Prozess am Landgericht Aurich Junge Männer gestehen Raubüberfall auf Bordell
Sie sollen im Mai zwei Prostituierte verletzt und bestohlen haben. Nun müssen sich zwei 18-Jährige und ein 17-Jähriger vor Gericht verantworten. Ein Zeuge wusste offenbar von den Plänen.
Aurich – Im Prozess gegen drei junge Männer aus Aurich, die Prostituierte in einem Bordell überfallen haben sollen, zeigten sich die Angeklagten am ersten Verhandlungstag geständig. Nur in Einzelheiten widerspreche man den Vorwürfen, sagten die Verteidiger Michael Schmidt, Joachim Müller und Jens Holger Hartmann.
Laut Anklage klingelte das Trio am 9. Mai an der Tür eines Bordells in der Auricher Innenstadt. Eine Mitarbeiterin öffnete. Sie wurde von einem der Täter an die Wand gedrückt und mit einem Messer bedroht. Als eine Kollegin von ihr hinzukam, wurde auch sie festgehalten und geschlagen. Daraufhin ging ein Täter in die Küche des Bordells, fand eine Brieftasche und nahm etwa 500 Euro heraus. Anschließend flüchteten die Drei.
Dass der 17-Jährige eine Prostituierte an den Haaren gezogen haben soll, bestritt dieser. Außerdem sagte der andere 18-Jährige, er habe den Bordellmitarbeiterinnen keine Gewalt angetan.
Drogensucht soll Rolle gespielt haben
Vorsitzender Richter Bastian Witte gab den Angeklagten die Möglichkeit, sich noch zu weiteren Umständen der Tat zu äußern. Diese Gelegenheit nutzte einer der 18-Jährigen. Er habe zunächst eine Zeit in einer Wohngruppe in Minden gelebt. Dort fand er laut eigener Aussage Stabilität und Perspektive für eine Berufsausbildung. Dennoch sei er schon zu dieser Zeit immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die Ausländerbehörde sei deshalb auf ihn aufmerksam geworden und der Ansicht gewesen, dass er in eine Unterkunft in Aurich ziehen müsse. Die dortigen Wohnverhältnisse und ein Arbeitsverbot haben laut dem Angeklagten zu einer Perspektivlosigkeit geführt: Er fing an, Cannabis und vor allem Kokain zu konsumieren. Die Sucht und das notwendige Geld dafür seien der Grund für die Tat gewesen. Auch während des Raubes selbst sei er im Rausch gewesen. Im Nachhinein sei die Tat „nicht schlau“ gewesen, da sie keine Masken verwendet und die Videokameras des Bordells nicht berücksichtigt hätten. In Richtung des Richters sagte er: „Ich bitte um Verzeihung.“ Einer der anderen Angeklagten gab ebenfalls an, geplant zu haben, seine Drogensucht mit dem Überfall zu finanzieren.
Bevor der Prozess für eine Pause unterbrochen wurde, wandten sich die Verteidiger an Richter Witte. Sie baten ihn, dass die Angehörigen im Zuschauerbereich mit den Angeklagten sprechen können. Witte erlaubte das. Er stellte aber die Bedingung, dass dies nur über die Absperrung und unter den Augen des Wachpersonals geschehen kann.
Drei Zeugen geladen – nur einer erscheint
Um die Einzelheiten der Tat klären zu können, hatte das Gericht drei Zeugen geladen. Zuvor verwarnte Richter Witte noch einen der Angeklagten. Dieser habe während der Prozesspause in seiner Zelle randaliert. Passiere das erneut, müsse der Angeklagte in seiner Zelle fixiert werden.
Von den geladenen Zeugen erschien jedoch nur einer. Der 16-Jährige gab zunächst an, den Tatverlauf nur vom Hörensagen zu kennen. Wer ihm davon erzählt habe, wisse er nicht mehr. „Aurich ist klein – da kennen sich alle“, sagte der Zeuge. Er habe grundsätzlich eine schlechte Erinnerung, da er vor kurzer Zeit aus der Haft entlassen wurde. Witte bohrte nach und hielt dem Zeugen seine Aussage bei der Polizei vor. Darin habe der 16-Jährige angegeben, schon vorab von der Tat gewusst zu haben. Damit konfrontiert, gab er dies zu und gab außerdem an, gefragt worden zu sein, mitzumachen. Das habe er aber abgelehnt.
Bei einem weiteren Zeugen stellte sich heraus, dass dieser derzeit in Haft ist und deswegen keine Ladung erhielt. Ein dritter geladener Zeuge erschien ebenfalls nicht. Er soll beim nächsten Verhandlungstag am 1. November aussagen.