Berlin Elektroautos klimafreundlicher als Verbrenner? Das sagen Ingenieure
Elektroautos sind langfristig besser für das Klima als Verbrenner – das zeigt eine neue Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen, denn die Ergebnisse zeigen: Die Ökobilanz der E-Autos stimmt nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Der Umstieg auf Elektroautos ist demnächst unausweichlich: Ab 2035 dürfen neu zugelassene Fahrzeuge kein CO2 mehr ausstoßen. Darauf hat sich der EU-Umweltrat verständigt. Doch E-Fahrzeuge glänzen nach neuesten Ergebnissen der US-Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports (CR) nicht durch ihre Zuverlässigkeit – punkten sie dann wenigstens durch ihre Klimafreundlichkeit?
Eine aktuelle Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Kooperation mit dem Karlsruhe Institute of Technology (KIT) zeigt: Elektroautos und Hybridfahrzeuge sind in der Tat klimafreundlicher als Verbrennerautos – doch nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Forscher haben in der Studie die Ökobilanz von E-Autos, Plug-In-Hybriden (Benzin/Diesel) und konventionell angetriebenen Autos (Diesel/Benzin) anhand der Treibhausemissionen verglichen.
Das Kernergebnis lautet: Elektroautos der Kompaktklasse sind ab einer Laufleistung von 90.000 Kilometern klimafreundlicher als Diesel oder Benziner der gleichen Fahrzeugklasse.
Noch besser schneiden E-Fahrzeuge und Hybride allerdings ab einer Laufleistung von 200.000 Kilometern ab. Der VDI hat Antriebe von Kompaktklasse-Autos bei einer Laufleistung von 200.000 km über eine Lebensdauer von 14 Jahren verglichen. Und in diesem Fall gewinnt das Elektroauto mit einem knappen Vorsprung zum Plug-in-Hybrid.
Der CO2-Ausstoß eines Elektroautos liegt laut Studie bei 24,2 Tonnen CO2. Dem folgt dicht danach das Plug-in-Hybrid-Fahrzeug mit 24,8 Tonnen CO2. Diesel-Fahrzeuge schneiden im Vergleich mit 33 Tonnen deutlich schlechter ab und das Schlusslicht bildet der Benziner mit 37,1 Tonnen CO2.
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Würde in Deutschland künftig ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien für den Fahrzeugantrieb genutzt werden, wären E-Autos mit heutigem Standard schon ab 65.000 gefahrenen Kilometern klimafreundlicher als Diesel oder Benziner, zeigt die Studie.
Der Einsatz erneuerbarer Energien beim Beladen und Produzieren der Batterien hat demnach einen erheblichen Einfluss auf die Ökobilanz. „E-Autos und Hybridfahrzeuge starten durch die ressourcenintensive Herstellung der Antriebstechnologie bei ihrer Ökobilanz mit einem ökologischen Rucksack“, sagt Joachim Damasky, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik. Auch die überwiegend nach Asien ausgelagerte Batterieproduktion hätte einen großen Anteil daran.
Den Handlungsempfehlungen des VDI nach, müsse die Treibhausgasemission in den Produktionsprozessen reduziert und auf erneuerbare elektrische Energie gesetzt werden. „Erst die grün produzierte Batterie und ihre Vormaterialien reduziert deren ökologischen Fußabdruck und macht die E-Mobilität wirklich klimafreundlich“, so Damasky.
Auch eine Umverlagerung der Produktion nach Deutschland und Europa könne für eine bessere CO2-Bilanz sorgen. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir in vielen Bereichen einen erheblichen Handlungsbedarf haben“, so VDI-Präsident Lutz Eckstein.
Eine weitere Handlungsempfehlung, die aus der Studie resultiert, ist die Entwicklung einer leichteren Fahrzeugklasse für den urbanen Bereich, die durch die Verwendung kleinerer Batterien punkten könnte. Doch das Erreichen der Klimaziele im Verkehrssektor könne nicht nur durch die Weiterentwicklung der E-Mobilität gelingen.
Der VDI spricht sich in den Handlungsanweisungen für eine Förderung der E-Fuels und die Überarbeitung aktueller Rahmenbedingungen aus. E-Fuels seien ein wesentlicher Technologiebaustein für eine klimaneutrale Mobilität. E-Fuels sind künstlich hergestellte Kraftstoffe. In der Regel wird auf der technischen Ebene aus Wasser mit Strom Wasserstoff hergestellt.
Für VDI-Fahrzeugexperte Damasky ist klar: „Wir brauchen daher mehr Batterieproduktion Made in Germany, ein besseres Batterierecycling sowie den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien – sowohl in Form von grünem Strom als auch grünen Kraftstoffen.“