Diskussion in Auricher Kino „Wir haben hier zum ersten Mal gesehen, was Freiheit bedeutet“
Regisseurin Steffi Niederzoll und die Mutter der im Iran zum Tode verurteilten Reyhaneh Jabbari sprachen im Anschluss an „Sieben Winter in Teheran“ mit Zuschauern über die Todesstrafe.
Aurich - Nach der Vorstellung von „Sieben Winter in Teheran“ waren viele Besucher zu betroffen, um Fragen zu stellen. Am Dienstag, 10. Oktober, hat die Auricher Amnesty International Gruppe (AI) den internationalen Tag gegen die Todesstrafe mit dem Auricher Kino zusammen zum Anlass genommen, die Dokumentation „Sieben Winter in Teheran“ zu zeigen. Dazu eingeladen und für eine Diskussion im Anschluss angereist, waren die Regisseurin Steffi Niederzoll und die Aktivistin und Mutter der Gehängten, Shole Pakravan. Sie flüchtete mit ihren beiden noch lebenden Töchtern 2017 nach Deutschland. „Wir haben hier zum ersten Mal gesehen, was Freiheit bedeutet. Selbst unsere Hunde genießen es, frei umherlaufen zu können.“ Damit spielt Pakravan darauf an, dass im Iran der Besitz von Hunden illegal ist.
Seit der Premiere ihrer Dokumentation im Februar auf der Berlinale seien Niederzoll und Pakravan meistens unterwegs, um mit den Menschen über den Film zu sprechen, erklären sie. Trotzdem ist klar: die beiden sind nicht in eine Routine verfallen. Sie lassen die Menschen spüren, dass dieses Projekt eine Herzensangelegenheit für sie ist.
Blutrache statt Vergebung
Die Dokumentation handelt von Reyhaneh Jabbari und dem Kampf ihrer Familie nach einem unrechtmäßigen Gerichtsverfahren. Nach einem Mord in Notwehr wurde Pakravans Tochter mit 19 Jahren verhaftet. 2009, zwei Jahre nach der Verhaftung, spricht ein iranisches Gericht das Urteil: Tod durch Blutrache. Shole Pakravan kämpft die folgenden fünf Jahre verzweifelt für die Begnadigung ihrer Tochter, bis diese im Oktober 2014 trotz internationaler Proteste durch den Bruder des Gestorbenen erhängt wurde.
Die Regisseurin erklärt, sie habe sich durch das viele Leid, das sie während der Produktion sah, stark verändert. „Ich kann nicht mehr so weiterleben, wie ich es vorher getan habe.“ Obwohl sie sich über Defizite in Deutschland gelegentlich beschwere, sei ihr bewusst geworden, wie gut es den Menschen hier gehe. Sie berichtet, dass sie und die Produktionsfirma wegen der Dokumentation einiges an Druck im Zusammenhang mit der iranischen Regierung zu spüren bekommen hätten. „Die Familie und besonders der Ehemann im Iran haben davon glücklicherweise aber kaum etwas mitbekommen.“
Pakravans Ehemann wird die Ausreise durch die iranische Regierung verweigert. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen auf der Berlinale sei dem Ehemann bei einem Besuch iranischer Beamter sogar der Personalausweis abgenommen worden. Die Chance auf einen Nachzug seien laut Pakravan sehr gering. Die einzige Hoffnung sei der Sturz der iranischen Regierung. Sie sei sehr froh darüber, dass ihre Töchter in Freiheit leben können.