Prozess um Raub im Drogenmilieu  Das sagen Zeugen über den mutmaßlichen Drogenring-Eintreiber

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 17.10.2023 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die nachgestellte Szene zeigt, wie Drogen gegen Geld eingetauscht werden. Foto: DPA
Die nachgestellte Szene zeigt, wie Drogen gegen Geld eingetauscht werden. Foto: DPA
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Ein 30-jähriger Auricher soll säumige Zahler eines Drogenrings brutal eingeschüchtert haben. Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Vor Gericht wollten sich Zeugen daran aber nicht erinnern.

Aurich - In dem Prozess vor dem Landgericht, in dem sich seit vergangener Woche ein 30-Jähriger aus Aurich wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und Beihilfe zum Drogenhandel verantworten muss, berichtete am Montag ein 31-jähriger Zeuge von seiner Begegnung mit dem Angeklagten. Dieser habe ihn mit einem Cuttermesser eingeschüchtert, nachdem es ihm nicht gelungen war, 3000 Euro für ein Kilogramm Amphetamine von einem 33-jährigen Emder einzuholen. Anders als in der Anklageschrift vorgeworfen, erklärte der Zeuge, zwar nicht bedroht worden zu sein, sich aus Angst jedoch die fällige Summe zusammengeliehen und dem Angeklagten übergeben zu haben. Der Mann sei ihm bis dahin unbekannt gewesen. Wer ihn auf ihn „gehetzt“ habe, habe er bis heute nicht klären können.

Wie berichtet, soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft zur Unterstützung von Drogenhändlern aus der Krummhörn im Herbst 2019 säumige Zahler eingeschüchtert haben. In dem Geflecht aus Händlern, Zwischenhändlern und Konsumenten, die inzwischen größtenteils verurteilt wurden, waren zwei Abnehmer Geld schuldig geblieben. Die Außenstände hatten sich in einem Fall auf 3000 Euro für ein Kilogramm und in einem weiteren auf 6000 Euro für zwei Kilogramm Amphetamine belaufen. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe, äußerte sich jedoch nicht weiter dazu. Er habe mit der Sache nichts zu tun, hatte er über seinen Verteidiger ausrichten lassen. Lediglich die ebenfalls angeklagte Beschädigung eines Autos räumte er unumwunden ein.

Mit Kopfschuss gedroht

Der 33-Jährige erklärte, der 31-Jährige habe die Amphetamine in seiner Wohnung zurückgelassen und anschließend von ihm verlangt, sie zu verkaufen. Der Mann habe ihm vorgeschlagen, die Drogen nicht zu bezahlen und andere dafür verantwortlich zu machen. Weil er sich geweigert habe, hätten ihn kurz darauf drei Männer aufgesucht, „alle größer als ich und sehr gut gebaut“, und das Geld von ihm verlangt. Einer von ihnen habe ihm gedroht, ihm ansonsten eine Kugel in den Kopf zu schießen. Der Angeklagte sei nicht dabei gewesen, den habe er noch nie gesehen. Derart unter Druck gesetzt, habe er sich anschließend selbst bei der Polizei angezeigt.

Auch ein 28-Jähriger, der an dem Bedrohungsszenario teilgenommen hatte, erklärte, der Angeklagte sei bei dem unliebsamen Hausbesuch nicht dabei gewesen. Er wisse nichts von dessen Beteiligung an der Einschüchterung. Er vermutete, dass der Angeklagte in Verdacht geraten sei, basiere auf der „Falschaussage“ des 31-Jährigen.

Angeklagter verbüßt sechsjährige Freiheitsstrafe

Der Angeklagte ist nach eigenen Angaben stark drogenabhängig. Einen Entzug im Maßregelvollzug hatte er bereits erfolgreich hinter sich gebracht, bevor er erneut zu Kokain und Opiaten gegriffen hatte. Er bezeichnet den „Suchtdruck“ als sein größtes Problem. Derzeit verbüßt er eine sechsjährige Gesamtfreiheitsstrafe, nachdem er mehrere Bewährungsauflagen nicht eingehalten hatte. Der psychiatrische Gutachter Dr. Stefan Reinhold bestätigte den jahrelangen Drogenkonsum des Angeklagten. Dessen Finanzbedarf schätzte er auf monatlich 15.000 Euro allein für Kokain, darüber hinaus konsumiere er auch Alkohol, Cannabis und Opiate. Eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit könne aufgrund des Entzugsdruck angenommen werden. Weil ein „deutlicher Zusammenhang“ zwischen Sucht und Tatvorwurf bestünde, seien weitere Straftaten zu erwarten. Er befürwortete die Einweisung des Angeklagten in eine Entzugsklinik. An der Therapiebereitschaft des Angeklagten hegte er keinerlei Zweifel.

Die Verhandlung wird am Montag, 6. November, fortgesetzt.

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