei perfekt im Einklang des Gesetzes, im elften Sozialgesetzbuch ist festgeschrieben: „Leistungen der teilstationären Pflege und der Kurzzeitpflege gehen den Leistungen der vollstationären Pflege vor.”

Andere Bundesländer haben die vollstationäre Pflege nicht komplett vergessen. In Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zahlen die Länder noch immer ein sogenanntes Pflegewohngeld, das die Kosten für die Bewohner zumindest etwas deckelt. Niedersachsen hat diese Zahlung wie auch Hamburg und Rheinland-Pfalz vor Jahren wieder abgeschafft. Eine Rückkehr? Eher ausgeschlossen. „In Zeiten knapper öffentlicher Kassen sind die verfügbaren Finanzmittel möglichst effektiv und zielgerichtet einzusetzen“, argumentiert eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Und das Ziel sei nun mal die ambulante Pflege.

Damit auch die Heimbewohner finanziell entlastet werden, müsste man auf andere Preistreiber wie Energie, Lebensmittel und Personalkosten schauen. Hier seien aber Bund und Pflegeversicherer gefordert, die Kosten zu begrenzen.

Für die Caritas Niedersachsen ist klar, dass es eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung braucht. „Der Eigenanteil muss auf einen festen Sockelbetrag begrenzt werden, damit die Kostensteigerungen nicht weiter zulasten der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen gehen“, so Stefanie Holle.

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