Info-Abend „Ran an die Bahn“ Bahnanschluss Aurich – erste Entscheidung fällt im Oktober
Noch im Oktober soll eine Vorentscheidung für den Auricher Bahnanschluss fallen. Der Verein „Ran an die Bahn“ informierte über den Sachstand der Planungen – und was für das Projekt dringend nötig ist.
Aurich - Schnell, bequem und klimafreundlich – die Anbindung von Aurich an den Schienenverkehr wird nach Ansicht der Befürworter einer Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Aurich und Emden für den Personenverkehr enorme Vorteile für die Menschen in der Region bringen. Politik, Wirtschaft und Verwaltung begrüßen die Plane für eine verkehrstechnische Verbesserung. Doch nicht alle Beteiligten ziehen scheinbar an einem Strang. Der Vorstand des Vereins „Ran an die Bahn“ hatte für den Donnerstagabend zu einer Informationsveranstaltung über den derzeitigen Sachstand der Diskussion zur Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Emden für den Personenverkehr in das Seminarhotel Aurich eingeladen. Das Interesse an dem nun schon seit Jahren brennenden Themas war, wie der Vereinsvorsitzende Helmut Wendt bei der Begrüßung sagte, leider nicht bei allen eingeladenen Gästen vorhanden. Beiträge von Unternehmen und Körperschaften, die von dem Projekt unmittelbar betroffen wären, fehlten daher bei der abschließenden offenen Diskussion.
Der 2. Vorsitzende des Vereins, Thomas Gerke, wies in seinem Vortrag noch einmal darauf hin, dass Aurich die zweitgrößte Stadt in Deutschland ohne einen Schienenpersonennahverkehr und die größte Stadt in Niedersachsen ohne Bahnanschluss sei. „Die Stadt verliert mehr und mehr an Attraktivität für potenzielle Neubürger und ansiedlungswillige Firmen“, so Gerke. Darüber hinaus sei die Bahnanbindung von zentraler Bedeutung für den Tourismus, für Aurich als Schul- und Fortbildungsstandort sowie als Einkaufsstadt und Wirtschaftsstandort. Die Gemeinde Südbrookmerland entwickele sich durch den Bau der Zentralklinik zu einem Gesundheitsstandort mit einem gestiegenen Anspruch an die verkehrstechnische Anbindung. Gerade dort gäbe es jedoch die meisten Widerstände gegen die Pläne.
Was „Ran an die Bahn“ vorschwebt
Wie eine Reaktivierung für den halbstündlichen Pendelverkehr zwischen Aurich und Emden im Detail aussehen könnte, präsentierte Malte Diehl, der Vorsitzende des Pro Bahn Landesverbandes Niedersachsen/Bremen. Die wesentlichen Eckpunkte für die Strecke zwischen Aurich und Abelitz: Neubau eines Endbahnhofs in Aurich am alten Standort nahe der Innenstadt, Anbindung der Zentralklinik, Einsatz sprintstarker Fahrzeuge, zum Beispiel Straßenbahn, Fortführung der Strecke im Nahverkehr mit ortsnahen Haltestellen, gute Übergänge aus Aurich in Emden zu IC und Regionalverkehr. „Wesentlich für die Akzeptanz der Reaktivierung in der Bevölkerung ist ein innerstädtischer Bahnhof und ein möglicher Straßenbahnring zur Anbindung des Umfeldes.“ Ein Wiederaufbau der Strecke bis zum geplanten Bahnhof sei möglich. Wie ein derartiger Streckenverlauf bis zum Endbahnhof möglich wäre und ein Bahnhof aussehen könnte, zeigte Vereinsmitglied Volkmar Hildebrandt an einem Modell.
Trotz der Initiative der beiden Vereine ist zunächst nicht sicher, ob die Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich Emden weiterverfolgt werden kann. Das vierstufige Verfahren des Landes Niedersachsen zur Reaktivierung von Bahnstrecken befindet sich derzeit in der ersten Stufe, wie der Bundestagabgeordnete Johann Saathoff in einem Schreiben mitteilte.
Der weitere Fahrplan für das Anschlussprojekt
Am 19. Oktober werde ein Lenkungsausschuss die Ergebnisse der Stufe 1 besprechen und entscheiden, welche der 54 im Topf befindlichen Anträge weiter im Rennen bleiben werden. Olaf Lies, der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung hat in einem Brief bestätigt, dass der Auricher Antrag für die durchgeführte Untersuchung der Landesnahverkehrsgesellschaft fest eingeplant ist.
Derzeit liegen allerdings die Ergebnisse der vom Landkreis Aurich in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie noch nicht vor. Wie der Baudezernent des Landkreises, Eiko Ahten, sagte, sei mit Ergebnissen bis Ende des Jahres zu rechnen. Der Auftragsinhalt bestehe darin zu überprüfen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um die vorhandene Strecke wiederaufnehmen und betreiben zu können. Aus diesen Vorgaben ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Streckenführung und die begleitende Infrastruktur wie zum Beispiel Bahnübergänge.
Die weiteren drei Stufen bis zur endgültigen Entscheidung der zu realisierenden Reaktivierungsanträge werden gem. dem Schreiben des Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff noch etwa zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen.