Ehrenamt  Lichtblick für das Sand- und Waterwerk Simonswolde

Gerd-Arnold Ubben
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Von Gerd-Arnold Ubben
| 05.11.2023 08:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eberhard Bongers hat die Büchertauschbörse in den vergangenen Jahren mit aufgebaut. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Eberhard Bongers hat die Büchertauschbörse in den vergangenen Jahren mit aufgebaut. Foto: Gerd-Arnold Ubben
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Zum Ende dieses Jahres drohte das Aus für das Sand- und Waterwerk Simonswolde. Nun scheint es eine Perspektive für die Einrichtung zu geben.

Simonswolde - Auch im kommenden Jahr wird im Simonswoldmer Sand- und Waterwerk Betrieb herrschen. Davon geht Ihlows Bürgermeister Arno Ulrichs fest aus, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. Auch der Verein, der in den vergangenen Jahren die Einrichtung aufgebaut hat, werde weiter bestehen. Allerdings werde es wohl nicht möglich sein, mit derselben Intensität wie bislang zu arbeiten, so Ulrichs.

Die Frage nach der Zukunft des Sand- und Waterwerks stellt sich, nachdem das Ehepaar Erika und Eberhard Bongers als treibende Kraft seinen Rückzug aus der Vereinsspitze angekündigt hat. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder wollen zum Ende dieses Jahres aufhören. Das ehemalige Simonswoldmer Freibad gehört nach wie vor der Gemeinde Ihlow, die sich daher nun Gedanken über die Zukunft des außerschulischen Lernortes mit zahlreichen Angeboten machen muss.

Politiker wollen Verein beitreten

Laut Ulrichs ist die Gemeindeverwaltung im Austausch mit dem Verein, das heißt mit Erika und Eberhard Bongers. Zweimal hätten sie zusammengesessen und seien sich einig, dass der Verein weiter bestehen solle. Sie seien sich auch einig, dass der Vertrag zwischen der Gemeinde Ihlow und dem Sand- und Waterwerk weiter Bestand haben solle.

Die Frage sei jedoch, wie es mit dem Verein weitergehe, wenn das Ehepaar Bongers sich demnächst zurückzieht. „Wir haben schon Signale aus der Politik erhalten, dass es Interessierte gibt, die bereit sind, sich dem Verein anzuschließen, um ihn weiterhin zu tragen“, so Ulrichs.

Sie würden deshalb weitere Interessenten suchen, die mit in die Nutzung gehen. Der Ihlower Bürgermeister geht davon aus, dass auch in der kommenden Saison im Sand- und Waterwerk Betrieb herrscht und der Verein aktiv sein wird. Einige Ideen gebe es schon, so Arno Ulrichs, die alle in dieselbe Richtung gingen, wie das Sand- und Waterwerk schon heute arbeite: als außerschulische Bildungsstätte. Vor allen Dingen soll die Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser weiterhin im Mittelpunkt der Arbeit und den Angeboten stehen. In den kommenden Wochen und Monaten müssten jedoch noch einige Gespräche stattfinden, so Ulrichs abschließend.

Bücherei 2012 eröffnet

In der Zwischenzeit wird immer sichtbarer, dass im Sand- und Waterwerk eine Ära zu Ende geht. So wurde in diesen Tagen auf Facebook die Auflösung der umfangreichen und gut sortierten Tauschbücherei auf dem Gelände des Sand- und Waterwerks von Eberhard Bongers bekanntgegeben. Die Idee, eine Tauschbücherei einzurichten, kam dem Ehepaar, als sie sahen, wie viele nutzlos herumstehende Bücher sie selbst zu Hause hatten. Zunächst gab es eine Tauschbörse im Wintergarten des Sand- und Waterwerks. Als das jedoch zu umständlich wurde, kam zunächst der Gedanke auf, die Bücherei in einer Telefonzelle im Dorf aufzustellen.

Die wurde jedoch auch schnell verworfen, denn die Telefonzelle hätte ständig kontrolliert und sauber gehalten werden müssen. Zudem bestand die Gefahr, dass „böse Buben“, so Eberhard Bongers, sie mutwillig zerstören könnten.

Während der 725-Jahrfeier Simonswoldes reifte bei Eberhard Bongers die Vorstellung, in einem Holzhäuschen auf dem Sand- und Waterwerksgelände eine Bücherei einzurichten, und zwar das „BücherBeet“. Gesagt, getan: 2012 wurde die Bücherei eröffnet. Es durften nur gut erhaltene Bücher abgegeben werden, die nicht älter als zwanzig Jahre waren – und die letzten drei Seiten im Krimi mussten auch noch drin sein. Bis heute wurde die Tauschbörse sehr gut angenommen, nicht nur aus von Leuten aus der Gemeinde, sondern auch aus Emden, Großefehn und Aurich.

Im Sand- und Waterwerk stecken über 15 Jahre Arbeit

Wer jetzt noch Bücher haben möchte, hat noch bis zum 15. Dezember Gelegenheit dazu, sich welche im Sand- und Waterwerk abzuholen. Interesse an den zahlreichen Büchern hat neben anderen inzwischen ein Kindergarten aus der Region angemeldet. Er möchte im Rahmen eines Projektes Buchkindergarten werden. Sollte jedoch das alles nicht funktionieren, so Eberhard Bongers, dann werde der Wertstoffhof in Pewsum, der dort eine riesige Bücherei betreibt, die restlichen Bücher nehmen.

„Ich bedauere die Entwicklung sehr. Wir haben uns zu dem Schritt entschlossen, mit dem Projekt Sand- und Waterwerk bis zum Ende des Jahres aufzuhören. Aufgrund unseres Alters ist Vieles leider nicht mehr möglich“, sagt er ein wenig nachdenklich und wehmütig in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Seine Frau Erika Bongers, Heike Post, Gaby Saathoff, Detlef Eden und er hatten in den zurückliegenden mehr als fünfzehn Jahren mit großer Leidenschaft, unglaublichem Engagement und viel Herzblut mit dem Sand- und Waterwerk aus dem heruntergekommenen ehemaligen Simonswoldmer Schwimmbad ein Schmuckstück für die Bevölkerung, insbesondere für Kinder, weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus geschaffen. Es bleibt abzuwarten, ob der Übergang zu einer nächsten Generation von ehrenamtlichen Helfern gelingt und das Sand- und Waterwerk vor dem vollständigen Aus bewahrt werden kann.

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