Klaus-Peter-Wolf-Museum in Norden Schon wieder wollten Täter Geld aus Ostfriesenkrimi-Ausstellung stehlen
Bereits zum zweiten Mal haben bisher unbekannte Täter versucht, Geld in der Klaus-Peter-Wolf-Ausstellung zu stehlen. Wie beim ersten Mal im laufenden Betrieb. Ein Mitarbeiter wurde dabei verletzt.
Norden - Schon wieder ist die Klaus-Peter-Wolf-Ausstellung im Norder Marktpavillon Ziel eines Diebstahls geworden. Wie die Polizei berichtet, hat ein offenbar jugendlicher Täter am Mittwoch gegen 16.50 Uhr versucht, die Geldkassette mit den Eintrittsgeldern zu stehlen. Der 73-jährige Mitarbeiter, der die Ausstellung betreut, konnte den Täter zunächst festhalten. Der Täter schlug und trat daraufhin um sich und verletzte den Mitarbeiter leicht. Laut Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf hat der Mitarbeiter eine Kopfverletzung erlitten.
Die Polizeimeldung zu dem Vorfall klingt relativ nüchtern: Ohne Diebesgut flüchtete der Täter in eine unbekannte Richtung. Er wird beschrieben als ungefähr 1,70 Meter groß mit kurzen, schwarzen Haaren und dunkler Kleidung. Darüber hinaus bittet die Polizei um sachdienliche Hinweise.
Klaus-Peter Wolf spricht von Raub
In den Erzählungen von Klaus-Peter Wolf klingt das deutlich weniger nüchtern. Im Gespräch mit unserer Zeitung stellte er klar: „Das ist kein Diebstahl, das ist Raub und das müssen wir auch so benennen wie es ist“, so Wolf. Nach seinen Erzählungen war zusätzlich zum Ausstellungs-Mitarbeiter noch eine Frau vom Hospiz am Meer dabei. Beide hätten dem Dieb die Kasse wieder abgenommen und der Mitarbeiter habe den Täter zur Tür hinausgeschoben und abgeschlossen. Daraufhin habe der Täter versucht, erneut in die Ausstellung hineinzukommen, indem er vor die Tür geschlagen habe.
Das bestätigte auch Ilona Eilts vom Tourismus-Service Norddeich, der sich um die Ausstellung kümmert. „Wir haben uns große Sorgen um unseren Kollegen gemacht, aber er steckt das nach eigenen Aussagen gut weg“, so Eilts. Das Wichtigste sei, dass ihm nichts Schlimmeres passiert sei. Sie machte klar: Es wird sich künftig nicht mehr lohnen. Der Tourismusservice werde alles tun, damit es keine Gelegenheit für potenzielle Täter mehr gebe. Schon jetzt sei mit dem Hospiz besprochen, dass die Spendenbox häufiger geleert werde. Außerdem sei bereits angedacht, eine Videoanlage zu installieren. Auch würden die Öffnungszeiten in der dunklen Jahreszeit verändert werden, damit da nicht jemand im Dunkeln kommt. Genaueres werde noch bekannt gegeben.
Wolf: Es hat noch weitere Fälle gegeben
Laut Wolf war es auch nicht der zweite Vorfall dieser Art, sondern eigentlich der dritte. So seien einer Reinigungskraft bereits einmal die Schlüssel gestohlen worden. Nur, weil daraufhin sämtliche Schlösser ausgetauscht wurden, sei dabei nichts gestohlen worden. „Aber da hat es eigentlich angefangen“, sagte Wolf. Und laut Wolf sei der Vorfall am Mittwoch auch nicht der letzte gewesen. Er ist sich sicher, am Donnerstag habe es einen weiteren Versuch gegeben – nur könne er dies nicht beweisen. Nach seinen Erzählungen war er am Donnerstag mit einer Redakteurin vom Zeitmagazin für ein Interview zunächst im Café Ten Cate und anschließend noch in der Ausstellung. Danach standen besagte Redakteurin und Wolf noch in der Nähe des Pavillons auf dem Marktplatz, um sich weiter zu unterhalten. „Da kamen zwei Männer voll Testosteron auf die Ausstellung zu und gingen durch die offene Tür in die Ausstellung“, erzählte Wolf aus seiner Erinnerung. Die Redakteurin habe direkt gesagt: „Das ist nicht gut.“ Deshalb ging Wolf mit der Redakteurin direkt hinterher. Die Männer hätten sich im Raum hektisch umgesehen und die Spendenbox gesucht. Die steht seit dem ersten Überfall Anfang Oktober aber an einem anderen Platz als bisher. „Als die Männer die Menge von Leuten in der Ausstellung sahen, sind sie schnell wieder raus“, sagte Wolf. Sowohl er als auch die Zeit-Redakteurin seien sich aber sofort einig darüber gewesen, dass diese Männer etwas gesucht hätten.
