Streit im Gemeinderat Leezdorfer Dorfplatz-Plan bleibt Zankapfel
Die Neugestaltung des Platzes in Leezdorf soll 600.000 Euro kosten und die Gemeinde muss ihren Anteil auf Pump finanzieren. In der Ratssitzung sorgte das für hitzig-kritische Anmerkungen.
Leezdorf - Knapp 600.000 Euro soll die Neugestaltung des Dorfplatzes in Leezdorf kosten. Diese Summe nannte Leezdorfs stellvertretender Gemeindedirektor und Brookmerlander Bauamtsleiter Jochen Behrends am Montagabend in der Sitzung des Leezdorfer Rates, der mit den Stimmen von SPD, Grünen, BWG und CDU endgültig grünes Licht für das Vorhaben gab. Zuvor hatte Behrends die überarbeitete Planung erläutert und einen Überblick über die Kosten gegeben.
Behrends rechnet demnach mit einer Förderquote von insgesamt 85 Prozent. Heißt: Rund eine halbe Million Euro bekommt die Gemeinde für das Dorfentwicklungsprojekt „geschenkt“. Den Rest (derzeit 88.314 Euro) wird sie selbst aufbringen und wahrscheinlich auf Pump finanzieren müssen. Eine Kreditermächtigung ist laut Vize-Kämmerer Luca Zuther im Doppelhaushalt 2024/2025 vorgesehen. Der aber fiel bei der Abstimmung zunächst durch.
Kritik des Heimatvereins
Zur Erinnerung: Nach massiver Kritik des Heimatvereins Leezdorf und der Drohung der BWG/CDU-Gruppe mit einem Bürgerbegehren war das von einer Arbeitsgruppe der Dorfregion Brookmerland erstellte Umgestaltungskonzept für den Dorfplatz überarbeitet worden (wir berichteten). Inhaltlich forderte der Heimatverein, dass der Blick auf die Mühle nicht versperrt werden dürfe. Zudem fürchteten seine Vertreter, dass Veranstaltungen wie das Dorf- und Mühlenfest und Treckerkorsos nicht mehr wie gewohnt stattfinden könnten. Auch Parkplätze für Autos und Busse seien wichtig. Ein neu beauftragtes Auricher Ingenieurbüro passte den ursprünglichen Plan in der Folge wunschgemäß an. Busse sollen das Mühlengelände künftig über den Sträkweg anfahren und in einer Bucht direkt vor dem Müllerhaus halten können. Den Sträkweg entsprechend umzugestalten, kostet laut Behrends 15.000 Euro. Die als störend empfundenen Laubengänge auf dem Dorfplatz wurden aus dem Plan genommen und Platz und Sicht auf die Mühle damit wieder frei. Ein Boule-Platz, Spielgeräte für Kinder, zusätzliche Bäume, Pkw-Parkplätze und eine kleine Bühne blieben drin.
Entgegen anderslautender Darstellungen von Bürgermeisterin Gisela Riesebeck (SPD) wurden zwei geplante Poller in der Zufahrt von „Am Sandkasten“ über den Dorfplatz zur Mühle doch nicht gestrichen. Sie blieben, so Behrends, würden aber so gesetzt, dass Fahrzeuge mit Ausnahme von Schwerlastverkehr durch sie hindurchfahren könnten. Als „nicht schlecht“ bezeichnete Heimatvereinsvorsitzender Gerke Hugen den neuen Plan. Hätte man den Verein eher in die Planungsabläufe einbezogen und dessen Kritik nicht ignoriert, hätte man sich einige „Querelen“ ersparen können, stichelte Hugen, der dann aber auch wieder versöhnliche Töne anschlug: Man sei dankbar für die Unterstützung seitens der Gemeinde, betonte er.
Stimmen zur Planung
Unklar ist bisher, ob die vorgenommenen Planänderungen förderfähig sind. Das wird, wie berichtet, noch von den zuständigen Stellen geprüft. Fakt ist: Die Fördermittel sind „final“. Alles, was jetzt noch ergänzt werde – beispielsweise ein von Renate Erdt (Grüne) angeregter Trinkbrunnen, müsse die Gemeinde selbst finanzieren, erklärte Behrends.
Kritik kam erneut von dem früheren CDU-Ratsherrn Claus-Dieter Freimuth. Ihm sei unverständlich, wie man auf die Idee komme, einen bisher „zweckmäßigen Platz“ mit so viel Geld umzubauen. „Der Platz ist top, im Gegensatz zu unseren Straßen“, sagte Freimuth, der bezweifelte, dass eine Mehrheit der Leezdorfer dieses Projekt gutheiße und unterstütze. „600.000 Euro sind kein Pappenstiel“, sagte er.
Das Geld werde so oder so ausgegeben, entgegnete Heiner Kuske (SPD). „Es wäre doch dämlich, die angebotene Förderung nicht anzunehmen“, ergänzte sein Fraktionskollege Dennis Buck. Er hätte sich gewünscht, dass der Platz noch attraktiver werde. „Wir hätten den Mut haben sollen, den Platz stärker zu verändern“, sagte Heinrich Ubben und weiter: „Für so viel Geld hätte mehr dabei rumkommen müssen. Das ist zu wenig Veränderung.“ Ubben und Heidi Schmidt (SPD) lehnten das Vorhaben als einzige ab.