Religion in Ostfriesland  Kirchen verlieren Tausende Mitglieder

Christin Wetzel
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Von Christin Wetzel
| 17.11.2023 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Lambertikirche in Aurich zählt zur Evangelisch-lutherischen Kirche. Foto: Romuald Banik
Die Lambertikirche in Aurich zählt zur Evangelisch-lutherischen Kirche. Foto: Romuald Banik
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Der Bundestrend macht vor Ostfriesland nicht Halt: In den vergangenen zehn Jahren hat die Evangelische Kirche zahlreiche Mitglieder verloren.

Aurich - Immer mehr Menschen in Deutschland kehren den Kirchen den Rücken. In Ostfriesland verloren in den vergangenen zehn Jahren die Kirchen Tausende Mitglieder. Doch sie können noch von einer vergleichsweise hohen Bindung an die Institution zehren. Das ergibt eine Umfrage dieser Zeitung anlässlich der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), die nun veröffentlicht worden ist.

Noch immer habe man einen vergleichsweise hohen Sockel an Mitgliedern im Kirchenkreis Aurich, sagt Tido Janssen, Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Aurich. Etwa 62.900 Mitglieder zählt der Kirchenkreis derzeit. Das ist eine Mitgliedschaftsquote von 62,9 Prozent, so Janssen. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 23 Prozent Mitglieder der evangelischen Kirche und 26 Prozent der katholischen. Alle Konfessionen zusammengefasst sind es laut der Mitgliedschaftsbefragung der EKD 52 Prozent, die einer Kirche angehören.

Stärkere Bindung ist typisch ostfriesisch

Historisch gewachsen ist die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche, die deswegen in Ostfriesland stärker dominiert. Und zu der die Ostfriesen offenbar noch eine stärkere Bindung haben als im Rest der Bundesrepublik.

Das zeigen auch die Zahlen der Evangelisch-reformierten Kirche. Hier waren es 61.442 Mitglieder (Stand 30.9.2022) in drei ostfriesischen Synodalverbänden, so Sprecher Ulf Preuß. Eine Mitgliedschaftsquote, wie sie der Kirchenkreis Aurich angibt, kann er für die Evangelisch-reformierte Kirche nicht vermelden. Denn nach der Reformation sei Ostfriesland in Evangelisch-lutherische und Evangelisch-reformierte Kirche aufgeteilt worden. Es gibt daher Kommunen, die stärker der reformierten Seite angehören und umgedreht welche, die stärker der lutherischen Seite zugeordnet sind. Deswegen sind Quoten mit Vorsicht zu genießen. Insgesamt, das lässt sich jedoch mit Sicherheit sagen, ist die kirchliche Bindung in Ostfriesland vergleichsweise stark.

Die evangelisch-reformierte Kirche liegt nur ein paar Meter von der Lambertikirche in Aurich entfernt und zählt zum Evangelisch-reformierten Synodalverband. Foto: Wilfried Frerichs
Die evangelisch-reformierte Kirche liegt nur ein paar Meter von der Lambertikirche in Aurich entfernt und zählt zum Evangelisch-reformierten Synodalverband. Foto: Wilfried Frerichs

Der Anteil der Menschen, die einer Kirche angehören, ist in Ostfriesland deutlich höher als das beispielsweise in Großstädten der Fall sei, so Preuß. Allerdings sei auch hier ein Rückgang der Mitgliederzahlen spürbar. 71.750 Mitglieder zählte die Evangelisch-reformierte Kirche in Ostfriesland im Jahr 2013. Vor allem mehr Todesfälle als Geburten und Taufen sowie eine erhöhte Zahl an Kirchenaustritten erklären den Rückgang von fast 10.000 Mitgliedern in zehn Jahren. Bei der Evangelisch-lutherischen Kirche waren es vor zehn Jahren noch 71.800 Mitglieder. Auch hier ist die Abnahme der Mitgliederzahl durch Sterbefälle, weniger Geburten und Taufen und Austritten zu erklären.

Die Zahl der Mitglieder der Katholischen Kirche in Aurich war bis Redaktionsschluss noch nicht vermeldet. Im April wurde sie aber gegenüber dieser Zeitung mit etwa 5000 Mitgliedern angegeben. Trotz der noch vergleichsweise hohen Zahl an Mitgliedern lehnen sich die Kirchen in Ostfriesland nicht entspannt zurück.

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