Wegen Krieg in Israel  Polizei Aurich verstärkt Schutzmaßnahmen

Christin Wetzel
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Von Christin Wetzel
| 20.10.2023 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der jüdische Friedhof in Aurich ist einer der wenigen jüdischen Punkte in der Stadt. Foto: Romuald Banik
Der jüdische Friedhof in Aurich ist einer der wenigen jüdischen Punkte in der Stadt. Foto: Romuald Banik
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Die Lage in Israel und ein versuchter Brandanschlag auf eine Berliner Synagoge lassen die Einsatzkräfte in Aurich und Umgebung besonders wachsam sein. Jüdische Ostfriesen fühlen sich noch geschützt.

Aurich - Noch stärkerer Schutz als bisher: Direkt nach dem Übergriff der Hamas auf Israel und seine Bürger hat die Polizei in Niedersachsen den Schutz jüdischer Einrichtungen geprüft. Schutzmaßnahmen bei jüdischen Einrichtungen seien verstärkt worden. Das teilt die Polizei in Aurich auf Anfrage mit. Bundesweit kam es schon zu antisemitischen Vorfällen seit dem Krieg in Nahost, wie ein versuchter Brandanschlag auf eine Berliner Synagoge. Doch in Aurich und Umgebung fühlen sich jüdische Einwohner noch sicher. Doch die Ereignisse in Israel verfolgen sie nach wie vor mit Entsetzen.

„Es ist fast unerträglich“, sagt Wolfgang Freitag aus Aurich. Er war jahrelang Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) AG Ostfriesland und hat noch viele Kontakte aus dieser Zeit. Freitag erhält Telefonanrufe von Bekannten aus Israel. Die Betroffenen seien verzweifelt. „Die Menschen dort sehen keine Perspektive“, sagt Freitag. Fraglich ist, wie es in Israel weitergeht.

Zusammenhalt in Aurich

Klarer hingegen ist die Situation derzeit in Aurich und Umgebung. „Wir sind froh, dass es in unserer Umgebung keine bösartigen Aktionen gegen jüdische Mitbürger gegeben hat“, sagt Freitag. Den Eindruck bestätigt auch Ulrich Kötting, aktuell der Vorsitzende der DIG Ostfriesland. „Glücklicherweise haben wir bisher kaum antisemitische Zwischenfälle gehabt“, sagt Kötting. Woran das liegt, können die beiden unabhängig voneinander so erklären. „Wir leben in einer kleinen Stadt, die Einwohner kennen sich noch ganz gut“, sagt Kötting. Es gebe einen „wunderbaren Zusammenhalt“, so Kötting. Egal, welche Partei oder welcher Hintergrund, es stünden alle gegen Antisemitismus, so Köttings Eindruck. Auch die Lage Aurichs in Ostfriesland trägt seinen Teil zu einer hier entspannten Situation bei. „Ich habe den Eindruck, dass die ostfriesische Umgebung mäßigend auf die Menschen wirkt“, sagt Freitag.

So ruhig und beschaulich es in Aurich wirken mag, so dramatisch schildern die Bekannten die Lage in Israel. Freitag höre derzeit in den Telefongesprächen mit den Bekannten aus den betroffenen Gebieten zu. Manchmal helfe auch Mitweinen. Es sei schlimm für die israelischen Freunde, sagt auch Kötting. Lange galt Israel als eine Art Rückzugsort für Juden. Egal wo sie wohnten, sei der Gedanke da gewesen: Wenn es mit dem Antisemitismus zu viel wird, gehen wir nach Israel. Mit dem Krieg fällt diese Option weg. „Das hat ihnen den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Kötting. Die Stimmung sei deprimiert. Der Zustand der Angst sei wieder da.

Polizei sieht Schutz der Juden als dringende Aufgabe

Aber Kötting lobt auch die Zusammenarbeit der Polizei, was den Schutz jüdischer Mitbewohner und Einrichtungen angehe. „Die Gewährleistung der Sicherheit der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist aktuell eine der vordringlichsten Aufgaben der Polizei“, schreibt Wiebke Baden, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund auf Anfrage. Bei Versammlungen und Einsätzen in dem Zusammenhang sei die Polizei besonders wachsam. Sie betont, dass „jede Form der Sympathiebekundung für die Angriffe der terroristischen Vereinigung Hamas“ nicht den Schutz der Versammlungsfreiheit genießen. Sie würden verhindert beziehungsweise unterbunden. Aktuell liegen im Bereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund jedoch keine Hinweise auf solche Versammlungen oder Veranstaltungen vor.

Jüdische Gebäude wie etwa eine Synagoge gibt es in Aurich nicht zu beschützen. Vorhanden ist noch der jüdische Friedhof. Aber es leben noch jüdische Mitbürger in der Region. Die Polizei sei in ständigem Dialog mit den Verantwortlichen sowie Mitgliedern jüdischer Einrichtungen.

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