Osnabrück 1860-Präsident über Trainer Schweinsteiger: „Er hat Stallgeruch - aber den falschen“
Nicht einmal einen Monat ist es her, dass Tobias Schweinsteiger als Trainer des VfL Osnabrück freigestellt wurde. Nun scheint es, als habe der TSV 1860 München, der sich jüngst von Maurizio Jacobacci getrennt hat, Interesse am gebürtigen Rosenheimer.
Der TSV 1860 München ist mal wieder auf Trainersuche. Nach der jüngsten 0:3-Niederlage des Drittligateams bei Borussia Dortmund II war die Zeit abgelaufen für Maurizio Jacobacci. Der Löwen-Trainer, der das Amt erst Ende Februar von Interimscoach Günther Gorenzel (war wiederum auf Michael Köllner gefolgt) übernommen hatte, wurde von seinen Aufgaben entbunden; „freigestellt“, wie es in der Pressemitteilung des Vereins hieß.
Fürs Erste betreut der bisherige Cheftrainer der weiß-blauen U21-Mannschaft, Frank Schmöller, die Profis. Er soll auch in den verbleibenden Partien bis zur Winterpause gegen Arminia Bielefeld und Waldhof Mannheim an der Seitenlinie stehen (das Spiel gegen Rot-Weiß Essen wurde witterungsbedingt abgesagt). Doch schon jetzt - so will es das Geschäft Profifußball, in dem der TSV 1860 immer noch ein bisschen nervöser zu agieren scheint als andere Clubs, - stellt sich die Frage nach der mittelfristigen Nachfolge Jacobaccis. Wer wird der fünfte Sechzger-Trainer innerhalb eines Kalenderjahres?
Ein Kandidat, dessen Name in verschiedenen Medien immer wieder genannt wird, scheint Ex-VfL-Coach Tobias Schweinsteiger zu sein. Der 41-jährige Rosenheimer hat sich durch seine Zeit als Osnabrücker Trainer für neue Aufgaben empfohlen - freilich besonders durch den Aufstieg in der abgelaufenen Saison, nach dem Schweinsteiger den VfL im unteren Tabellendrittel der 3. Liga übernommen hatte. Unter ihm nahm das Team eine Entwicklung, wie man sie in München-Giesing auch gerne von den dortigen Spielern sähe. Dazu kommt: Schweinsteiger könnte nach eigenen Angeben sofort wieder als Trainer einsteigen. „Es ist nicht so, dass ich mich jetzt von irgendwas erholen muss“, sagte er im Interview mit unserer Redaktion. Eine Auszeit brauche er nicht.
Dass Schweinsteiger kein gewöhnliches Verhältnis zu 1860 hat, daraus macht er selbst keinen Hehl: „Sechzig spielt immer schon eine große Rolle in meinem Leben“, hatte er der Mediengruppe Münchner Merkur/tz im September 2022, kurz nach Dienstantritt in Osnabrück, verraten. Schweinsteiger ist seit Jahrzehnten Mitglied im Sechzger-Fanclub „Wendelstein Löwen“.
Nun muss man wissen, dass im TSV 1860 noch immer zwei Gesellschafterseiten mehr gegeneinander als miteinander arbeiten. Da wäre zum einen diejenige um Investor Hasan Ismaik, der durch finanzielle Investitionen dem Club mitunter gar die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs sichert. Ihr gegenüber steht die Seite des e.V. um Präsident Robert Reisinger, hinter der sich die deutlich traditionsbewussteren Anhänger der Löwen versammeln.
Gerade nach dem missglückten Intermezzo Jacobaccis als TSV-Trainer, der im Frühjahr als Wunschkandidat der Gesellschafterseite um Ismaik an die Grünwalder Straße 114 gekommen war, wäre ein Aufstiegstrainer, der gleichzeitig auch Fanclub-Mitglied ist, für die opponierende e.V.-Seite doch eine attraktive Nachfolgelösung. Oder?
Nachfrage bei Präsident Reisinger selbst. Zum laufenden Prozess der Trainersuche wollte sich Reisinger am Mittwochabend nicht äußern. Zur Attraktivität Tobias Schweinsteigers als möglicher neuer Coach und dessen Verbundenheit zum TSV hatte Reisinger der NOZ-Sportredaktion gegenüber dann doch etwas zu sagen: „Er hat Stallgeruch, ja“, räumte der Präsident ein. „Aber den falschen.“ Aber, wie erwähnt, hat doch Schweinsteiger selbst geäußert, dass er Fanclub-Mitglied ist und 1860 „schon immer eine große Rolle“ in seinem spielt. Zählt das nicht? Reisingers Antwort: „Das ist ja schön und gut, dass er das sagt. Ich sage Ihnen mal eines: Ich bin durch und durch Blauer. Und von mir werden sie nirgendwo in Social Media oder sonst wo ein Foto finden, auf dem ich in einem roten Trikot rumlaufe.“
Könnte heißen: Reisinger, dem prominentesten e.V.-Vertreter, genügen die Bekundungen Schweinsteigers nicht. Richtig ist, dass Schweinsteiger - als Spieler und später als Jugendtrainer - sechseinhalb Jahre in Diensten des FC Bayern stand. Vielen Löwen-Fans ist außerdem eine Szene aus dem Jahr 2014 im Gedächtnis, als Schweinsteiger im „kleinen Derby“ zwischen den zweiten Mannschaften des FC Bayern und des TSV 1860 in der 90. Minute zum 3:1-Endstand für die „Roten“ getroffen hatte.
Den Sieg genoss Schweinsteiger anschließend mit den FCB-Fans. Auf dem Kopf trug er einen Strohhut, ließ sich auf dem Zaun des Grünwalder Stadions feiern. Vor der Westkurve. Der eigentlichen Heimat der Löwen-Anhänger.