Ehe-Jubiläum Es braucht nicht viel zum Glücklichsein
Als Marga und Emil Ahrends aus Moorlage in Großefehn vor 70 Jahren geheiratet haben, war das Leben auf dem Fehn noch beschwerlich. Das Paar hat gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen.
Großefehn - Während Emil Ahrends aus Moorlage schon einmal ein paar Geschichten aus der Anfangszeit ihrer Ehe erzählt, deckt seine Frau Marga den Tisch. Obstboden hat sie gemacht. „Geht ja schnell“, sagt die 94-Jährige und ist schon wieder verschwunden, um den Tee zuzubereiten – auf ostfriesische Art, versteht sich. Sie leben in dem Haus, das sie kurz nach der Hochzeit gebaut haben. Vieles hat sich um sie herum verändert, seit sich Emil Ahrends und Marga, die bis dahin Kleen hieß, vor genau 70 Jahren das Ja-Wort gegeben haben. „Wir haben uns in einer Zeit kennengelernt, als es hier noch nicht viel gab“, erklärt ihr 96-jähriger Ehemann.
Wenn sie am Dienstag, 12. Dezember, ihre Gnadenhochzeit mit Nachbarn und Verwandten feiern, scheint diese Zeit weit weg zu sein. Trotzdem ist sie genau an dem Tag ganz nah. Denn ihre Hochzeit ist ein gutes Beispiel dafür, wie sie sich früher behelfen mussten. Zum Beispiel, als für die Gäste der Ofen verrückt werden musste, dabei ein paar Kacheln von der Wand fielen und zerbrachen. „Damals haben wir schnell neue zugeschnitten und die Lücken mit Mehlkleister wieder zugeklebt“, erinnert sich Emil Ahrends und lacht. Fliesenkleber hatte niemand. „,Wenn man sich nicht helfen konnte, musste man sich eben behelfen‘ hatte schon meine Oma gesagt“, sagt Emil Ahrends.
Beim Tanzen fanden sie zueinander
Jetzt sitzt auch Marga Ahrends wieder am Tisch in der kleinen Stube. Das große Wohnzimmer nebenan wird nur zu besonderen Tagen genutzt, so ist es üblich. Dort hängt an der Wand das Foto von vor genau 70 Jahren. Es zeigt die damals schon schlanke Marga Ahrends im weißen Kleid mit gebauschtem Schleier und Emil Ahrends mit dunklem Anzug und weißer Fliege. Lange hatten sie sich damals gekannt, schon viele Male zusammen getanzt. „Wir waren beide gute Tänzer“, erinnert sich Marga Ahrends.
„Marga ist die kleine Schwester eines Freundes, mit dem ich damals immer unterwegs war“, sagt Emil Ahrends. Es war eine ganze Jungs-Clique. Im Tanzlokal nannte man ihren Stammplatz „die blaue Ecke“, wegen des selbst gebrannten Schnapses, den es dort gab. Auch den hatten Emil Ahrends und seine Jungs verzapft. „Betrunken war er aber nie“, nimmt Marga Ahrends ihren Mann in Schutz. Er brachte sie nach dem Tanz nach Hause. Dass sie heiraten würden, wussten sie, seit sie sich 1950 beim Tanzen ineinander verliebt hatten, nur nicht wann.
Erst die Arbeit, dann die Hochzeit
„Wir mussten ja warten, bis wir finanziell abgesichert waren“, sagt die 94-Jährige. Eine Arbeit zu finden, sei damals auf dem Fehn schwer gewesen. Aber ohne sei an eine Hochzeit nicht zu denken gewesen. Auch deshalb nahm Emil Ahrends den Weg zu den Nordseewerken auf sich, um nach seiner Ausbildung in Wilhelmshaven und einer Zeit als Fehnschiffer auf dem Fehntjer Tief und dem Ems-Jade-Kanal in Emden als Schiffsbauer zu arbeiten. Erst fuhr er mit dem Rad und war nur am Wochenende zu Hause.
„Dann haben wir Leute gesammelt, die auch bei den Nordseewerken arbeiten wollten, damit wir uns einen Bus mieten können, der uns täglich nach Emden fährt“, sagt Ahrends und lacht wieder. Man wusste sich eben zu behelfen. „Dann musste mit der Hochzeit alles plötzlich schnell gehen, weil es meinem Schwiegervater sehr schlecht ging“, erinnert sich Emil Ahrends. Nach der ersten Zeit im Haus der Schwiegereltern an der Stelzenwieke in Wiesmoor baute das Paar 1955 von dem verdienten Geld sein eigenes Häuschen.
Das Haus wuchs mit den Jahren
„Es war gerade so groß, wie das Geld dafür reichte“, sagt Marga Ahrends und lächelt, als sie sich an die Anfangszeiten im neuen Zuhause erinnert. Etwa doppelt so groß wie damals sei das kleine Siedlungshaus heute. Erst später wurde Platz für den Sohn geschaffen und großzügig angebaut. Sogar einen Wintergarten und eine Terrasse gibt es heute. Emil Ahrends nickt in Richtung des Nachbarhauses: Gebaut wurde neben seinem Elternhaus.
Was sie anderen Paaren als Rezept für eine lange Ehe mitgeben würden? Beide sehen sich ein wenig hilflos an. Gedanken mussten sie sich darüber nie machen. „Es war bei uns immer friedlich, gestritten haben wir nie“, sagt Marga Ahrends und zuckt die Schultern. Sie waren genügsam, kümmerten sich um den Gemüsegarten, hatten viele Jahre lang Schweine. Sie waren zufrieden, der Alltag hielt sie auch ohne Hobbys und Reisen auf Trab.
Im Ruhestand begannen die Reisen
Erst nachdem die Fehntjer Nordseewerk-Busfahrer der ersten Stunde gemeinsam in den Ruhestand verabschiedet worden waren, kamen auch Emil und Marga Ahrends zu ihren ersten Urlauben. Die ehemalige Fahrgemeinschaft blieb nämlich bei Busreisen. Nur führten sie nicht mehr nach Emden, sondern in den Süden, zum Beispiel nach Bayern. Was die beiden durch die Jahrzehnte getragen hat, seien gerade Freundschaften wie diese gewesen. „Wir haben auch mit den Nachbarn viel Glück“, sagt Marga Ahrends. Kein Wunder, dass es eine Nachbarin war, die das Paar in die Zeitung brachte.
Es waren die kleinen Dinge, die den Ahrends‘ das Leben angenehm gemacht haben. „Ich treffe mich noch immer regelmäßig mit zwei Freundinnen“, erklärt Marga Ahrends. Emil Ahrends hatte den Fußball, ist der wohl älteste Anhänger des SV Großefehn und zählt mit seinen 96 Jahren zu den ältesten Fußballfans der Region. Früher spielte er selbst bei den Fehntjern als Rechtsaußen. Manche Begegnungen im Leben des Paares sind zu Ritualen geworden. Seit Jahrzehnten frühstücken sie samstags gemeinsam mit einer Nachbarin – oder besser gesagt: inzwischen mit deren Tochter. „Wir sind froh, dass wir uns in unserem Alter noch gut unterhalten können“, sagt Marga Ahrends. Mehr braucht es manchmal nicht für ein zufriedenes Leben.
Kronjuwelen und ganz großes Glück in Ost-Victorbur
Verliebt seit dem ersten Klingeln
Ihre Liebe wuchs anfangs langsam, aber sie blieb
Beim Tanzen in den 50ern funkte es