Polizei bat um Unterstützung Sicherheitsdienst wacht über Norder Innenstadt
Die Norder Stadtverwaltung setzt Securitymitarbeiter für abendliche Streifen ein. Sowohl Bürger als auch die Norder Polizei hatten den Bürgermeister um Unterstützung im Bereich Sicherheit gebeten.
Norden - Um das Sicherheitsgefühl der Norder in der Innenstadt zu verbessern, setzt die Stadtverwaltung jetzt auf einen Sicherheitsdienst. Der patrouilliert seit Anfang Oktober durch die Osterstraße, den Neuen Weg, den KVHS-Parkplatz, über den Marktplatz und den alten Friedhof. Das teilte Bürgermeister Florian Eiben am Dienstag im Stadtrat mit. Auslöser war eine Anfrage von Dr. Jörg Hagena, der gerade erst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist. In einem leidenschaftlichen Appell berichtete Hagena von der zunehmenden Angst der Bürger in der Stadt und bat die Politiker um Abhilfe. Aber nicht nur er hat die Stadt um Hilfe gebeten. Wie unsere Zeitung auf Nachfrage von der Verwaltung erfuhr, hatte auch die Norder Polizei bei der Stadt um Unterstützung gebeten.
„Sicherheitsdienst ist nötig“
Seit einem Monat sind Elmar Schliefer und sein Kollege Hatem Al Hasawi auf Nordens Straßen unterwegs, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Und das ist auch nötig, sagen beide im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn Arbeit haben sie seitdem genug. Wenn es zu Problemen kommt, dann meist auf dem Norder Marktplatz, so die Sicherheitsleute. Rund um den Pavillon halten sich täglich viele Jugendliche auf. Meist aus sozial schwierigen Verhältnissen, sagt Elmar Schliefer. Immer wieder müssen sie Streit schlichten. Je nach der Menge des Alkoholkonsums und der Laune der Probanden fallen die Probleme heftiger oder leichter aus. Als Hasawi kommt dabei zugute, dass er ursprünglich aus Syrien stammt, arabisch, kurdisch und türkisch spricht, sagt er. Denn so kann er Menschen anderer Herkunft ganz anders ansprechen. Dabei geht es nicht nur um Sprachbarrieren. Von manchem Menschen wird er ganz anders ernst genommen, wenn er sie in ihrer Muttersprache anspricht, sagt er. Die beiden sind im Kontakt mit den Jugendlichen auf dem Marktplatz, gehen auf sie zu, sprechen mit ihnen – auch abseits von Problemen. So versuchen sie ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, das ihnen im Ernstfall hilft. Trotzdem haben sie eine direkte Leitung zur Norder Polizei. Wird es so ernst, dass die Beiden es nicht alleine regeln können, kommen die Beamten dazu. Etwas überrascht ist Elmar Schliefer, der bis zu seinem Dienst mit Norden nicht viel zu tun hatte, schon. Nach nur einem Monat kennt er jede Ecke, an der man Drogen in Norden kaufen kann, sagt er. Das verschlafene, ostfriesiche Städtchen sei Norden nicht mehr. Längst seien die Probleme der Großstadt auch hier angekommen, wenn auch in geringerer Ausprägung, so Schliefer. Gemeinsam wollen er und seine Kollegen dafür sorgen, dass sich die Situation verbessert.
Bei der jüngsten Sitzung des Präventionsrates, dem unter anderem Bürgermeister Florian Eiben, der Norder Polizeichef Ingo Brickwedde und der Leiter des Fachdienstes Bürgerdienste und Sicherheit, Christoph Carls angehören, wurde das Thema Sicherheit in der Innenstadt thematisiert, sagte die Sprecherin von Norden Ahlam Gandura-Kourich auf Nachfrage. Schnell sei klar gewesen, dass es wichtig sei, dort Präsenz zu zeigen. Genauso klar war anscheinend für Ingo Brickwedde aber auch, dass seine Beamten das nicht werden leisten können. Das habe er in dem Gespräch deutlich gemacht.
„Die Leute fühlen sich verängstigt“
Deshalb hat die Stadt Norden einen Sicherheitsdienst engagiert. Bezahlt wird dieser vom Fachdienst Bürgerdienste und Sicherheit. Zunächst waren die Mitarbeiter von 15 bis 20 Uhr unterwegs. Jetzt, in der dunklen Jahreszeit sind sie in der Zeit von 16 bis 21 Uhr an sieben Tagen in der Stadt unterwegs – an sieben Tagen in der Woche. Die Bürger sollen so das Gefühl bekommen, dass jemand da und im Notfall auch ansprechbar ist, sagte Eiben. Dies sei aber nur ein erster Schritt, weitere würden folgen. Florian Eiben bestätigte, dass das Sicherheitsgefühl in Norden mehr und mehr verloren gehe. „Das finde ich genauso besorgniserregend. Das darf nicht sein. Das ist gefährlich für einen Staat“, sagte Eiben im Rat. Der Bürgermeister ist sich zwar sicher: „Man muss in unserer Stadt keine Angst haben.“ Trotzdem könne man nicht ausblenden, dass den Menschen ihr Sicherheitsgefühl verloren gehe. Deshalb beschäftige sich auch der Stadtrat seit Längerem mit dem Thema.
Jörg Hagena führte gleich mehrere Beispiele an, warum die Angst bei den Bürgern umgeht. Da seien die zahlreichen Brandstiftungen in jüngster Zeit. Nach zahlreichen Feuern im Warfenweg brannten, wie berichtet, zuletzt fünf Autos auf einem Parkplatz an der Kirchstraße. Es gehe aber auch um Dinge wie den eingeschlagenen offenen Bücherschrank auf dem Marktplatz, die Diebstähle mit Angriffen im Klaus-Peter-Wolf-Museum, fremde Personen, die zurzeit in Norden Grundstücke auskundschaften, dafür sogar an Haustüren klingeln würden, berichtete Hagena. „Die Leute fühlen sich verängstigt“, sagte er. Jugendliche, die er am Marktplatz angesprochen habe, hätten beklagt, dass sie oft nicht wissen, was sie in Norden machen sollen, weil es keinen Raum und keine Angebote für sie gebe. Das Jugendzentrum wollten diese Jugendlichen nicht besuchen, weil sie dort selbst Angst hätten, berichtete Hagena. Seine Bitte an den Rat: „Wenn Angst herrscht, muss Abhilfe geschaffen werden.“ Außerdem bat er um mehr Angebote für die Jugend von Norden.
Was die Jugend angeht, kündigte Florian Eiben an, dass im kommenden Jahr zusätzliche Freiräume geschaffen werden sollen. Auch sollen Angebote, wie Basketballplätze auf Schulhöfen, künftig wieder geöffnet werden. Bisher sind diese abgeschlossen, weil es zu viel Vandalismus gegeben habe. Dieses Problem müsse geregelt werden, damit die Angebote auch außerhalb der Schule zur Verfügung gestellt werden können, sagte Eiben. Wichtig sei, dass die Menschen in der Stadt wissen, dass sich die Politik kümmert. Und das werde sie tun, kündigte der Bürgermeister an.