Wohnungsmarkt  Es gibt immer weniger Bauwillige in Aurich

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 13.11.2023 08:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im neuen Baugebiet „Im Timp“ wurde ein Großteil der Grundstücke bereits verkauft. Foto: Romuald Banik
Im neuen Baugebiet „Im Timp“ wurde ein Großteil der Grundstücke bereits verkauft. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

In der Stadt Aurich geht die Zahl der Bauanträge Jahr für Jahr zurück. Ein Trend, den ein Investor ausdrücklich begrüßt.

Aurich - Stark rückläufig ist die Zahl der Bauanträge in der Stadt Aurich. Am 1. November dieses Jahres lagen in der Stadtverwaltung erst 666 Anträge vor. Das sagt Stadtsprecher Johann Stromann auf ON-Anfrage. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr gab es in der Stadt Aurich 828 Bauanträge. Im Jahr 2021 waren es noch 967.

Bemerkbar macht sich das auch in der Stadtkasse, wie Kämmerin Katja Lorenz am Dienstag im Bauausschuss der Stadt vorrechnete. So habe der Fachdienst Bauordnung noch im vorigen Jahr Einnahmen von knapp 600.000 Euro verbuchen können. In diesem Jahr werde nur mit einer halben Million Euro gerechnet. Und für das kommende Jahr erwartet die Verwaltung noch weniger Bauanträge, denn die Kämmerin hat im Haushaltsentwurf nur noch 436.000 Euro als Einnahmen in der Bauordnung angesetzt.

Rabatte im Baugebiet nicht nötig

Nur Vermutungen kann Stromann über die Gründe für den Rückgang anstellen. Dazu gehören die Preissteigerungen im Baugewerbe, aber auch die geringe Verfügbarkeit von Materialien für den Hausbau. Auch gestiegene Zinsen könnten dazu führen, dass die Menschen weniger Häuser bauen.

Eine Einschätzung, die Investor Udo Fuhrmann allerdings nicht teilen mag. Er steht hinter dem größten Teil des neuen Baugebietes „Im Timp“. „Wir sind mit der Nachfrage sehr zufrieden“, sagt Fuhrmann auf Anfrage unserer Zeitung. Er sei bislang nicht gezwungen gewesen, Rabatte zu gewähren. Auch habe es Rückgaben von bereits gekauften Grundstücken nur in normalem Umfang gegeben. Die Gründe seien nicht, dass Leute sich das Bauen nicht leisten könnten. Es habe eher daran gelegen, dass junge Paare sich getrennt hätten, oder ein Jobwechsel auch einen Umzug in eine andere Stadt notwendig gemacht habe.

Investor: Es muss nicht immer das größte Haus sein

Höhere Zinsen, gestiegene Kosten für Baumaterialien und Handwerker, die keine Zeit für neue Aufträge haben, sind demnach nicht das Problem? Nein, meint Udo Fuhrmann. Die Bedingungen für einen Hausbau entsprächen nun wieder jenen von vor sieben oder acht Jahren. „Jeder muss für seine Finanzierung Eigenkapital mitbringen.“ Und jeder müsse prüfen, ob es wirklich ein Haus mit 240 Quadratmetern sein müsse. Vielleicht würden auch 140 bis 160 Quadratmeter Wohnfläche reichen. „Und die Garage wird wie früher eben etwas später gebaut.“

Fast schon zu schnell sei das Baugebiet „Im Timp“ verkauft worden, so Fuhrmann. Er zieht den Vergleich zum Baugebiet am Heiratsweg, das ab 2012 erschlossen worden ist. „Die Vermarktung dort hat zehn Jahre gedauert.“ Ganz anders sehe das „Im Timp“ aus.

Mehrere große Mehrfamilienhäuser geplant

Seit drei Jahren sei er mit dem Projekt beschäftigt. Und bereits jetzt seien 80 Prozent aller Grundstücke für Einfamilienhäuser und Doppelhäuser verkauft worden. Bei den Mehrfamilienhäusern seien es sogar 90 Prozent. Fast schon zu schnell geschehe die Vermarktung, so Fuhrmann. Denn wäre es bei einer Null-Zins-Politik geblieben, hätten noch mehr Bauherren loslegen wollen. Und das hätte die Verfügbarkeit von Handwerkern und Material noch mehr eingeschränkt. Daher seien die nun wieder anziehenden Zinsen eine Rückkehr zur Normalität, der sich auch alle Beteiligten angepasst hätten.

Ein erstes Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen ist fast fertiggestellt. Foto: Romuald Banik
Ein erstes Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen ist fast fertiggestellt. Foto: Romuald Banik

Direkt an der Straße „Im Timp“ ist das erste von einigen geplanten Mehrfamilienhäusern entstanden. Darin befinden sich 20 Wohnungen. Die Nachfrage nach diesen Wohnungen ist groß. Daher werde es noch einige weitere dieser Mehrfamilienhäuser in dem großen Baugebiet geben. Darunter auch solche, in denen die Auflagen der Politik für bezahlbaren Wohnraum erfüllt werden. „Es wird aber keine neue Wiesenstraße geben“, so Fuhrmann in Bezug auf die dort vorherrschenden Wohnblocks. Das Baugebiet sei gut durchmischt. Dort könne man richtig gut leben, ist der Investor überzeugt.

Ähnliche Artikel