Wasserversorgung in Ostfriesland  Trinkwasser wird ab Januar deutlich teurer

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 12.12.2023 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der OOWV hebt die Wasserpreise an. Foto: Romuald Banik
Der OOWV hebt die Wasserpreise an. Foto: Romuald Banik
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Zum zweiten Mal binnen eines Jahres hebt der OOWV die Preise für Trinkwasser und für die Abwasserentsorgung an. Dafür wurden auf der Verbandsversammlung mehrere Gründe genannt.

Aurich - Nach nur einem Jahr dreht der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) wieder an der Preisschraube. Ab dem 1. Januar kommenden Jahres verteuert sich der Wasserpreis deutlich. Statt wie bisher 1,18 Euro pro Kubikmeter (1000 Liter) werden dann 1,41 Euro fällig – ein Anstieg von knapp 20 Prozent. Das teilt Pressesprecher Heiko Poppen mit. Ein Dreipersonenhaushalt müsse dadurch rund 50 Euro im Jahr mehr an Wasserkosten einplanen. Die Anhebung des Wasserpreises hat die Verbandsversammlung am Dienstag mit großer Mehrheit beschlossen.

Schon vor einem Jahr wurde der Wasserpreis angehoben, damals um 20 Cent auf 1,18 Euro. Verbandsvorsteher Sven Ambrosy (Landrat im Kreis Friesland) nannte mehrere Gründe für die Anhebung um jetzt 23 Cent. Um die Wasserversorgung weiter zuverlässig sicherzustellen, investiere der OOWV umfangreich in die Infrastruktur. Nach 77 Millionen Euro in diesem Jahr seien 2024 Ausgaben in Höhe von 82 Millionen Euro erforderlich. Dieser Betrag steige derzeit von Jahr zu Jahr – 2022 seien es noch 52,5 Millionen Euro gewesen. „Seit 2018 haben sich die Ausgaben in diesem Bereich verdreifacht“, so Ambrosy.

Alte Leitungen müssen ersetzt werden

OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht bezeichnete die Erhöhung als unausweichlich. Auch den OOWV treffe die hohe Inflation mit ihren Folgen, beispielsweise deutlich höhere Baukosten und signifikant gestiegene Zinskosten, spürbar. Mit dem Tarifabschluss für Versorgungsbetriebe, der für die Mitarbeiter des OOWV anzuwenden sei, nannte er einen weiteren Punkt. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts agiere und investiere der OOWV im Interesse der Allgemeinheit. „Wir arbeiten kostendeckend und sind verpflichtet, Preise je nach Entwicklung anzupassen“, stellte der Geschäftsführer klar. Dazu zähle auch die bevorstehende Erhöhung der Wasserentnahmegebühr durch das Land Niedersachsen um zwei Cent auf 17 Cent pro Kubikmeter ab 2024. Das Land hatte diese Gebühr zuletzt im Januar 2021 um acht Cent je Kubikmeter angehoben.

Der OOWV muss in bestehende Anlagen vermehrt investieren – wie hier in einen der Tanks des Wasserwerks in Egels. Foto: Romuald Banik
Der OOWV muss in bestehende Anlagen vermehrt investieren – wie hier in einen der Tanks des Wasserwerks in Egels. Foto: Romuald Banik

Der Wasserverband feierte in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum, das laut Heiko Poppen auch Auswirkungen auf die Investitionen hat. Denn die Leitungen seien in die Jahre gekommen und müssten ersetzt werden. Erneuert würden aber nicht nur Wasserleitungen, sondern auch ganze Wasserwerke. Ein Beispiel dafür sei der Neubau in Siegelsum. Anfang 2025 soll das neue Wasserwerk den Betrieb aufnehmen – allerdings zunächst für ein halbes Jahr auf Probe und im Parallelbetrieb zum alten Wasserwerk aus dem Jahr 1958.

Energiewende erfordert Investitionen

Hinzu kämen Anpassungen wegen des Klimawandels. Nur aus diesem Grund baue der OOWV Speicherpumpwerke mit hohen Investitionskosten. Kosten, die ohne Klimawandel nicht hätten getätigt werden müssen. Sie seien aber nötig, um die Wasserversorgung zu sichern. Dazu zählten aktuelle Projekte wie der Neubau der Speicherpumpwerke in Lohne (Landkreis Vechta) und Kneheim (Landkreis Cloppenburg) für insgesamt rund 16 Millionen Euro sowie die Verwirklichung einer fast 40 Kilometer langen Wassertransportleitung von Sandelermöns (Landkreis Friesland) nach Diekmannshausen (Landkreis Wesermarsch) – eine wichtige Maßnahme, um die Wasserversorgung im Verbandsgebiet zukunftssicher aufzustellen und an die zu erwartenden steigenden Bedarfe anzupassen.

