Nächste Hürde genommen  Bahnanschluss für Aurich wird wahrscheinlicher

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 19.10.2023 18:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Keine andere Stadt der Größe Aurichs ist ohne Anschluss an den Schienenpersonenverkehr. Foto: Archiv/Ortgies
Keine andere Stadt der Größe Aurichs ist ohne Anschluss an den Schienenpersonenverkehr. Foto: Archiv/Ortgies
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Die Reaktivierung der stillgelegten Bahnstrecke von Aurich nach Emden ist etwas wahrscheinlicher geworden. Die Strecke ist in Stufe zwei des Prüfverfahrens aufgerückt.

Aurich/Hannover - Die nächste Hürde auf dem Weg zur Reaktivierung ist genommen: Die Bahnstrecke von Aurich über Abelitz (Gemeinde Südbrookmerland) nach Emden bleibt im Rennen um die Reaktivierung für den Personenverkehr. Die Strecke werde definitiv in die zweite Prüfstufe des Verfahrens aufrücken und einer Nutzwertanalyse unterzogen, teilte das niedersächsische Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Das habe der parlamentarische Lenkungskreis Bahnstreckenreaktivierung entschieden.

Die rot-grüne Landesregierung plant die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken für den Schienenpersonennahverkehr. Bis zu 90 Prozent der Kosten übernimmt der Bund. In einem standardisierten Bewertungsverfahren wählt das Land die zu reaktivierenden Strecken aus. Dabei spielen neben Kosten und erwarteten Fahrgastzahlen auch soziale und ökologische Kriterien sowie die Bedeutung der jeweiligen Bahnstrecke für den Tourismus eine Rolle.

„Das Potenzial ist enorm groß“

Von 54 gemeldeten Strecken sind nun noch 14 im Rennen. Neben Aurich-Abelitz sind das Blexen-Nordenham, Rheine-Spelle, Lengerich-Versmold, Bad Bederkesa-Speckenbüttel, Bremerhaven-Langen, Rotenburg-Bremervörde, Lüneburg-Bleckede, Celle-Soltau, Celle-Bergen, Celle-Beckedorf, Celle-Lachendorf, Rinteln-Stadthagen und Bodenwerder-Emmerthal. Wie viele am Ende tatsächlich reaktiviert werden, ist unklar. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) wird in der Pressemitteilung mit den Worten zitiert: „Von den betrachteten Strecken wollen wir am Ende so viele wie möglich für den Personenverkehr wieder in Betrieb nehmen.“ Die nun ausgewählten Strecken hätten aus Sicht des Lenkungskreises „bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit“, die Anforderungen zu erfüllen. Die endgültige Entscheidung fällt in etwa zweieinhalb Jahren.

„Das Streckenpotenzial ist enorm groß in Niedersachsen“, so Lies. „Wir behalten alle Strecken im Blick, müssen dabei aber realistisch bleiben.“ An die Nutzwertanalyse schließt sich in Stufe drei eine Klärung des Finanzbedarfs an. Dabei geht es um die langfristig anfallenden Betriebskosten. Für die aussichtsreichsten Strecken wird in Stufe vier schließlich in die konkrete Planung eingestiegen und ein Förderantrag vorbereitet.

Seit 1967 fahren keine Personenzüge mehr nach Aurich. Auf der Strecke nach Abelitz verkehren nur Güterzüge. Aurich ist die größte deutsche Stadt ohne Anschluss an den Schienenpersonenverkehr. Parallel zum Verfahren des Landes hat der Landkreis Aurich eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnis Ende des Jahres vorliegen soll. Darin wird eine mögliche Kombination aus Straßenbahn- und Eisenbahnbetrieb geprüft. Eine Straßenbahn kann schneller bremsen und beschleunigen. Sie wäre vor allem für das Nadelöhr Moordorf eine Alternative zur Eisenbahn.

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