Berlin Disney-Film „Wish“: Macher verraten versteckte Gags und Anspielungen
Der Trickfilm „Wish“ versteckt mehr als 100 Anspielungen auf 100 Jahre Disney. Im Gespräch geben der Produzent Peter Del Vecho und die Regisseure Chris Buck und Fawn Veerasunthorn Tipps zum Mitraten.
Mit seinem neuen Trickfilm „Wish“ feiert Disney Weihnachten und Geburtstag zusammen – und zwar den eigenen. Vor 100 Jahren wurde der Micky-Maus-Konzern gegründet. Heute hat er mehr als 200.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von annähernd 90 Milliarden Dollar. Logisch, dass das Geschenk in so einem Fall nicht irgendwer einpackt.
Hinter „Wish“ steht das Team, das auch die beiden Abenteuer der „Eiskönigin“ ins Kino gebracht hat – und damit zweimal in Folge den erfolgreichsten Trickfilm aller Zeiten inszenierte. Wird der neue Film den Rekord noch einmal Mal brechen? „Ich habe große Hoffnungen“, antwortet Produzent Peter Del Vecho im Gespräch mit unserer Redaktion. „Bei der ‚Eiskönigin‘ hatte ich dasselbe Gefühl – als noch niemand ahnen konnte, was für ein weltweites Phänomen das werden würde.“ Allerdings – das Kino hat eine weltweite Pandemie hinter sich, sagt er auch. Und immer noch arbeite man daran, das Publikum zurück zu holen.
Disney steht für die großen Träume, und im neuen Film haben sie sich materialisiert: Als schillernde Blasen treiben in der Schatzkammer eines Märchenkönigs alle Wünsche seines Volks. Der König inszeniert sich als ihr treuer Verwalter. Bis seine Dienerin, das Mädchen Asha, die Intrige dahinter aufdeckt: Statt die Träume seines Volks zu erfüllen, unterdrückt der König sie – aus Angst vor der umstürzlerischen Macht von Träumen.
Mit dem zeitlosen Märchen-Setting führt „Wish“ an Disneys Anfänge zurück. Und spielt dann nach Kräften auf die Klassiker an: In Ashas sieben Freunde spiegeln sich Schneewitchens Zwerge. Und wie so viele Disney-Helden richtet auch Asha einen Wunsch an einen fernen Stern – der in diesem Fall prompt vom Himmel fällt und als launiger Geist zu ihrem Helfer und Begleiter wird. „Gucken Sie sich den Stern mal genauer an“, sagt Peter Del Vecho. Sein Gesicht ist herzförmig gerahmt – genau wie das von Micky Maus.“
Hier sehen Sie den deutschen Trailer von Disneys „Wish“:
Über 100 Anspielungen sollen in Figuren, Dialogen, Songs und Designs versteckt sein. Gab es irgendwas, das nicht reinpasste? „Ich glaube, wir haben alles unterbekommen”, antwortet der Regisseur Chris Buck. Ausgerechnet sein Lieblingsgag ist allerdings aus der Handlung geflogen und musste dann ganz ans Ende geklemmt werden, noch hinter die Schlusstitel. Was es ist, verrät er nicht; aber er bekniet die Fans bis zur letzten Sekunde sitzen zu bleiben. Für Co-Regisseurin Fawn Veerasunthorn kommt die wichtigste Anspielung gleich zu Beginn: „Nach dem Micky-Logo kommt der Schriftzug Walt-Disney-Productions –und der ist genauso gestaltet wie in Disneys ‚Schneewittchen‘.“
Buck ist ein Trickfilm Veteran; mehr als vierzig der 100 Disney-Jahre hat er mitgestaltet, seit er als Zeichner bei „Cap und Capper“ (1981) an Bord ging. Damals wurde noch per Hand gearbeitet. Als die Pixar-Kollegen 1995 den ersten computeranimierten Film entwickelten, saß Buck gerade an „Pocahontas“. Wie war die Stimmung, als nebenan die digitale Revolution ausbrach? „Ich bin nie in Panik ausgebrochen“, sagt Buck. Mit etlichen der „Toy Story“-Animatoren, berichtet er, war er befreundet. Er hat sich für sie gefreut – und ein bisschen auch für sich selbst: „Auf einmal waren Dinge möglich, die wir mit der Hand nie tun konnten. Für die Stoffe von Kleidern habe ich jahrelang Schraffuren gezeichnet – auf einmal war klar: Das würde ich nie wieder machen müssen! Das macht der Computer!“
Noch etwas änderte sich damals. Jahrzehnte lang waren Animation und Disney zwei Worte für ein und dasselbe. Auf einmal gibt es Wettbewerb. Die „Minions“ stammen heute vom Konkurrenten Illumination Entertainment; mit dem „Super Mario Film“ (Einspielergebnis: 1,36 Milliarden Dollar) liegt das Studio in der Liste der erfolgreichsten Trickfilme nur noch knapp hinter der „Eiskönigin II“ (1,45 Milliarden). Peter Del Vecho sieht es sportlich: „Was ich daran mag, ist, dass die Leute Animationsfilme wollen“, sagt er. „Wenn es dem Animationsfilm gut geht, ist alles in Ordnung. Die hohe Zahl guter Animationsstudios hilft, die Industrie zu erhalten.“ Und für Buck sind natürlich auch die Kreativen von Illumination einfach nur Freunde und Kollegen.
Das Studio Pixar hat Disney inzwischen aufgekauft, genau wie die Superhelden-Schmiede Marvel und das Star-Wars-Universum. Der finstere Märchenkönig, der in „Wish“ die Träume und Wünsche jedes einzelnen Untertanen in seine Gewalt bringt, ist gefährlich nah an der Machtkonzentration des Disney-Konzerns. Aber man kann es natürlich auch wie Fawn Veerasunthorn sehen. In den 90ern, erinnert sie sich, hat sie in ihrer thailändischen Heimat mit glänzenden Augen „Die Schöne und das Biest“ gesehen; heute ist sie selbst eine Größe im Disney-Reich: „‘Wish‘ erzählt von einer Person, die ihrem Traum folgt – und das ist typisch Disney, aber es passt auch sehr zu mir“, sagt die Regisseurin. „Meine Gefühle sind dieselben und davon wollte ich erzählen.“