Sydney Keine Anrufe, kein Internet: Netzausfall legt halb Australien lahm
Lichter aus in Australien: Ein landesweiter Ausfall des Mobil-, Telefon- und Internetnetzes beim Kommunikationsanbieter Optus traf nicht nur zehn Millionen Privatkunden. Auch Züge standen still, Krankenhäuser und Bezahlsysteme gerieten in Probleme.
Laut der Website DownDetector, die Internet- und Mobilfunkausfälle berichtet, kamen die ersten Meldungen über einen Ausfall des Optus-Netzwerks gegen vier Uhr morgens in Australien. Um kurz vor sechs Uhr folgte dann eine Flut an Meldungen, über 8000 Nachrichten erreichten die Seite. Optus ist neben der Telekommunikationsfirma Telstra der zweite große Kommunikationsanbieter des Landes. Millionen von Australiern konnten weder über ihre Mobilfunkgeräte noch über das Festnetz telefonieren oder das Internet nutzen. Rein die SOS-Funktion war bei Handys weiter verfügbar.
Optus selbst meldete sich mit Verspätung zu Wort. Gegen 6:45 Uhr hieß es, man sei „sich eines Problems bewusst, das sich auf die Mobil- und NBN-Dienste von Optus auswirkt“ und arbeite daran, die Dienste „so schnell wie möglich“ wiederherzustellen. Um 8:30 Uhr versprach die Firma über X (früher Twitter), so schnell wie möglich Updates bereitzustellen und entschuldigte sich. Danach herrschte jedoch Funkstille im wahrsten Sinne des Wortes.
Neben mehr als zehn Millionen Privatkunden, rund 40 Prozent der australischen Bevölkerung, waren auch 400.000 Unternehmen und Geschäfte betroffen. Zahlreiche kleinere Anbieter, die das Optus-Netzwerk nutzen, fielen ebenfalls aus, darunter Amaysim, Coles Mobile oder Dodo. Krankenhäuser und Arztpraxen waren nicht erreichbar, in Melbourne standen zeitweise die Züge still, was vor allem bei einigen Abiturienten zu Panik führte, die pünktlich zu ihren Prüfungen antreten sollten. Die Zeitungen von „Sydney Morning Herald“ und „The Age“ (Melbourne) konnten nicht pünktlich zugestellt werden. Etliche Uber-Fahrer konnten nicht auf die App zugreifen.
Nachdem Optus über Stunden nur spärlich kommunizierte, schaltete sich Australiens Kommunikationsministerin Michelle Rowland ein – immerhin mit der Information, dass ein „tiefgreifendes Netzwerkproblem“ hinter dem Ausfall stecke. Was genau den Ausfall ausgelöst hatte, war jedoch auch am Nachmittag noch nicht eindeutig geklärt, als die Services nach und nach wieder verfügbar waren. Laut Rowland gibt es derzeit keine Informationen, die auf einen Cyberangriff hindeuteten. Letzteres betonte mit deutlicher Verspätung auch die Geschäftsführerin von Optus, Kelly Bayer Rosmarin.
Tausende arbeiteten letztendlich von Cafés und Einkaufszentren aus, die das konkurrierende Telstra-Netzwerk anbieten konnten. Vor allem in den ländlichen Regionen, die in Australien häufig von Buschfeuern betroffen sind, bereitete der Kommunikationsausfall ernsthafte Sorgen. Warnungen vor aktiven Bränden werden in Australien ebenfalls über eine App verschickt.
Aber auch im Rest des Landes häuften sich die Unannehmlichkeiten: Ein Mann berichtete der ABC, er habe am Morgen zunächst gedacht, er sei von seinem Arbeitgeber entlassen worden, nachdem weder sein Arbeitstelefon noch sein Laptop funktionierten. Ein anderer berichtete, dass er mit seiner kleinen Firma bereits am Morgen einen Verdienstausfall von rund 1500 Dollar, umgerechnet rund 900 Euro, gehabt habe. Eine Frau erzählte, dass die automatische Fütterungsanlage für ihre Katze ausgefallen sei und ein Cafébesitzer beschwerte sich, dass sein Zahlungsterminal nicht mehr funktionierte. „Kunden können ihre Rechnungen nicht bezahlen“, meinte er und monierte: „Die Menschen sind zurück in der Steinzeit.“ In Australien benutzt kaum noch jemand Bargeld.
Der Vorfall ist nicht das erste Mal, dass Optus fast die Hälfte der 26 Millionen Australier in Probleme bringt. Erst vor etwas über einem Jahr wurden bei einem Hackerangriff auf das Unternehmen die Daten sämtlicher zehn Millionen Kunden gestohlen. Darunter waren Namen, Geburtsdaten, Wohnadressen, Telefon- und E-Mail-Kontakte sowie Pass- und Führerscheinnummern. Damals schaltete sich die australische Bundespolizei ein, selbst das amerikanische FBI wurde zu Hilfe gerufen.
Einige Experten nannten den damaligen Fall die schlimmste Datenschutzverletzung in der Geschichte Australiens. Doch trotz der Ernsthaftigkeit der Situation dauerte es damals sogar mehrere Tage, bis die Optus-Chefin die betroffenen Kunden per E-Mail anschrieb und informierte.