Tankstellenüberfall in Warsingsfehn  Tankstelle überfallen – Augenzeugen enthüllen Details

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 30.11.2023 12:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Tankstelle in Warsingsfehn ist im Sommer 2023 überfallen worden. Symbolfoto: pixabay
Eine Tankstelle in Warsingsfehn ist im Sommer 2023 überfallen worden. Symbolfoto: pixabay
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Ein 26-Jähriger soll am 5. Juni 2023 in Warsingsfehn eine Tankstelle überfallen und einen Rentner mit einem Messer verletzt haben. Nun sagten vor Gericht Zeugen aus.

Aurich - „Im nächsten Moment hat der Täter das Opfer in Gewahrsam genommen. Er hielt sein Messer Richtung Hals und sagte Geld, Geld.“ Was die 48-jährige Zeugin am 5. Juni 2023 in einer Warsingsfehntjer Tankstelle miterleben musste, sagte sie am Donnerstag erstaunlich gefasst vor der dritten Großen Strafkammer des Auricher Landgerichts aus. Ein anderer Angestellter der Tankstelle sei gekommen, fuhr sie fort, und habe den Räuber mit dem Besen attackiert – „in dem Moment ging der Tumult los“. Sie habe sich hinter einer Säule versteckt.

Bei dem Überfall durch einen 26-Jährigen wurde ein 73-jähriger Kunde Opfer einer Messerattacke. Der Moormerlander erlitt eine Stichwunde in den rechten Oberschenkel, wobei ein Arterien-Seitenast verletzt wurde. Im Leeraner Borromäus-Hospital wurde die Wunde operativ verschlossen und der Bluterguss ausgeräumt. Der Rentner, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, blieb vom 5. Juni bis 10. Juli 2023 in stationärer Behandlung. Noch heute spürt er Beeinträchtigungen.

Täter auf Flucht gestoppt

Nachdem der Täter aus der Tankstelle gerannt war, schaute die Zeugin nach dem Opfer. „Ich bin gegenüber zu meinem Hausarzt, um Hilfe zu holen“, erzählte sie. Kurze Zeit später bemerkte sie auf der Heimfahrt den Flüchtigen, der Richtung Jheringsfehn unterwegs war. „Er hatte etwas Blitzendes in der Hand. Ich fuhr zurück zur Tankstelle und fragte, wo ist die Polizei, da läuft der Täter“, sagte die Neukamperfehntjerin. Diese habe ihn gleich darauf festgenommen.

Verteidiger Jens Hartmann fragte nach, ob sich die Zeugin sicher sei, dass sein Mandant dem Opfer das Messer direkt an den Hals gehalten habe. Sie nickte bestätigend: „Es war sehr lang und ein älteres Messer.“

Tatmotiv: Geldbedarf für einen Autokauf

Eine 19-Jährige aus Moormerland war zum Tatzeitpunkt gegen 10 Uhr auch in der Tankstelle. Sie berichtete, der Angeklagte habe das Messer herausgeholt und dem älteren Mann in den Oberschenkel gestochen. „Ich bin panisch raus“, sagte sie. Ob ihr am Zustand des Täters etwas aufgefallen war, wollte die Staatsanwältin wissen. „Nein, ich habe ihn nur von hinten gesehen. Ich stand auch sehr unter Schock“, antwortete die Auszubildende.

Der Angeklagte musste während der Verhandlung Hand- und Fußfesseln tragen. Als Tatmotiv hatte er beim Auftakt des Prozesses um räuberische Erpressung vor einer Woche Geldbedarf für einen Autokauf angeben.

„Sie sagen, dass ich verrückt bin“

Offenbar weicht seine Erinnerung an den Überfall von den Wahrnehmungen der Zeuginnen ab. Das brachte er zur Sprache. Während „der Aktion“ seien nur drei Personen da gewesen, bekräftigte er. Die Zeugin sei nicht darunter gewesen. Etwas unvermittelt ließ er einfließen: „Sie sagen, dass ich verrückt bin, deshalb kann ich das nicht erklären.“ Er habe einen anderen Mann verletzt, der größer gewesen sei. Den Rentner habe er nicht verletzt – „den ich verletzt habe, ist aus einer anderen Welt“. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Malte Sanders zählte er die Länder Deutschland, Frankreich, Russland, Guadeloupe und Thailand als für ihn zur anderen Welt gehörig auf. „Wir nehmen das mal so zur Kenntnis“, entgegnete der Richter.

Der Prozess soll klären, ob der Angeklagte unter einer Psychose leidet und in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss. Dazu wurde ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Die Verhandlung geht am Donnerstag, 21. Dezember, um 9 Uhr in Saal 116 weiter.

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