Kommunale Wärmeplanung Großes Interesse an Auftrag von Aurich und Norden
Als erste Kommunen in Ostfriesland haben die Städte Aurich und Norden jetzt den Auftrag für die kommunale Wärmeplanung vergeben. Der Plan, gemeinsam zu agieren, war dabei von Vorteil.
Aurich/Norden - Die Idee, dass sich die Städte Aurich und Norden zusammentun, um die kommunale Wärmeplanung zu erstellen, war anscheinend richtig. Wie der Klimaschutzmanager von Aurich Tjarko Tjarden am Mittwoch im städtischen Umweltausschuss mitteilte, war das Interesse an der Ausschreibung der beiden Kommunen sehr groß. Als erste Kommune in Ostfriesland haben Aurich und Norden jetzt den Auftrag zur Wärmeplanung vergeben.
Die beiden Städte Aurich und Norden, sonst eher als Konkurrenten im Landkreis Aurich bekannt, haben sich bei de Ausschreibung zusammengetan, um für die Fachbüros attraktiver zu sein, weil der Auftrag größer ist. Bei der kommunalen Wärmeplanung handelt es sich vor allem um die Erhebung von Daten. Einfach gesagt wird geschaut, welche Wärmequellen an welchen Orten zur Verfügung stehen und wo das größte Potenzial besteht, klimafreundliche Energien auszubauen – wie etwa das städtische Fernwärmenetz.
Vier Bieter kamen in die engere Wahl
Laut Tjarden hat es ein großes Bieterspektrum gegeben. Insgesamt vier Bieter waren „sehr geeignet und in der engeren Wahl“. Der Auftrag ist nun vergeben worden an ein Konsortium aus EWE-Netz und greenventory. Das ist eine Firma aus Freiburg in Baden-Württemberg, die laut Tjarden bisher die meisten Wärmeplanungen in Deutschland erstellt hat. Auch für kleinere Kommunen, nicht nur für die Megacitys, wie Tjarden sagte. Als nächste ostfriesische Kommune werde jetzt auch Leer ausschreiben, so Tjarden.
Ziel ist es laut dem Auricher Klimaschutzmanager, bis Ende Juni 2024 mit den Planungen fertig zu sein. Das heißt, im Juni sollen fünf Gebiete feststehen, die sich am besten dafür eignen, dass die Kommune hier aktiv wird und zum Beispiel dort die Fernwärmenetze ausbaut.
Grüne wollen klare Informationen für Hausbesitzer
Zunächst gehe es jetzt um die Analyse der Fläche. Dass ist durch das niedersächsische Klimaschutzgesetz so vorgegeben. Ende Januar/Anfang Februar soll es dann einen öffentlichen Workshop geben, kündigte Tjarden an. Weil die Fragestellung unterschiedlich ist, werde es einen Workshop für Unternehmer und einen für die Bevölkerung geben. Dazu werde öffentlich eingeladen. Einen weiteren Workshop wird es gegen Ende der Planungsphase geben. „Anfang November geht es operativ los“, kündigte Tjarden an. Dann werde ein Tag pro Woche für die Wärmeplanung reserviert sein.
Die kommunale Wärmeplanung
Die Wärmeplanung soll in Kommunen die Grundlage für eine treibhausgasneutrale kommunale Wärmeversorgung schaffen. Mithilfe der Wärmplanung wird der Wärmebedarf einer Kommune ermittelt. Dann wird geprüft, wie dieser Bedarf aus Quellen von erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Neben dem Ist-Zustand werden Potenziale aufgezeigt, wie Energie eingespart werden kann und wo es Möglichkeiten gibt, die Nutzung von Abwärme und erneuerbaren Wärmequellen, wie Fernwärme auszubauen. Anhand der Analysen werden Szenarien entwickelt, wie eine zukunftsfähige Wärmeversorgung aussehen soll. Dabei werden auch die Versorgungskosten betrachtet. Auf Basis dieser Szenarien wird eine Strategie mit Maßnahmenkatalog, Prioritäten und einem Zeitplan erstellt. Die kommunale Wärmeplanung wird ab 2024 verpflichtend für alle Mittelzentren.
Reinhold Mohr (Bündnis90/Die Grünen) wollte vor allem wissen, wann die Hauseigentümer erfahren, ob sie noch in eine neue Heizung investieren müssen, beziehungsweise wann sie von der kommunalen Wärmeplanung profitieren können. „Wenn eine Heizung in die Jahre gekommen ist, wollen die Menschen ja wissen, ob sie noch eine neue Gasheizung kaufen müssen oder ob sie an die Fernwärme angeschlossen werden“, sagte Mohr. Daher sei es wichtig, dass jeder einzelne Hausbesitzer wisse, wann welches Gebiet angeschlossen werde.
Dass Hausbewohner auf den Anschluss warten, will der Klimaschutzmanager allerdings nicht. Wenn die Heizung kaputt sei, werde in den meisten Gebäuden eine Wärmepumpe funktionieren, so Tjarden. Dies werde auch eine ökonomisch vertretbare Variante der Gebäudeheizung sein. Das Warten auf die Wärmeplanung, die erst Jahre später umgesetzt werde, dürfe nicht eintreten. „Da müssen wir auch aktiv gegen kommunizieren“, sagte Tjarden. Dafür seien die Zeiträume auch viel zu lang. Das Konzept, das im Juni vorliegen soll, müsse nachweisen, wie innerhalb der nächsten fünf Jahre mit der Umsetzung begonnen werden kann. „Der Prozess, das Wärmenetz zu bauen, ist sehr langsam“, sagte Tjarden. Nichtsdestotrotz stehen im Juni erst mal fünf Gebiete fest. Ob das einzelne Wohnsiedlungen sind oder ein großes Kerngebiet sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Auch wird klar sein, in welcher Priorität innerhalb dieser Gebiete begonnen werden soll.