Wohnen in Aurich  Neuer Mega-Schub für bezahlbaren Wohnraum

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 14.11.2023 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einige Häuser am Schlehdornweg sind noch bewohnt. Foto: Ortgies
Einige Häuser am Schlehdornweg sind noch bewohnt. Foto: Ortgies
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Die NLG hat am Montag Ideen für ein Bauprojekt zwischen Schlehdornweg und Hohegaster Weg in Aurich vorgestellt. Geplant sind 60 Wohneinheiten. Die Architektur ist ambitioniert.

Aurich - Der Traum der Auricher Politik, bezahlbaren Wohnraum für viele Menschen zu schaffen, könnte doch noch verwirklicht werden. Neuen Nährboden hat die Idee durch Pläne der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) für das Quartier am Schlehdornweg und Hohegaster Weg erhalten. Diese sind am Montag in der Sitzung des Verwaltungsausschusses (VA) präsentiert worden. Der VA tagt stets nicht-öffentlich und ist nach dem Rat das höchste Gremium der Politik.

Jacobus Penning von der NLG bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass er am Montag ein Projekt im Rathaus vorgestellt hat. Er sei „guter Dinge“. Und: „Wenn das umgesetzt werden sollte, bekommt Aurich etwas Vernünftiges.“ Auf Nachfrage bestätigte er, dass es sich um einen Meilenstein in Sachen bezahlbarer Wohnraum in Aurich handeln könne. Er wollte allerdings nicht ins Detail gehen, weil es sich um eine nicht-öffentliche Sitzung gehandelt habe.

60 Wohneinheiten sollen entstehen

Nach Informationen dieser Zeitung sollen dort 60 Wohneinheiten entstehen. Die Fläche zwischen Schlehdornweg und Hohegaster Weg soll genutzt werden, um dort Kettenhäuser zu errichten. Darunter versteht man eine preislich erschwingliche Alternative zu konventionellen Reihenhäusern, die allerdings den Vorteil eines größeren Abstands zwischen den einzelnen Gebäuden bieten. Der wird vorwiegend genutzt, um dort Garagen oder Carports zu platzieren.

Optisch sind die Baukörper weitgehend identisch. Die räumliche Großzügigkeit schafft mehr Privatsphäre. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass sich diese Wohntypen „mittlerweile einer wachsenden Beliebtheit erfreuen“, wie das Internet-Portal Immobilien 24 recherchiert hat. In der Regel sind Kettenhäuser ein- oder zweigeschossig konzipiert. Sie sind so ausgerichtet, dass man sie nicht umrunden kann.

Hoffnung ruht auf Kämmerin

Zwischen dem Hohegaster Weg und Schlehdornweg sollen die Kettenhäuser in fünf Blöcken mit jeweils 480 Quadratmetern Wohnfläche angeordnet werden. Noch sind das alles Gedankenspiele. Wie das Vorhaben konkretisiert werden könnte, müssen Stadt und Politik gemeinsam entscheiden. Es gäbe die Möglichkeit, dass die Stadt mit der NLG zusammen eine vorhabenbezogene Gesellschaft gründet.

Die Politik setzt bei dem künftigen Konstrukt auf das Wissen, das Aurichs Kämmerin Katja Lorenz bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber erworben hat. Die Finanzchefin war etwas mehr als zehn Jahre lang bei der Gemeinde Bockhorn (Landkreis Friesland) beschäftigt. Dort war sie maßgeblich an der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft beteiligt, die für die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum gesorgt hat. Katja Lorenz war Geschäftsführerin der Gesellschaft.

150 Liegenschaften

Die Stadt selbst verfügt über rund 150 Liegenschaften, die bis vor einigen Monaten vom Gebäudemanagement verwaltet wurden. Im Sommer ist die Zuständigkeit neu geordnet worden. Es wurde ein eigener, zum Finanz-Ressort gehörender Fachdienst geschaffen, in dem vier Mitarbeiter tätig sind.

Zu den Liegenschaften zählen auch 25 Wohnungen am Schlehdornweg. Die Gebäude stammen aus den 1930er Jahren und sind fast ausnahmslos sanierungsbedürftig.

Nur ein Restbetrag blieb übrig

Bereits vor Jahren hatte es geheißen, dass die Wohnungen nicht mehr vermietet würden, wenn Mieter auszögen. Damals wollte die Stadt ein Wohnraumversorgungskonzept entwickeln und zwölf Millionen Euro für das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum in den Haushalt einstellen. Doch das ist durch den Gewerbesteuereinbruch vereitelt worden. Es waren dann nur drei Millionen Euro übrig, mit denen elf moderne Wohnungen an der Norderstraße errichtet worden sind. Jetzt besteht die Chance, dass die Stadt das Vorhaben von damals nachholt. Dafür ist zum einen die Zustimmung der Politik erforderlich, zum anderen aber auch die Änderung des Bebauungsplans.

Die Stadt sieht sich offenbar immer stärker in der Pflicht, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Inflation, die angespannte weltpolitische Lage und steigende Preise lassen den Traum vieler junger Familien vom Eigenheim zerplatzen. Noch steht eine aktuelle Bedarfserhebung aus. Diese dürfte ein wichtiges Kriterium für die möglicherweise zu gründende Wohnungsbaugesellschaft sein. Vor einiger Zeit hieß es in den Sitzungen der Fachausschüsse, dass fast 2000 zusätzliche Unterkünfte bis zum Jahr 2030 in Aurich bereitgestellt werden müssten. Diese Zahl hatte eine von der Stadt beauftragte Beratungsgesellschaft aus Oldenburg ermittelt.

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