Für Wolf ist völlig unverständlich, warum die Täter der ersten Tat im Oktober von der Polizei noch nicht ermittelt wurden. Laut Polizeipressestelle laufen die Ermittlungen auch zum ersten Fall noch. Täter seien noch nicht festgenommen. Auch werde jetzt geprüft, ob die neuerliche Tat damit zusammenhänge.
Betroffener Mitarbeiter traf Täter später im Norder Tor
Dabei konnte der Mitarbeiter der Ausstellung die Täter sehr gut beschreiben. Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, waren sie ihm nicht unbekannt. Nach seinem Dafürhalten haben sie im Vorfeld der Tat die Räumlichkeiten mehrfach ausgekundschaftet. Die Täter gehören nach Aussagen des Mannes zu einer Gruppe von Menschen, die sich mittlerweile täglich rund um den Marktpavillon versammeln, dort sitzen, trinken, rauchen.
Und nicht nur das. Der betroffene Mitarbeiter hat die Täter des ersten Diebstahls im Nachhinein sogar noch einmal im Norder Tor getroffen, erzählte Klaus-Peter Wolf. Dort habe er sie angesprochen und sie gefragt, ob sie überhaupt wissen, dass sie sterbenden Menschen das Geld gestohlen haben. Wie berichtet, befanden sich in der gestohlenen Spendenbox für das Hospiz am Meer mehrere Hundert Euro. „Der Mitarbeiter forderte die Täter auf, wenigstens die Spendenbox zurückzugeben“, so Wolf. Daraufhin hätten die Jugendlichen wohl gesagt, die Polizei mache eh nichts.
Autor: Marktplatz darf nicht zu rechtsfreiem Raum werden
Für Wolf geht es noch um viel mehr als nur die Diebstähle. „Wir müssen aufpassen, dass die Stadt den Ort nicht verliert“, sagte er. Aus seiner Zeit als Gerichtsreporter in Gelsenkirchen wisse er, dass eine Stadt manche Orte verliere, wenn Sicherheitskräfte nicht einschreiten. Dort sammele sich dann das Halbkriminelle, wie der Autor es beschreibt. In Gelsenkirchen sei es es ein alter Bunker gewesen. „Der wurde immer mehr ein rechtsfreier Raum“, erzählte Wolf. Dem Norder Marktplatz drohe ein ähnliches Schicksal, wenn die Polizei nicht eingreife, so die Auffassung von Wolf. Für ihn ist klar: „Der Platz muss selbstverständlich videoüberwacht werden.“
Für die Jugendlichen ist es nach Meinung von Wolf mittlerweile eine Art Mutprobe, direkt unter den Augen der Polizei, die am Markt ihre Wache hat, zu agieren. „Die drehen sich da auch Joints und kiffen und stören sich nicht dran, dass da Leute kommen“, berichtet Wolf von eigenen Erfahrungen. „Der Rechtsstaat muss sich auch mal zeigen“, betonte Wolf. Die Polizei müsse Gesicht zeigen. Denn kriminelle Karrieren beginnen nicht mit großen Taten, sagte er. Je später man die Jugendlichen stoppt, desto größer werden die Taten, so die Überzeugung des Kriminalschriftstellers. „Die nächste Steigerung von Raub ist bewaffneter Raub“, sagte Wolf.