Prozess in Aurich Auricher soll für Drogenring Schuldner brutal eingeschüchtert haben
Für einen Krummhörner Drogenring soll ein Auricher säumige Zwischenhändler eingeschüchtert, einem sogar ein Cuttermesser an den Hals gesetzt haben. Was er vor Gericht zu den Vorwürfen sagt.
Aurich - Weil er im Zusammenhang mit Drogengeschäften zwei Männer bedroht haben soll, muss sich seit Montag ein Mann aus Aurich vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-Jährigen in zwei Anklageschriften vor, einem Ring von inzwischen größtenteils verurteilten Drogendealern aus der Krummhörn beim Eintreiben ausstehender Zahlungen unterstützt zu haben. Im Herbst 2019 soll er gemeinsam mit anderen zwei Zwischenhändler bedroht haben, die den Erlös aus dem Verkauf von einem beziehungsweise zwei Kilo mit Milchpulver gestreckter Amphetamine nicht abgeliefert hatten. Die ausstehenden Summen hatten sich auf 3000 und 6000 Euro belaufen.
Der Angeklagte soll einem der säumigen Zahler damit gedroht haben, ihm „eine Kugel zwischen die Augen zu schießen“. Dem anderen soll er mit der Androhung von Gewalt gegen ihn und seine Familie in Angst und Schrecken versetzt und seine Drohung mit einem Cutter-Messer an den Hals des Zeugen unterstrichen haben. Eingeschüchtert hatten sich beide Männer daraufhin an die Polizei gewandt.
Angeklagter schlägt Deal aus
Der Angeklagte äußerte sich zu diesen Vorwürfen nicht. Lediglich den einer dritten Anklageschrift räumte er ein. Unumwunden gab er zu, aus Frust im Sommer 2021 frühmorgens in Wittmund mit einem Stein auf ein abgestelltes Auto eingeschlagen zu haben. Der Schaden hatte sich auf 350 Euro belaufen.
Zu Beginn der Verhandlung hatte der Staatsanwalt einen Deal zwischen Anklage, Verteidigung und Gericht vorgeschlagen. Er konnte sich bei einem Geständnis eine Freiheitsstrafe zwischen fünf Jahren und sechs Monaten und sechs Jahren und drei Monaten wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vorstellen. Eine derartige Verständigung lehnte der Angeklagte jedoch rigoros ab. Er ziehe es vor, das Verfahren durchzuführen und die Zeugen zu hören. „Ich habe nichts mit dieser Sache zu tun“, ließ er über seinen Verteidiger ausrichten.
Angeklagter verbüßt derzeit eine sechsjährige Haftstrafe
Während der Angeklagte in Bezug auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft recht einsilbig blieb, schilderte er umso ausführlicher seine Motive für sein Vorgehen. Derzeit verbüßt er eine sechsjährige Gesamtfreiheitsstrafe, nachdem er zuvor immer wieder gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Als Ursache seiner regelmäßigen Gesetzesverstöße beschrieb er seine eigene massive Drogensucht. Zwei Jahre habe er bereits im Maßregelvollzug verbracht, sei dann wieder rückfällig geworden. Das habe zum Streit mit seiner Freundin geführt, im Zuge dessen er mehrfach gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen habe.
„Das größte Problem ist der Suchtdruck“, erklärte der Angeklagte in der Verhandlung. Aufgewachsen mit einem alkoholisierten und prügelnden Vater habe er bereits mit 14 Jahren begonnen, Alkohol und Cannabis zu konsumieren, inzwischen habe er seine Sucht auf Kokain und Opiate ausgedehnt. Nach eigenen Angaben konsumiert er täglich bis zu zehn Gramm Kokain und mehrere Gramm Cannabis, dazu ein bis drei Flaschen Whisky. Wie er seine Sucht finanziert, ließ er indes im Vagen. Er habe in einer „Junkie-Bude“ gelebt, in der den ganzen Tag Drogen konsumiert würden, dort habe man ihn teilhaben lassen. Auch habe er sich für seine Sucht verschuldet.
Zeugen wollen Angeklagten nicht kennen
Zeugen hatten am ersten Verhandlungstag wenig zur Aufklärung beizutragen. Sie waren entweder erst gar nicht erschienen oder beteuerten, den Angeklagten nicht zu kennen.
Die Verhandlung wird am Montag, 16. Oktober, fortgesetzt.