Das neue Wasserwerk in Siegelsum soll 2025 in Betrieb gehen. Foto: OOWV
Das neue Wasserwerk in Siegelsum soll 2025 in Betrieb gehen. Foto: OOWV

Zum steigenden Bedarf gehört laut Poppen auch die Energiewende. Es würde bislang nicht oft erwähnt. Aber wenn man aus Windstrom Wasserstoff herstellen wolle, benötige man dazu eben auch Wasser. Der Mehrbedarf dürfe aber nicht zu Lasten der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gehen. Deswegen müssten auch alternative Wasserressourcen und komplexe Aufbereitungsverfahren genutzt werden, so Sven Ambrosy während der Verbandsversammlung. „Wir leisten einen wichtigen Beitrag, um die Wasserstoffproduktion neben einer gesicherten Wasserversorgung in der Region zu ermöglichen, müssen aber auch Alternativen zur Grundwasserförderung und -aufbereitung suchen.“

Abwasser wird auch teurer

Im Landkreis Aurich ist der OOWV nicht nur für die Wasserversorgung zuständig. In sechs Gemeinden erledigt der Verband auch die Abwasserentsorgung. In fünf der Kommunen müssen die Einwohner ab Januar mehr für diese Dienstleistung bezahlen. Denn die Verbandsversammlung hat am Dienstag auch den Wirtschaftsplan Abwasserentsorgung beschlossen. Nach rund 50 Millionen Euro in diesem Jahr sind 2024 Investitionen von 56,3 Millionen Euro vorgesehen. Zum Vergleich: 2014 waren es in dieser Sparte 18 Millionen Euro. Zu den bedeutenden Maßnahmen zählen die Modernisierung mehrerer Kläranlagen im Verbandsgebiet und der Bau einer Schmutzwasserdruckleitung von Jaderberg nach Varel. Kurz vor der Inbetriebnahme steht laut Heiko Poppen die Klärschlammmonoverbrennungsanlage in Bremen, die der OOWV zusammen mit der EWE Wasser GmbH, der Hansewasser GmbH und der SWB AG gebaut hat.

In Riepe werden die Abwässer der Gemeinde Ihlow geklärt. Foto: Romuald Banik
In Riepe werden die Abwässer der Gemeinde Ihlow geklärt. Foto: Romuald Banik

In Dornum, Großheide, Hinte, Ihlow und Südbrookmerland müssen die Einwohner demnächst mehr für die Schmutzwasserentsorgung zahlen. Nur auf Baltrum bleibt der Preis bei 4,51 Euro pro Kubikmeter. In Dornum steigen die Kosten um 0,26 Euro auf 5,92 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser, der Durchschnittshaushalt, mit einem angenommenen Verbrauch von 138 Kubikmetern zahlt dadurch 2,99 Euro mehr im Monat. Einen Anstieg um 0,07 Euro auf 6,95 Euro je Kubikmeter Schmutzwasser verzeichnet Großheide, Durchschnittshaushalte haben hier eine monatliche Mehrbelastung von 0,81 Euro. Die beiden Gemeinden haben im Sommer dieses Jahres ein Gutachterbüro beauftragt, die Abrechnungen und Kalkulationen des OOWV für die Jahre 2020 bis 2023 zu prüfen. Denn in Dornum sind die Abwassergebühren innerhalb dieses Zeitraums von 3,26 (2020) auf 5,66 Euro (2023) gestiegen. In Großheide mussten im Jahr 2020 noch 3,97 Euro je Kubikmeter Abwasser gezahlt werden. Dort wurden in diesem Jahr 6,88 Euro vom OOWV gefordert. Die Prüfung der Kalkulationen ist noch nicht abgeschlossen.

In Hinte fallen pro Kubikmeter Schmutzwasser künftig zwölf Cent mehr und damit 4,50 Euro an, das bedeutet 1,38 Euro mehr im Monat für den Durchschnittshaushalt. Der Schmutzwasserpreis in Ihlow klettert um acht Cent auf 2,89 Euro je Kubikmeter, die monatlichen Mehrkosten für den Durchschnittshaushalt belaufen sich auf 92 Cent. Die Kosten für die Schmutzwasserentsorgung in Südbrookmerland wachsen um 33 Cent auf 3,31 Euro pro Kubikmeter, daraus ergeben sich 3,80 Euro mehr im Monat für den Durchschnittshaushalt.

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