Schwerin  Hund „Schnitzel“ leidet an Allergien – Anna Seiffert unter hohen Tierarztkosten

Anja Bölck
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Von Anja Bölck
| 12.11.2023 11:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anna Seifferts Hund Schnitzel ist ein richtiges Allergie-Kid. Sie möchte, dass es ihm gutgeht. Das kostet der Schwerinerin viel Zeit, Geld und Nerven. Foto: Anja Bölck
Anna Seifferts Hund Schnitzel ist ein richtiges Allergie-Kid. Sie möchte, dass es ihm gutgeht. Das kostet der Schwerinerin viel Zeit, Geld und Nerven. Foto: Anja Bölck
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Gräser, Hausstaub, Fisch: Der Hund von Anna Seiffert aus Schwerin hat viele Allergien. Die Tierarztbesuche verschlingen ihr Geld. „Den Führerschein kann ich mir nicht mehr leisten“, sagt die Hundebesitzerin. So lebt es sich mit einem Allergiehund.

Am Anfang hat Anna Seiffert drüber gelacht. Die Vorstellung, dass Hunde Allergien haben können, fand sie komisch. Wo die doch den ganzen Tag auf der Straße im Dreck rumschnuppern. „Unser Beagle hatte nie was“, erinnert sich die Schwerinerin. „Als Familienhund kriegte er damals allerdings auch das, was wir zu Mittag nicht aufgegessen haben.“

Heute wohnt Anna Seiffert in ihrer eigenen Wohnung, zusammen mit Schnitzel - einem Mix aus Bolonka, Hawanese und Tibet Terrier. Fünf Jahre ist ihr Schnitzel alt. Eigentlich im besten Hundealter. Aber der Vierbeiner hat all jene Allergien, wovor schon wir Menschen uns grauen - Hausstaub, Gräser, Schimmelpilze, Rindfleisch, Hühnerfleisch, Kaninchen, Soja, Fisch und sogar Schwein - obwohl er doch Schnitzel heißt. 

Das geht ordentlich ins Geld. Anna Seiffert arbeitet in der Altenpflege. Eigentlich wollte sie sich von ihrem Ersparten den Führerschein gönnen. Aber daraus wird nun nichts. Mindestens 5000 Euro hat sie schon in die Tierarztbesuche und Medikamente gesteckt. „Das Ding ist ja“, sagt sie, „die Allergien kommen schleichend und werden mehr und du denkst dir irgendwann, der Tierarzt ist dein bester Freund.“

Angefangen hat es bei Schnitzel nach dem ersten Lebensjahr. „Mit drei Jahren wurde es richtig akut“, erinnert sich sein Frauchen. „Anfangs hab ich das nicht für voll genommen. Wenn er anfängt, sich die Pfote zu knabbern oder aufzubeißen, kommst du nicht drauf, dass es Allergie sein kann. Dann hat er Schuppen gekriegt, sich die Haut aufgekratzt.“ 

Ständig überrascht Schnitzel mit neuen „Wehwechen“. Die Ohren jucken. Das Fell fällt aus. Er bekommt einen Abszess. Hat Schmerzen. „Das merk ich, wenn er nicht fröhlich im Gras herumläuft, sondern lieber auf meinem Schoß sitzen will“, erzählt seine Besitzerin, der es weh tut, ihren Hund so leiden zu sehen. „Ich habe ihm ein allergikerfreundliches Hundebett besorgt und wische täglich Staub, wenn es ihm besonders schlecht geht.“

Außerdem kocht Anna Seiffert fast jeden Tag wie für ein Kind frische Gerichte. Aus Pferdefleisch, Innereien vom Pferd, Knochenmus, Süßkartoffeln, Möhren, Zucchini, Banane, Leinöl und weiteren Zutaten. Um zu wissen, was ihr Schnitzel genau essen darf, hat sie extra eine Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen aufgesucht. Die heißt Sandra Palubicki und leitet einen Barf-Shop in Schwerin. 

Barf bezeichnet eine Ernährungsmethode, die sich an den Fressgewohnheiten von wilden Tieren wie Wölfen orientiert. In Sandra Palubickis Shop gibt es also auch Futter, das man im Supermarkt nicht findet - und vor allem ausgiebige Beratung: „Ich habe eine einjährige Spezial-Ausbildung zur zertifizierten Ernährungsberaterin gemacht und gehe individuell auf jedes Tier ein“, erzählt sie.

Nicht immer müsse es Spezialfutter sein. „Wenn Hunde beispielsweise Sodbrennen haben“, so Sandra Palubicki, „reicht es manchmal schon, ihnen Löwenzahn zu geben. Die Bitterstoffe helfen.“

Mit Löwenzahn ist bei Anna Seifferts Hund nichts zu machen. Sie muss viel Geld für die Ernährung von Schnitzel in die Hand nehmen und noch mehr für die Tierarztkosten. „Ich habe schon 50 Rechnungen für je 100 bis 200 Euro liegen“, erzählt sie. 

Schlecht für die Schwerinerin ist natürlich, dass die Behandlungkosten für Tierärzte vor einem Jahr erhöht wurden. Von der Impfung bis zur Operation - alles in den deutschen Tierarztpraxen wurde um zehn bis 20 Prozent teurer. „Da kostete die normale Untersuchung plötzlich nicht mehr 15, sondern 35 Euro“, erinnert sich Anna Seiffert. „Ich komm an meine Grenzen. Es wird eng. Ich musste gerade 100 Euro Strom nachzahlen. Zum Glück hab ich noch Papa.“ 

Aber wie ist das eigentlich? Haben Hunde und Katzen heutzutage wirklich mehr Allergien? „Es werden verschiedene Ursachen diskutiert“, sagt Tierarzt Holger Nietz von der Müritz-Tierklinik. Die Tiernahrung spiele eine Rolle, Überzüchtungen und, „dass Tiere heute mehr ein Familienmitglied sind. Denn dadurch werden Allergien viel eher entdeckt.“

„Vor 30 Jahren hat man den Hund vielleicht gar nicht beachtet, wenn er sich draußen im Zwinger gekratzt hat“, so Holger Nietz. „Heute übernachten viele Katzen sogar im Bett. Da merkt der Besitzer oder die Besitzerin natürlich, wenn das Tier vom Jucken nicht zur Ruhe kommt.“

Zum Glück können Hunde und Katzen wie Menschen gegen Allergien behandelt werden. Etwa durch Hyposensibilisierung oder Kortison. Was macht Anna Seiffert mit ihrem Schnitzel? „Schnitzel kriegt Kortison-Tabletten“, sagt Frauchen. „Das ist die günstige Variante. Im Frühjahr, wenn die Pollen fliegen, bekommt er wieder ein paar mehr davon. Früher hat er sich so gequält. Aber als ich im letzten Frühjahr Kortison gegeben habe, war er entspannt und konnte durchschlafen. Da war er der geilste Hund auf Erden.“