Überfall auf Bordell  Junge Räuber sollen in Aurich Frauen geschlagen und getreten haben

Lasse Paulsen
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Von Lasse Paulsen
| 02.11.2023 10:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Landgericht in Aurich. Foto: DPA
Das Landgericht in Aurich. Foto: DPA
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Drei junge Männer sollen bei einem Raubüberfall in einem Auricher Wohnungsbordell mehr als 500 Euro erbeutet haben. Grundsätzlich gestanden sie die Tat.

Aurich - Im Prozess um einen Bordellraub trafen in der zweiten Sitzung die drei Angeklagten auf eine unerwartete Zeugin. Vor dem Landgericht Aurich mussten sich zwei 18-Jährige und ein 17-Jähriger in einer zweiten Verhandlung der Verantwortung für einen Raubüberfall am Dienstag, 9. Mai, mit einem Messer verantworten. Die drei Männer räumten bereits bei dem ersten Termin ein, den Überfall begangen zu haben, zur Diskussion standen jetzt noch Einzelheiten. Die Angeklagten waren sich einig – alle hatten vor der Tat Kokain und Marihuana konsumiert und hatten den Überfall spontan ausgeführt. Ein 18-Jähriger, er ging als letztes in das Bordell, hat ein Messer dabeigehabt und eine der Prostituierten damit bedroht.

Das mitgeführte Messer sollte laut der Angeklagten nicht eingesetzt werden. Dieses hätten sie aus der Wohnung in der Innenstadt mitgenommen, in der die drei sich zuvor zum Konsumieren von Drogen getroffen haben. Eine Absicht, es einzusetzen, habe es nicht gegeben. Der Vorsitzende Richter Bastian Witte wollte es jedoch genauer wissen, da ohne Absicht zum Einsatz ein Messer nicht hätte mitgenommen werden müssen. „Sie haben das doch sicher nicht mitgenommen, um einen Apfel zu schälen.“

Während des Überfalls bei einem Freier entschuldigt

Eine andere Sache, die sowohl Richter Witte als auch die Staatsanwältin zuerst nicht nachvollziehen konnten, war die Aussage aller Angeklagten, die Tat ohne Gewalt geplant zu haben. An dieser Stelle spielte das Verständnis von Gewalt bei den Angeklagten eine große Rolle. Für sie sei es keine Gewalt, jemanden festzuhalten. Gewalt sei es laut ihnen erst, wenn man „eine Bombe“ verteilt – das bedeutet einen Schlag auszuteilen – oder Ähnliches.

Doch selbst diesen Vorsatz hielten sie nicht ein. Eine der an dem Abend im Bordell arbeitenden Frauen erschien unerwartet als Zeugin. Sie erklärte, dass sie gerade einen Freier im Zimmer hatte, als sie Hilferufe ihrer Kolleginnen hörte. Sie lief in den Flur, in dem einer der Angeklagten, der ein Messer in der Hand hielt, sie in ihr Zimmer zurücktrieb. Dabei habe sie gesehen, dass eine der anderen beiden dort arbeitenden Frauen geschlagen und die Dritte getreten wurde.

15-Jähriger spricht von Morddrohungen

In dem Moment, in dem der Mann mit dem Messer den Freier gesehen habe, habe er sich, wie der Angeklagte bestätigte, bei dem Mann entschuldigt. Entschuldigungen und Reue richteten die beiden 18-jährigen Angeklagten auch in kurzen Worten an das Opfer im Zeugenstand. Das stand im Kontrast zum regelmäßigen Grinsen der Angeklagten bei Aussagen etwa über den Kokainkonsum.

Einer der drei Angeklagten ist Tage vor der Tat auf einen 15-jährigen Jungen zugekommen, um ihn zum Mitmachen zu animieren. Der Jugendliche wurde aus der Justizvollzugsanstalt Hannover mit Fußfesseln in den Zeugenstand gebracht. Der 15-Jährige erklärte, er sei gefragt worden, ob er schnelles Geld machen wolle. Er verneinte und habe danach auch keine Details mehr mitbekommen.

Doch eine andere Sache brachte einen der Angeklagten zum Lachen. Der 15-Jährige sagte aus, dass er von einem der Angeklagten Morddrohungen bekommen habe. Dieser habe ihn totschlagen oder mit einem Messer abstechen wollen.

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