Hannover  Wie Niedersachsen pensionierte Lehrer im Schuldienst halten will

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 10.11.2023 13:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Pensionierte Lehrer sollen einfacher zurück in den Schuldienst kommen können. Foto: imago images/ingimage
Pensionierte Lehrer sollen einfacher zurück in den Schuldienst kommen können. Foto: imago images/ingimage
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Endlich im Ruhestand, mögen viele Lehrer denken. Andere wollen vielleicht noch ein bisschen weiter unterrichten. Das Land Niedersachsen hat die Hürden dafür gesenkt und will damit kurzfristig dem Lehrermangel begegnen.

Das Land Niedersachsen verstärkt im Kampf gegen den Lehrermangel sein Engagement und wendet sich in einem Schreiben an Lehrer, die entweder bereits aus dem Schuldienst ausgeschieden sind oder demnächst in Pension gehen. Ziel ist es, die Lehrkräfte dafür zu begeistern, noch ein bisschen weiter zu unterrichten. „Wir wissen, dass es Interessierte gibt, manche aber abgeschreckt sind von manch beamten- und rentenrechtlichen Fragen oder auch Fristen, die es zu beachten gilt“, nennt ein Sprecher des Kultusministeriums in Hannover den Grund für das Schreiben, das jetzt an alle Schulleitungen im Land verschickt worden sei. Diese sind aufgerufen, betroffene Kollegen gezielt anzusprechen und bei ihnen fürs Weiterarbeiten zu werben.

Der Krieg in der Ukraine, die starke Migration aus anderen Ländern sowie die seit 2014 steigende Geburtenrate lassen die Schülerzahlen in Niedersachsen deutlich anwachsen. Laut Ministerium fehlen insbesondere in den sogenannten Mint-Fächern, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Lehrer. Aber auch in Musik und Kunst sowie an den nicht-gymnasialen Schulformen existiere ein hoher Bedarf an Lehrkräften, der gegenwärtig nicht allein durch Neueinstellungen abgedeckt werden könne.

Kultusministerin Julia Willie Hamburg baut auf den „umfangreichen Erfahrungsschatz“ der angehenden Pensionäre beziehungsweise Rentner. Sowohl verbeamtete als auch tarifbeschäftigte Lehrkräfte hätten einerseits die Option, unmittelbar nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst befristet nach Tarif weiterbeschäftigt zu werden. Andererseits könnten Beamte ihren Ruhestand freiwillig hinausschieben.

Hierfür müsse ein entsprechender Antrag fristgerecht gestellt werden. Eine Verschiebung des Ruhestands um bis zu drei Jahre sei möglich. Zudem könne auch ein bereits gestellter Antrag auf Versetzung in den Ruhestand zurückgenommen werden, solange die Verfügung noch nicht zugestellt wurde. Das Beamtenverhältnis setze sich dann bis zum Erreichen der Altersgrenze fort.

Um die Anreize für eine Weiterbeschäftigung zu erhöhen, hat das Land mögliche Hürden beseitigt. So müsse kein erneutes Führungszeugnis vorgelegt werden und könne auf ein neues Stellenbesetzungsverfahren verzichtet werden. Für Pensionäre sei außerdem die Hinzuverdienstgrenze erhöht worden. Damit sei eine wöchentliche Arbeitszeit von acht bis neun Wochenstunden möglich, ohne dass eine Anrechnung auf die Versorgungsbezüge erfolge.

Außerdem gebe es verschiedene Unterstützungen für Lehrkräfte sowie pädagogische Mitarbeitender, die sich etwa bei außerunterrichtlichen Angeboten oder Schulveranstaltungen ehrenamtlich als Betreuer engagieren möchten.

„Mir ist es wichtig, den Lehrerinnen und Lehrern, die sich mit ihrem Ruhestand befassen, frühzeitig aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie haben“, betont Ministerin Hamburg gegenüber unserer Redaktion. Sie jedenfalls habe gehört, dass viele angehende Pensionäre sich mit dem Thema befassen, aber unsicher seien. „Diese Bedenken möchten wir ausräumen“, erklärt die Grünen-Politikerin.

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