Klimaschutz Gebühr für Regenwasser ist ein „guter Anreiz“
Tjarko Tjaden ist Klimaschutzmanager der Stadt Aurich. Beim Thema Regenwassergebühr hat er einen klaren Standpunkt.
Aurich - Klimaschutzmanager Tjarko Tjaden ist sich sicher: Die in Aurich seit Jahren umstrittene sogenannte Regenwassergebühr ist ein sinnvoller Baustein sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Denn für beide Bereiche ist es neben anderen Maßnahmen wichtig, Böden zu entsiegeln, damit Wasser vor Ort gespeichert werden kann. Eine Gebühr für versiegelte Flächen könne einen guten Anreiz bieten, sagt Tjaden im Gespräch mit unserer Zeitung.
Spätestens bis zum Jahr 2045 solle das Prinzip der „Netto-Null-Versiegelung“ gelten. Das bedeute, dass für jede neu versiegelte Fläche eine andere entsiegelt werden muss. „Ohne Investitionen wird man diese Aufgabe nicht erfüllen können.“ Denn es gehe dabei nicht nur darum, zum Beispiel Grundstücksauffahrten statt mit Pflaster mit Rasengittersteinen zu befestigen. Tjaden spricht davon, dass zum Beispiel deutlich mehr Gründächer als bisher entstehen müssten. Denn auch auf solchen Dächern könne Regenwasser gespeichert werden.
Digitale Angebot als Ziel
Bei Flachdächern ist das schon lange kein Problem. Anders sieht es bei den in Ostfriesland üblichen ziegelgedeckten Häusern aus. Dabei gebe es auch dort mittlerweile eine Lösung: Es handelt sich laut Tjaden um Dachziegel, die mit einem Substrat gefüllt sind, das Wasser aufnehmen kann. Dieses werde dann langsam über Verdunstung wieder abgegeben. Nur bei zu viel Niederschlag laufe das Wasser in den Regenwasserkanal.
Tjaden schwebt eine digitale Karte ähnlich dem bereits existierenden Solarkataster vor. Man könnte auf sein Haus klicken und sofort sehen, wie viel Wasser man selbst zurückhalten könnte und wie viel Regenwassergebühren man so sparen könnte. „Im Idealfall wird gleich das Unternehmen angezeigt, das mir so ein Dach bauen kann.“
Statik der Dächer könnte Problem sein
Und da ist noch das Problem: Es gibt kaum Unternehmen in der Region, die solche Dächer anbieten. Das zeigt sich auch an der Verbreitung dieser Retentionsdächer. „Ich kenne genau ein Haus mit einem solchen Dach“, sagt Tjaden.
Es müssten aber mehr werden, vor allem im Altbestand. Denn bei Neubauten können über die Bauleitverfahren schon einige Vorgaben gemacht werden. Das Problem allerdings ist oft genug die Statik der alten Dachstühle: So ein Retentionsdach kann schon auf 13 Tonnen Gewicht kommen, meint Tjaden. Das halte nicht jeder alte Dachstuhl aus, so der Ingenieur.
Handwerker müssen genaue Berechnungen anstellen
Deutlich Luft nach oben gibt es seiner Meinung nach bei Wärmepumpen. Diese könnten in vielen Altbauten installiert werden. Stattdessen werde über die Geräte diskutiert. Eine Diskussion, die Tjaden als Ingenieur nicht nachvollziehen kann. „Die Wärmepumpe ist seit zehn Jahren ausgeforscht“, sagt er. Man schaue nun nur noch, ob man sie noch effizienter, noch leiser konstruieren könne. Es sei aber längst bewiesen, dass sie in neun von zehn Häusern ohne Probleme eingesetzt werden könnte. Die Diskussion über andere Energieträger werde offenbar nur geführt, weil in den vergangenen Jahren versäumt worden sei, die Wärmepumpen auch zu installieren.
Tjaden sagt, dass man diese Geräte ohne weitere bauliche Maßnahmen in jedes Haus einbauen könne, das nach 1985 erbaut worden ist. Dafür allerdings müsse man die Heizlast des jeweiligen Gebäudes genau berechnen und einen hydraulischen Abgleich durchführen. Das aber werde von vielen Handwerkern bei einer Beratung zu Wärmepumpen nicht gemacht. „Wir müssen nichts Neues machen, eine gute fachliche Praxis reicht“, sagt Tjaden.
Aurich stellt sich auf Klimawandel ein
Der Ingenieur kann es beurteilen, hat selbst Häuser begutachtet. Bei bislang jedem Haus ab Baujahr 1985, das er berechnet hat, sei es wirtschaftlich gewesen, eine Wärmepumpe einzubauen. „Aber ohne genaue Berechnung geht es nicht.“
Weil der Klimaschutz in den vergangenen Jahren nicht so funktioniert hat wie gedacht, muss nun auch verstärkt über die Anpassung an die Folgen des Klimawandels nachgedacht werden. Damit die Kommunen das auch wirklich tun, hat die Bundesregierung ein Gesetz zur Anpassung an den Klimawandel beschlossen. Damit, so Tjaden, habe man sich in der Stadt Aurich bereits befasst.
Anpassung an Klimawandel in fünf Jahren möglich
Seit Kurzem gebe es Fördergelder, mit denen eine befristete Stelle für zwei Jahre finanziert werden könne. Bearbeitet werden soll in der Zeit die Frage, was man in Aurich tun müsse, um mit den Veränderungen des Klimawandels zurechtkommen zu können. Das Ziel sei es, ein fertiges Konzept zu erarbeiten, das dann von der Politik beschlossen werden kann.
Danach werde man für die Umsetzung des Konzeptes ungefähr drei Jahre Zeit benötigen, schätzt Tjaden. Ein wesentlicher Punkt dürfte die Entsiegelung sein. Ein weiterer betreffe wahrscheinlich die Schaffung von mehr Grün in der Stadt. Das Stichwort sei Fassadengrün, so Tjaden.
Als Klimaschutzmanager sei er aber für Klimafolgenanpassung nicht immer der richtige Ansprechpartner. Er nennt ein Beispiel: Soll man eine Eiche fällen, damit eine Photovoltaikanlage mehr Sonne bekommt? Der Klimaschutzmanager sagt Ja. Denn die Photovoltaik nütze dem Klima deutlich mehr als ein Baum. Aus der Sicht des Klimaanpassungsprogramms falle die Antwort aber anders aus. Dann müsste der Baum stehenbleiben. Denn er verbessere das Mikroklima, senke die Temperaturen, speichere Wasser. Daher sei es richtig, eine eigene Stelle für diesen Bereich zu schaffen.
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