Osnabrück  Emily Fisher Landau: Vorbild für alle Frauen, die aus dem Rahmen treten

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 11.11.2023 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei der Gala des Whitney Museums in New York: Emily Fisher Landau (zweite von links) im Kreis ihrer Familie. Foto: imago stock&people
Bei der Gala des Whitney Museums in New York: Emily Fisher Landau (zweite von links) im Kreis ihrer Familie. Foto: imago stock&people
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Emily Fisher Landau war eine Superreiche. Jetzt ist ihre Kunstsammlung versteigert worden. Mit Rekorderlösen bekommt eine Frau Profil, die mitbestimmte, was Kunst ist. Ein Role Model für Frauen.

130 Millionen Euro für einen Picasso? Solche Meldungen vom nächsten Hype bei einer Kunstauktion regen mich schon lange nicht mehr auf. Ich finde sie inzwischen fast ein wenig obszön, auch wenn ich der Meinung bin, dass große Kunst unschätzbar kostbar ist. Aber jetzt habe ich doch hingeschaut. Warum? Der sündhaft teure Picasso stammte aus der Sammlung einer Frau.

Emily Fisher Landau hat da groß mitgespielt, wo Männer lange Zeit allein die Regeln bestimmt haben. Die Kunst der Moderne ist ein Club der Alpha-Tiere. Geschlecht: männlich. Ob Künstler wie Pablo Picasso, Museumsgründer wie Alfred Barr oder Kunstsammler wie der kürzlich verstorbene Harald Falckenberg – was Kunst ist, haben Männer bestimmt, nicht ihre Musen.

Emily Fisher Landau starb in diesem Jahr mit 102 Jahren. Sie hat eine beeindruckende Kunstsammlung hinterlassen. Und ein Vorbild, dem sich nachzueifern lohnt: Das der Frau, die lieber Managerin ist als Muse. Sicher, sie gehörte zu einer unfassbar reichen Unternehmerdynastie. Aber sie hatte Charakter und Charisma, war vielleicht auch ein wenig Exzentrikerin wie Peggy Guggenheim, die in Venedig 1980 ihr eigenes Museum gründete.

„Wenn jemand ein wahrer Sammler ist, wird ihn nichts davon abhalten, das zu bekommen, was er will“, zitierte Sotheby´s die verstorbene Sammlerin, aus deren Besitz Pablo Picassos „Frau mit der Uhr“ stammt. Ein Gespür für das clevere Investment muss Landau immer schon gehabt haben. Als Diebe ihr 1968 den Schmuck stehlen, investiert sie die Versicherungssumme in Kunst.

Alles nur das Pläsir einer Superreichen? Vielleicht. Aber die Frau macht etwas daraus. Und sie setzt sich durch, bringt Namen nach vorn, die in der Kunst Trends setzen. Emily Fisher Landau bestimmt mit, was Kunst ist. Nichts Anderes machen nämlich Sammler von Einfluss.

Ich finde das Leben mit der Kunst schöner, seitdem die Rolle der Frauen sichtbarer wird. Sie waren immer mehr als Modelle und Musen. Ob Louise Bourgeois, Agnes Martin oder Françoise Gilot, die von Picasso trennte, um selbst Künstlerin sein zu können: Sie alle bewundere ich ebenso wie große Künstler. Am Ende zählt ohnehin Qualität, ein Maßstab, der für Frauen wie Männer gilt.

In diesem Sinn hat Emily Fisher Landau Maßstäbe gesetzt und das nicht nur mit sehr viel Geld. Sie hat als Stifterin gewirkt, ein eigenes Museum unterhalten. Und eine Sammlung von musealem Rang hinterlassen. Wo ihre Werke nach der Versteigerung bei Sotheby´s wohl bleiben?

Das finde ich im Augenblick nicht einmal so wichtig. Ich verweile lieber bei der Persönlichkeit von Emily Fisher Landau, bewundere eine große Frau. Sie ist nicht, wie Picassos Modell im Bild geblieben, sie ist aus dem Rahmen getreten. Chapeau!

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