Berlin  Pflegegelder in Höhe von 12 Milliarden Euro bleiben jährlich ungenutzt – das sind die Gründe

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 05.10.2023 17:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Viele Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, bräuchten dringend Entlastung. Sie rufen die staatlichen Leistungen aber nicht ab, weil das System zu kompliziert ist. Foto: Imago Images/epd
Viele Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, bräuchten dringend Entlastung. Sie rufen die staatlichen Leistungen aber nicht ab, weil das System zu kompliziert ist. Foto: Imago Images/epd
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Eigentlich sind viele Menschen auf Pflegezuschüsse angewiesen, doch laut einer Studie nutzen nur die wenigsten Angebote wie Tages- oder Kurzzeitpflege. Am Willen der Pflegebedürftigen und der Angehörigen liegt das jedoch nicht.

Wer Angehörige zu Hause pflegt, dessen Belastung ist oft hoch – nicht zuletzt, weil viele Pflegende selbst schon älter sind und Gesundheitsprobleme haben, die sich durch die Pflegesituation verschärfen. Demenz ist ein zusätzlicher Stressfaktor. Pflegezuschüsse wie das Pflegegeld sollen hier helfen. Bereits für das kommende Jahr wurden Erhöhungen des Pflegegelds angekündigt. Doch viele Menschen greifen nicht auf die entsprechenden Zuschüsse zurück.

Laut einer Studie des Sozialverbands VDK nutzen 93 Prozent der Befragten die Tagespflege nicht, auch die Kurzzeitpflege wird von 86 Prozent nicht genutzt. Die Zuschüsse zur Verhinderungspflege, hierbei lassen sich Angehörige zu Hause vertreten, werden von 70 Prozent der Befragten nicht genutzt, obwohl ein Großteil der Befragten angibt, solche Hilfen eigentlich zu brauchen. Durch diese Nicht-Nutzung verfallen jährlich bis zu 12 Milliarden Euro an Pflegegeldern.

Ein Problem des Pflegesystems ist, dass es für viele Menschen undurchsichtig und kompliziert ist. Schätzungsweise fünf Millionen Menschen verzichteten auf Hilfe bei der Pflege, weil sie das System nicht verstünden, erklärt der Pflegeberater Hendrick Dohmeyer dem NDR. Das hänge aber auch mit dem starren System zusammen.

Dabei wäre für den Sozialverband VDK ein einheitliches Pflegebudget eine sinnvolle Lösung, denn: Für viele Menschen ist das aktuelle Pflegebudget zu starr. Durch zu wenig Kurzzeitpflegeplätze ist dieses oftmals gar nicht nutzbar, da es keine Plätze gibt, auf die das individuelle Budget angewandt werden könnte.

So gibt es jeweils feste Budgets für Tages-, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege, sodass viele Pflegebedürftige große Teile ihrer Pflegeversicherungen nicht nutzen können. Ein dynamisches Pflegebudget könnte dabei viel flexibler auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen angepasst werden, meint die VDK. Das könnte auch Pflegebedürftigen im eigenen Haus helfen, da auch 24-Stunden-Pflegekräfte teuer sind.

Zudem sind die Zuzahlungen teilweise so hoch, dass viele ältere Menschen sich diese nicht leisten können. Und wer sich die eigenen Zuzahlungen nicht leisten kann, erhält gar kein Geld, sodass auch hier Gelder verfallen, erklärt der VDK.

Auch auf politischer Ebene herrscht momentan noch Stillstand. Zwar wurde im Koalitionsvertrag angemerkt, dass die Regierung das Pflegegeld „dynamisieren“ wolle, doch bis jetzt ist diesbezüglich nichts geschehen.

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