Einkaufen in Aurich Mysteriöse Zeichen in der Innenstadt geben Aurichern Rätsel auf
Farbige Schilder, Graffiti sowie ein Instagram-Account wecken bei Passanten Neugier. Eine Agentur aus Hamburg gibt den Passanten derzeit in der Auricher Fußgängerzone Rätsel auf.
Aurich - Besser hätte der Zeitpunkt nicht gewählt sein können: Kurz bevor der neue Escape-Room in Aurich am Georgswall seine Pforten Mitte November geöffnet hat, tauchten in der Burgstraße, aber auch in der Hafenstraße mysteriöse farbige Schilder mit noch mysteriöseren Sätzen auf. Außerdem entdeckten Passanten mit Kreide auf das Pflaster gemalte Botschaften. „Kurze Nacht gehabt?“ war dort zu lesen. Oder „Anpfiff 1.12.23“.
Sogar die Figurengruppe Oma und Opa von Friedrich Büschelberger wurde einbezogen. Plötzlich prangte zwischen den beiden Senioren aus Bronze ein orangefarbenes Schild, auf dem die Frage „Sollen wir Freunde werden?“ notiert war. Darunter gab es die Möglichkeit, in einem Kästchen die Antwort anzukreuzen. Eigenbeteiligung ist also bei dieser Aktion gefragt. Darauf setzen die Initiatoren. Bei denen handelt es sich um die kreativen Köpfe der Werbeagentur 360 Grad Creations aus Hamburg.
Kampagne speziell für die Stadt entwickelt
„Ja, wir haben die Kampagne ins Leben gerufen“, bestätigte Friedrich Musolf auf Anfrage der Redaktion. Der Inhaber der Agentur, der aus Aurich stammt, sprach davon, dass er die multimediale Aktion mit seinem Team speziell für Aurich entwickelt habe. Grundlage sei ein Auftrag von jemandem, der noch anonym bleiben möchte, sich aber stark mit Aurich, seiner Heimatstadt, identifiziere und sie deshalb voranbringen wolle. Am Mittwoch, 15. November, habe man die ersten Schilder in der Innenstadt platziert. Das Grundthema: Wo ist das schönste Fleckchen in Aurich? Ähnlich heiße auch der Instagram-Kanal, der die Kampagne flankiere. „Ohne Werbung hatten wir innerhalb weniger Tage 50.000 Aufrufe“, freut sich Friedrich Musolf. Interesse entfacht seine Agentur zusätzlich, indem sie ihre Follower auffordert, ein Foto von einem der aufgestellten Schilder zu machen und es in der eigenen Story zu posten. Auf einige der Teilnehmer warten Gewinne, nämlich Stadtgutscheine im Wert von 25 Euro.
Kommt ein Katzencafé nach Aurich?
Einen ganz besonderen Coup haben die Macher von 360 Grad Creations vor einigen Tagen initiiert. Vermummt sind einige Männer losgezogen und haben auf die Schaufenster des Modehauses Silomon in der Burgstraße in orangefarbenen Lettern gesprayt: „Wo ist das schönste Fleckchen in Aurich?“ Die Suche geht also weiter. Parallel haben die Werbeprofis auf Instagram einen Reel angelegt, in dem sie die Follower zu Spekulationen auffordern. Sie sollen Vermutungen darüber anstellen, welches neue Geschäft oder Lokal wohl in der Burgstraße eröffnet. Die Beiträge sind bunt und fantasievoll. Es wird vermutet, dass es bald ein Katzencafé in Aurich geben könnte oder „so etwas wie früher das Dinis“, also eine Diskothek. Andere wünschen sich ein Restaurant. Im Angebot ist aber auch ein Brettspiel-Café.
Was tatsächlich dahintersteckt, zeigt sich laut Friedrich Musolf am Freitag, 1. Dezember. Bereits an diesem Wochenende gebe es aber einen entscheidenden Hinweis auf den Urheber. Beharrlichen Nachfragen entzog sich der Agentur-Chef. Er schloss nur einen Auftraggeber aus: „Die Stadt Aurich steckt nicht dahinter.“ Deren Image wird indessen durch eine solche Kampagne automatisch aufgewertet. Einer der Instagram-User schrieb, dass es sich um die „beste filmische und Social Media-Werbung“ handle, die mit Aurich zu tun hat, die er bisher gesehen habe. Man werde aufmerksam und wolle wissen, was dahinterstecke.
Auricherin hat Mega-Marketing-Gag initiiert
Genau das ist das Wesen guter Kampagnen. Sie überraschen, wecken die Neugier und vernetzen verschiedene Medien. Zu beachtlichem Erfolg hat es auf diese Weise beispielsweise eine Aktion gebracht, die von Tanja Munzig vor mehr als 15 Jahren initiiert worden war. Die Auricherin hat den Kraken Paul erfunden, der große Berühmtheit als Orakeltier für die treffsicheren Vorhersage von Spielergebnissen bei internationalen Fußballturnieren erzielte, etwa bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010. Die gebürtige Auricherin war als Sprecherin für das Groß-Aquarium Sea Life Centre in Oberhausen tätig, wo Paul bis zu seinem Tod gelebt hat. In vielen Medien wurde über dessen verblüffende Prognosefähigkeiten berichtet. In einem Interview mit der Illustrierten „Stern“ räumte Tanja Munzig seinerzeit ein, dass das verspielte Verhalten des Kraken bewusst für Marketing-Zwecke genutzt werde.
Die Agentur 360 Grad Creations ist nicht das erste Mal in Aurich aktiv. Das Team entwickelte während der Corona-Pandemie, als die Türen zu den meisten Geschäften in der Innenstadt verschlossen waren, das Internet-Portal www.ich-kaufe-in-Aurich.de, in dem mehr als 100 lokale Einzelhändler und Gastronomen ihre Dienstleistungen anboten. Außerdem konnten sie dort kostenlos für sich werben und einen Online-Shop verlinken.