Ärger um EWE-Abrechnung Rentner soll 2000 Euro fürs Heizen zahlen
Der Auricher Rentner Jürgen Reinold hat die EWE-Abrechnung erst im September erhalten. Dabei konnte er seinen Augen kaum trauen.
Aurich - Sparsam geheizt und nun soll er trotzdem mehr als 2000 Euro für das Gas bezahlen: Der Auricher Rentner Jürgen Reinold konnte es kaum fassen, was die EWE ihm im September als Abrechnung schickte. Er sollte deutlich mehr zahlen als seine Vermieterin. In der Rechnung werden dabei nur Schätzungen angegeben. Der 66-Jährige, der vor einem Jahr von Köln nach Aurich gezogen ist, ärgert sich über die Höhe Abrechnung – und dass ihm bei der EWE nun keiner glaubt, dass er sparsam geheizt habe. Zahlen soll er nun trotzdem. Die EWE hingegen sieht die Zählerstände als korrekt an, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt.
Für etwa 2000 Euro soll der Auricher Rentner Gas zum Heizen genutzt haben. „Ich kann das im Leben nicht verbraucht haben“, sagt Reinold. Er wohnt in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung. Im September 2022 sei er eingezogen. Er habe nicht viel mehr Gas verbraucht als die Vermieterin. In der Schätzung der EWE, die den hohen Preis rechtfertigen soll, ist ein Verbrauch für etwa eine dreiköpfige Familie angegeben. „Eine Cannabis-Plantage habe ich nicht“, sagt Reinold. Er kann sich die Schätzung nicht erklären. Er habe vergangenen Winter bewusst sparsam geheizt – gemäß den allgemeinen Empfehlungen.
Von einem Servicepunkt zum nächsten geschickt
Deswegen wandte er sich mit der Abrechnung an die EWE am Auricher Marktplatz. Dort wollte ihm keiner helfen, so der Rentner. Er wurde zum Standort der EWE am Breiten Weg geschickt. Da wiederum sei er an die EWE-Mitarbeitern am Marktplatz verwiesen worden. Beim zweiten Anlauf am Marktplatz sei ihm gesagt worden, es könne an dem alten Gasbrenner liegen, der müsse ausgetauscht werden. Nachrechnen wolle auch keiner der EWE-Mitarbeiter, so Reinold. Doch der 66-Jährige kann sich beim besten Willen nicht erklären, warum nun ausgerechnet bei ihm der Gasbrenner zu alt und daher der Verbrauch zu hoch gewesen sein soll.
Die EWE hingegen hält dagegen: „Die Rechnung, die der Kunde erhalten hat, ist korrekt“, so Sprecher Dietmar Bücker in einer Stellungnahme. Die Zählerstände, die von Reinold und dem Verbundnetzbetreiber abgelesen wurden, seien so übernommen worden. Demnach habe der Zählerstand am 2. September 2022 bei 27416,00 kWh gelegen und am 28.8.2023 bei 29093,00. „Somit ist der Vorwurf, das mit zu höhen Schätzungen gerechnet wurde, nicht gerechtfertigt“, so Bücker. Dies sei dem Rentner auch im EWE-Shop am Marktplatz mitgeteilt worden. Er solle außerdem der EWE das Übergabeprotokoll vom Einzug zukommen lassen, damit geprüft werden könne, ob der korrekte Anfangszählerstand angegeben wurde. „Eine Überprüfung unsererseits im Vertrag der Vormieterin ergab, dass der Endzählerstand identisch mit dem Anfangszählerstand des Kunden ist.“ Reinold könne mit einem Foto vom Zähler oder dem besagten Übergabeprotokoll vom Einzug die Zählerstände nachweisen, so der EWE-Sprecher. Der als zu teuer bemängelte Tarif sei zum Zeitpunkt des Abschlusses der Günstigste gewesen.
Doch wie soll ein alleinstehender Rentner 2000 Euro aus dem Nichts für Gas zahlen? Eine Ratenzahlung sei aus „Kulanz“ mit dem Kunden vereinbart worden. Reinold ist trotzdem genervt, weil sich für ihn der hohe Gaspreis immer noch nicht erklären lasse.
„Ich kann mir keine Schuhe erlauben, soll aber mit billigen Ausflüchten der EWE 1000 Euro schenken“, sagt Reinold. Er ist vor allem enttäuscht über den Service. So sei er hin und hergeschickt worden und niemand habe sich so recht seines Problems annehmen wollen. Erst auf Anfrage der Zeitung hat er etwa den Vorschlag zur Ratenzahlung erhalten. Er habe die ganzen Jahre in Köln bei der Rheinenergie Gas zum Heizen bezogen. So einen Ärger hatte er dort nicht einmal gehabt. Nun nach einem Jahr in Aurich musste er schon mehrere Male zum Kundenservice. Er möchte auch erst die Sache klären, bis es wirklich zu einer Ratenzahlung kommt.