Prozessauftakt in Aurich Frau wirft Familienfreund nach Grillabend Vergewaltigung vor
Wegen zweifacher Vergewaltigung steht ein 36-Jähriger in Aurich vor Gericht. Der Mann und Freund der Familie bestreitet die Tat. Das mutmaßliche Opfer schilderte dem Gericht das Erlebte.
Aurich - Nach einem Grillabend und einer langen Nacht an der Feuertonne geschah für das mutmaßliche Opfer das Undenkbare – ein Freund der Familie vergewaltigte sie zweimal. „Ich habe mir das niemals, niemals vorstellen können. Weil wir uns so lange kannten und als Familien Spaß zusammen gehabt haben“, sagte die 39-Jährige aus dem Landkreis Leer am Dienstag fassungslos vor dem Auricher Landgericht aus.
Der sexuelle Übergriff soll in den frühen Morgenstunden des 30. Mai 2021 beim Aufräumen von Geschirr, Kissen und Abfall geschehen sein. Tatort war die Werkstatt im Haus des Angeklagten. Zum Prozessauftakt ließen sich sowohl die Geschädigte als auch der Angeklagte, in dessen Garten der Grillabend stattgefunden hatte, zu den Vorwürfen ein. Ihre Aussagen deckten sich bis auf den äußeren Rahmen kaum.
„Es ist in meinen Augen ein Racheakt“
„Zu der Zeit habe ich noch heimlich Amphetamin konsumiert“, sagte der 36-jährige Angeklagte über seine Verfassung zum Tatzeitpunkt. Seinen Angaben nach floss in der Mai-Nacht am Feuer reichlich Alkohol – Cola-Rum, Wein, roter Feigling. Einiges stammte offenbar vom Sohn der Geschädigten, der zusammen mit einem Freund dazu gestoßen war. Die 39-Jährige habe sich gegen Mitternacht im Vorgarten übergeben. Zwischen ihnen beiden sei es zu einer heftigen Diskussion über den jeweiligen Lebenswandel gekommen, so der Angeklagte. Gegen 6 Uhr hätten sie begonnen aufzuräumen. Ein Sexualdelikt bestritt er ebenso wie körperliche Berührungen.
„Warum werden Sie vom Opfer so schwer belastet?“, fragte ihn der Vorsitzende Richter Björn Raap. „Keine Ahnung“, sagte der Angeklagte. „Es ist in meinen Augen ein Racheakt. Ich habe nicht gutgeheißen, dass sie sich mit anderen Männern getroffen und nur noch ihr Ding durchgezogen hat.“ Das mutmaßliche Opfer lebte damals in Scheidung. „Sie sagte, mein Konsum sei schädlich für meine Ehe und meine Kinder. Das war es, was sich an dem Abend hochgeschaukelt hat“, fuhr der Angeklagte fort. Inzwischen bestehe kein Kontakt mehr zu der 36-Jährigen.
Angeklagter sitzt derzeit in Haft
Der Angeklagte stammt wie das mutmaßliche Opfer aus Dresden, wo die Familien bereits miteinander befreundet waren. Wegen einer besonders schweren räuberischen Erpressung, verübt in Dresden, muss er derzeit in der JVA Meppen eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verbüßen. Zu seiner Ehefrau besteht weiterhin ein „ganz inniger Kontakt“, betonte er.
Die mutmaßlich Geschädigte nahm zusammen mit einer psychosozialen Prozessbegleiterin am Zeugentisch Platz. Ruhig berichtete sie über die gemeinsame Vorgeschichte und ihre schwierige Lebensphase zur Tatzeit, von der sie durch den Grillabend Ablenkung gesucht habe. Außer zwei Flaschen Wein sei nichts getrunken worden – nach einer Operation sei sie ohnehin zurückhaltend.
„Ich dachte erst, er macht Spaß“
Die Stimmung beim Aufräumen beschrieb sie als „müde, wir haben nebenbei geschwatzt, worüber weiß ich nicht mehr. Ich wollte was reintragen, er hat mich in eine Werkstattecke gedrückt. Ich dachte erst, er macht Spaß“, schilderte sie den Beginn des Übergriffs. Er habe sie festgehalten, sie „Nein, hör auf“ gesagt.
Zweimal soll der 36-Jährige sie dann vergewaltigt haben. Der Zeugin fiel es schwer, über das zu sprechen, was sie erlitt. Die Vergewaltigung sei ihr wie ein Stummfilm in Erinnerung geblieben. „Ich habe versucht zu verstehen, was passiert ist“, sagte sie. „Wir haben so viel zusammen unternommen, mir sind 1000 Sachen durch den Kopf gegangen. Warum ich?“, gab sie einen Einblick in ihre damaligen Gedanken.
Der Prozess wird am Donnerstag, 7. Dezember, um 9 Uhr in Saal 003 mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Zwei weitere Termine sind am 12. und 21. Dezember angesetzt.