Gedenken an Reformation Was Bagband, Martin Luther und zwei Apfelbäume verbindet
Die Bagbander Kirchengemeinde hat mehr als eine besondere Verbindung zu Martin Luther und der Reformation. Das hat auch mit zwei Apfelbäumen zu tun, die hunderte Kilometer voneinander entfernt stehen.
Bagband - Vor dem Gemeindehaus der Kirchengemeinde Bagband steht ein schön gewachsener Apfelbaum, der zurzeit viele Früchte trägt. Es handelt sich dabei um einen besonderen Baum, denn dieser wurde am Sonntag, 14. April 2013, als Teil der damaligen internationalen Aktion „Luthergarten“ durch den Kirchenvorstand gepflanzt. Doch das ist nicht das einzige, was die Kirchengemeinde mit dem Reformator Martin Luther und die Reformation verbindet, dem zu Ehren im November tausende Kinder singend durch die Straßen ziehen.
Mit der Baumpflanzung erfolgte seinerzeit auch die Widmung des Gemeindehauses auf den Namen Ulricus, der Mitte des 16. Jahrhunderts als Pastor in Bagband tätig war und als „Bagbander Martin Luther“ gilt. Denn in seiner Amtszeit hat laut des ältesten Kirchenbuches von 1696 die Reformation Wurzeln in der Gemeinde geschlagen. „Beim Luthergarten haben wir damals mitgemacht, weil diese weltumspannende Initiative das greifbar werden lässt, wovon Martin Luther selbst ergriffen war. Sie zeigt die Kraft des christlichen Glaubens, die Menschen neu zum Blühen bringt“, erinnern sich Fenna Bohlen und Therese Krüsmann vom Kirchenrat.
Die Teilnahme an dieser Aktion sei ihrer Ansicht nur folgerichtig gewesen, denn seit dem 31. Oktober 2010 trage die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bagband den Zusatz „Martin Luther“. Die Entscheidung für ein Apfelbäumchen ging auf den Spruch zurück, den Martin Luther einst gesagt haben soll: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Aber das ist noch nicht die letzte Verbindung der Gemeinde zu Martin Luther. Es gibt eine, die in ganz Ostfriesland nur Bagband vorweisen kann.
Unter dem Motto „500 Jahre Reformation – 500 Bäume in der Lutherstadt Wittenberg“ schufen der Lutherische Weltbund und die Stadt Wittenberg ein lebendiges, internationales, ökumenisches Denkmal zum Reformationsjubiläum im Jahre 2017. Der Luthergarten umfasst seitdem 500 Bäume an drei Standorten in der Stadt Wittenberg sowie ein Netzwerk von Partnerbäumen rund um die ganze Welt als Ausdruck der Verbundenheit durch die Wirkungsgeschichte der Reformation. In Wittenberg leitete Martin Luther vor mehr als 500 Jahren die Reformation ein und veränderte das Christentum, als er 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg (Sachsen-Anhalt) genagelt haben soll.
Baum 196
Der Bagbander Kirchenrat und sein damaliger Pastor Oliver Vorwald begaben sich zwei Jahre später nach der Baumpflanzung vor dem Gemeindehaus zusammen nach Wittenberg, um dort in der Leucorea, der alten Universität von Wittenberg, eine Klausur abzuhalten. Das Thema war die Zukunft und Weiterentwicklung der Kirchengemeinde Bagband als „Martin-Luther-Gemeinde“ in der Vakanzzeit, weil Pastor Oliver Vorwald Bagband Richtung Hannover verlassen wollte. In der Landeshauptstadt ist Oliver Vorwald seitdem redaktionell für die evangelische Kirche im NDR zuständig und fast regelmäßig am Sonntagmorgen im Radio mit seinen Beiträgen, die gerade die Bagbander mit großem Interesse verfolgen, zu hören. Nach wie vor pflegt der in einer der kleinsten Kirchengemeinden des Kirchenkreises Aurich sehr beliebte Seelsorger noch engen Kontakt zu seinen einstigen „Schäfchen“.
In Wittenberg besuchte der Kirchenvorstand die Stadtkirche, wo vor 500 Jahren Martin Luther gepredigt hat, sowie das Lutherhaus und das historische Rathaus. Dort über gab Fenna Bohlen als Vorsitzende des Kirchenrates dem Oberbürgermeister Eckhard Naumann neben ostfriesischen Spezialitäten eine Ausgabe der Chronik „Wir können jetzt anders“. Sie dokumentiert die Feierlichkeiten zum 450-jährigen Reformationsjubiläum, die 2010 in der zur Kirchengemeinde Bagband gehörenden Ortsteile Neuemoor, Spetzerfehn und Bagband stattfanden.
Bevor die Bagbander die Heimreise von Wittenberg nach Bagband antraten, wurde während einer bewegenden Andacht noch ein Apfelbäumchen im Luthergarten symbolisch gepflanzt. Er ist mit einer Plakette mit folgender Inschrift versehen: „Baum 196 – Pate: Evangelisch-Lutherische Martin-Luther-Kirchengemeinde Bagband zu Großefehn, Ostfriesland, Deutschland – Baumart: Malus-Apfel `Edelborsdorfer`– Pflanzdatum: 24.02.2015 – Gepflanzt durch: Paul Czembor, Mitglied des Kirchenvorstandes.“
Damit war die Martin-Luther-Kirchengemeinde Bagband dann mit Baum 196 Teil des großen Reformationsprojektes 2017 in Wittenberg geworden. Die Kirchengemeinde Bagband ist in Ostfriesland bisher die einzige evangelische Institution, die das vorweisen kann.