Hannover  Gewalt und Pyros in Fußballstadien: Niedersachsen nimmt Vereine in die Pflicht

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 06.12.2023 16:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Braunschweigs Fans brennen Pyrotechnik im Stadion von Hannover 96 ab. Die niedersächsische Landespolitik will gemeinsam mit den Fußball-Clubs Stadiongewalt bekämpfen. Foto: Axel Heimken/dpa
Braunschweigs Fans brennen Pyrotechnik im Stadion von Hannover 96 ab. Die niedersächsische Landespolitik will gemeinsam mit den Fußball-Clubs Stadiongewalt bekämpfen. Foto: Axel Heimken/dpa
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Die Gewalt im Stadion beim Spiel zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig Anfang November hat das Fass für Innenministerin Daniela Behrens zum Überlaufen gebracht. Die SPD-Politikerin fordert von den Vereinen Konsequenzen. Aber was ist, wenn keine Besserung eintritt?

Um das Problem gewalttätiger Auseinandersetzungen in Fußballstadien in den Griff zu bekommen, hat Innenministerin Daniela Behrens am Mittwoch in Hannover mit Spitzenvertretern der Zweitligisten Hannover 96 und Eintracht Braunschweig gesprochen. Klar ist: Die SPD-Politikerin will die Vereine in die Pflicht nehmen.

„Beim jüngsten Derby hier in Hannover gegen Braunschweig habe ich wirklich schreckliche Bilder gesehen. Das Gleiche gilt für Spiele kürzlich in Hamburg, Frankfurt und Dortmund. Das ist nicht akzeptabel. Die Bundesligavereine müssen mit ihrer Fanarbeit und ihren Sicherheitsmaßnahmen dafür sorgen, dass die Gewalt aus den Stadien verschwindet“, erklärte die Ministerin erst kürzlich im Interview mit unserer Redaktion und kündigte ein persönliches Gespräch mit den Vereinsspitzen an.

Martin Kind für Hannover 96 und Nicole Kumpis für Eintracht Braunschweig zeigten sich am Mittwoch nach dem Gespräch mit der Ministerin und Polizeivertretern einsichtig, räumten Versäumnisse ein und gelobten Besserung.

Kind dankte der Ministerin für die Einladung zum Gespräch in ihr Ministerium und versicherte, dass er bereit sei „über alles zu reden“ und in „gewissem Maß“ auch in die Sicherheit zu investieren. Auf eine Summe wollte sich der Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96 allerdings nicht festlegen lassen. Er stellte aber fest, dass sein Verein im vergangenen Jahr immerhin 600.000 Euro an Strafe für gezündete Pyros an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) habe zahlen müssen. „Das Geld hätten wir besser in Videotechnik und andere Sicherheitsmaßnahmen investieren können“, erklärte Kind.

Laut Eintracht Braunschweig-Präsidentin Kumpis zahlte ihr Verein in der gleichen Angelegenheit rund 300.000 Euro an den DFB. Kumpis sprach von einem konstruktiven und sehr offenen Gespräch. Unter anderem sollen Einlasskontrollen verstärkt und die Infrastruktur in Stadien gestärkt werden. Vor allem die Kameratechnik lässt laut der Eintracht-Präsidentin „in vielen Stadien zu wünschen übrig“.

Martin Kind betonte, dass Hannover 96 zunächst ein Sicherheitskonzept in Auftrag gegeben habe, danach werde man über konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Stadion beraten.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte für Ministerin Behrens die Begegnung zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig Anfang November in der Landeshauptstadt. Beim 2:0-Derby-Erfolg von Hannover hatten beide Fan-Lager massiv Pyrotechnik abgebrannt. Eintracht-Anhänger verursachten im Stadion laut 96 einen Schaden von etwa 150.000 Euro und bei einer Rangelei im Heimbereich war ein Polizeibeamter schwer verletzt worden.

„Dabei habe ich den Eindruck, dass die Polizei ihren Kopf hinhalten muss für mangelnde Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien – und das werde ich nicht länger dulden“, machte Behrens unlängst deutlich. Für die Ministerin ist klar: Die Polizei ist für die Sicherheit außerhalb der Stadien verantwortlich, in den Stadien sind die Vereine in der Pflicht. Sollten diese nichts oder zu wenig unternehmen und sich die Eskalationsspiralen weiterdrehen, ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass das Land die Vereine für die Polizeikosten irgendwann zur Kasse bittet. „Das ist nicht mein erklärtes Ziel, aber ich werde nicht akzeptieren, dass die Polizei als Ausputzer für verfehlte Sicherheitskonzepte der Vereine herhalten muss“, machte Behrens deutlich.

Nach den Worten der Ministerin waren Anfang November beim Spiel Hannover gegen Braunschweig knapp 2000 Polizisten im Einsatz. Die Kosten dafür bezifferte Behrens mit über einer Million Euro, wobei es sich dabei um die Gesamtkosten für den Einsatz sowohl innerhalb als auch außerhalb des Stadions handele.

Ob die Vereine ihre Ankündigungen ernst meinen und in den nächsten Wochen und Monaten konkrete Sicherheitsmaßnahmen erarbeiten und ergreifen, dürfte sich im Frühjahr zeigen. Im April steht das nächste Niedersachsen-Derby zwischen Hannover und der Eintracht an, dann in Braunschweig.

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