Flüchtlinge  Lehrer für Deutschkurse fehlen im Landkreis Aurich

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 10.10.2023 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zu wenig Lehrkräfte gibt es für Deutsch-Sprachkurse. Foto: DPA
Zu wenig Lehrkräfte gibt es für Deutsch-Sprachkurse. Foto: DPA
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Sprachkurse sind der wichtigste Schritt für eine gelungene Integration von Flüchtlingen. Doch es gibt zu wenig Lehrer – das liegt an den Vorgaben einer Bundesbehörde.

Aurich - Zu wenig Lehrkräfte für Sprachkurse gibt es im Landkreis Aurich. Betroffen sind jene Sprachkurse für Flüchtlinge, die nach den Vorgaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) angeboten werden müssen. Das sagt Kreissprecher Lennart Adam auf ON-Anfrage. Die Ursache für den Mangel an Lehrkräften seien die Anforderungen des Bundesamtes, so Adam. Es gebe nicht genügend Lehrkräfte, die über die geforderten Qualifikationen verfügen würden. „Auf Lehrkräfte mit geringeren Qualifikationen kann und darf hier nicht zurückgegriffen werden“, so Adam.

Wer in einem Integrations- oder Berufssprachkurs unterrichten will, benötigt laut der Homepage der Behörde die Zulassung des Bamf. Voraussetzung ist bei den Integrationskursen, dass die Lehrkräfte die Zusatzqualifikation „Deutsch als Zweitsprache“ oder „Deutsch als Fremdsprache“ besitzen. Noch etwas höher sind die Hürden bei den Berufssprachkursen. Denn dort sollen die Fachausdrücke für die unterschiedlichen Berufsfelder unterrichtet werden. Das stellt auch Lehrkräfte vor neue Herausforderungen.

Bundesbehörde macht genaue Vorgaben

Bei der Flüchtlingskrise 2015 hatte der Landkreis Aurich über die Kreisvolkshochschule eigene Konzepte zum Spracherwerb entwickelt. Vom ersten Tag an sollten damals Flüchtlinge Deutsch lernen. Aus den Erfahrungen wurden offenbar Lehren gezogen. Denn laut Lennart Adam ist die allgemeine Situation bei den Sprachkursen im Landkreis besser, als sie es im Jahr 2015 war.

Sprache ist der Schlüssel zu einer gelungenen Integration. Wer in Deutschland auf Dauer leben will, muss die deutsche Sprache erlernen. Wer hier in seinem erlernten Beruf arbeiten möchte, muss zusätzlich die jeweilige Fachsprache erlernen. Dafür gibt es vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seit 2016, seit der letzten großen Flüchtlingswelle, genaue Vorgaben. Beschrieben sind darin vor allem die Anforderungen an die Lehrkräfte für die Integrations- und die Berufssprachkurse. Benötigt werden relativ hohe Qualifikationen. Und genau diese machen es schwer, auf dem ohnehin angespannten Markt für Fachkräfte geeignete Lehrer zu finden.

Warteliste wächst täglich

Und das hat Folgen für die Menschen, die als Flüchtlinge im Landkreis Aurich leben und Deutsch lernen wollen, wie Kreissprecher Lennart Adam mitteilt. Derzeit würden am Auricher Standort der Kreisvolkshochschule (KVHS) 100 Personen auf die nächsten vier Kurse warten, die im Dezember, Februar und März stattfinden sollen. Bei weiteren 98 Menschen wurde bereits geprüft, auf welchem Sprachniveau sie sich befinden. Eine Kurszuteilung hat aber noch nicht stattgefunden, sie befinden sich auf der Warteliste. Bei 97 Menschen steht laut Adam der Termin für die Einstufung bevor. Die Zahl würde täglich steigen.

Die Kreisvolkshochschule Aurich organisiert die Sprachkurse für die Flüchtlinge. Foto: Romuald Banik
Die Kreisvolkshochschule Aurich organisiert die Sprachkurse für die Flüchtlinge. Foto: Romuald Banik

Daneben laufen in Aurich derzeit elf Integrationskurse mit jeweils 20 bis 25 Teilnehmern. Außerdem gebe es zwei Berufssprachkurse mit insgesamt 50 Teilnehmern. 65 Personen warten laut Adam auf einen Berufssprachkurs des Sprachniveaus B2 Kurs. Diesen Bedarf werde man im November und Dezember decken können.

Bamf senkt Anforderungen

Ähnlich sieht es den Angaben zu Folge an der KVHS in Norden aus. Dort gibt es momentan sieben Integrationskurse mit je 20 Teilnehmern. Weitere 16 Menschen sind schon für den nächsten Kurs, der im November starten soll, verplant. Lang ist hingegen die Warteliste in Norden. Es sind derzeit 268 Flüchtlinge nach ihrem Sprachniveau eingestuft worden, wissen aber noch nicht, wann sie ihren Deutsch-Sprachkurs beginnen können. Weitere neun Flüchtlinge wurden zu den Einstufungen eingeladen.

Das Bamf versucht, die Situation zu entschärfen. So dürfen Integrationskurse bis Mitte kommenden Jahres auch von Lehrkräften gegeben werden, die ihre Zusatzqualifikation „Deutsch als Zweitsprache“ noch nicht vollständig erlangt haben. Auch Studenten sowie Lehrkräfte über 60 Jahre dürfen unter bestimmten Umständen diese Kurse übernehmen. Befristet sind die Erleichterungen des Bamf bis zum 30. Juni kommenden Jahres. Die Integrationskurse richten sich nicht nur an ukrainische Flüchtlinge, sondern stehen allen Nationalitäten offen.

Verschärft wird das Problem des Personalmangels auch dadurch, dass die Schulen im Lande ebenfalls unter einem Lehrermangel leiden.

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