Stralsund Lkw-Fahrer bereut Attacke gegen Letzte Generation: Verhalten „wie von einem Siebtklässler“
Im Juli 2023 ging ein Lkw-Fahrer wegen einer Protestaktion der Letzten Generation aggressiv gegen zwei Klimaaktivisten vor. Ein Video dazu sorgte für große Aufregung und viel Hass gegen den Mann. Nun blickt er mit Reue auf den Vorfall zurück.
12. Juli 2023: Aktivisten der Letzten Generation stören mit einer Sitzblockade den Straßenverkehr in Stralsund. Davon betroffen ist auch ein Lkw-Fahrer. Die Aktion nervt ihn so sehr, dass er aussteigt und zwei der Aktivisten mehrfach und auf aggressive Weise von der Straße zieht. Weil seine Gewaltandrohungen sowie seine lautstarken „Verpisst euch!“-Rufe keine Wirkung zeigen, steigt er am Ende wieder in seinen Lkw, fährt los und schiebt dabei einen der Aktivisten etwas vor sich her. Das Video dazu geht viral – und der Lkw-Fahrer bekommt im Nachgang viel Kritik für sein Vorgehen ab.
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Jetzt – fünf Monate später – äußert sich der Fahrer, der Tobias Herbert heißt, zu diesem für ihn einschneidenden Tag: „Wie ich da zu Werke gehe, das geht gar nicht. Und das ist mir auch peinlich“, rekapituliert Herbert sein Vorgehen gegenüber der „Ostsee-Zeitung“. Die Drohgebärde sei „wie von einem Siebtklässler und pubertär“ gewesen, sagt er.
Arbeitsüberlastung, Zeitdruck und Schmerzen nach einer Kiefer-OP – all das soll an besagtem Tag zu der kurzen Zündschnur geführt haben. Doch die aggressive Art, die er den Klimaaktivisten gegenüber gezeigt hatte, sei nicht seine normale Art. „Ich bin ein ruhiger Mensch. Das hat mein Chef auch vor Gericht ausgesagt.“
Vor Gericht musste sich Herbert Ende November verantworten. Wegen seiner Reaktion auf die Straßenblockade soll der 41-Jährige eine Geldstrafe von 1800 Euro zahlen. Die Richterin sah den Tatbestand der versuchten Nötigung erfüllt. Dazu kommt noch ein viermonatiges Fahrverbot. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig; der Anwalt kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.
Das verhängte Fahrverbot ist jedoch bereits abgegolten, denn der Führerschein ist ihm schon vorher entzogen worden. Das hatte Konsequenzen: Im September verlor er seinen Job als Fahrer bei einem Hersteller für technische und medizinische Gase. Wegen der großen Aufregung um ihn griff er darüber hinaus zum Alkohol.
Jetzt aber will er sein Leben wieder in den Griff bekommen – und hat bereits mehrere Jobangebote erhalten von Menschen, die in den vergangenen Monaten auf seiner Seite standen. Nun wolle er wieder als Lagerist arbeiten, wie er es früher schon einmal tat.