Streit um alten Bahnhof  Zoff um geplantes „Haus für alle“ in Marienhafe

| | 04.10.2023 17:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach diesen Bauplänen der Königlichen Eisenbahndirektion Münster von 1905 wurde der Marienhafer Bahnhof einst gebaut. Jetzt soll er erneut umgestaltet werden. Foto: Sarah Dirks
Nach diesen Bauplänen der Königlichen Eisenbahndirektion Münster von 1905 wurde der Marienhafer Bahnhof einst gebaut. Jetzt soll er erneut umgestaltet werden. Foto: Sarah Dirks
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Kritiker und Befürworter der 1,2 Millionen Euro teuren Umgestaltung des alten Marienhafer Bahnhofs gerieten im Rat aneinander. Was die einen wollen und die anderen nicht.

Brookmerland - Brookmerland im Dauerstreit: Voll entbrannt ist die Kontroverse um die künftige Nutzung des alten Bahnhofs in Marienhafe als Mehrgenerationenhaus (Arbeitstitel: Haus für alle). In der Samtgemeinderatssitzung in der vergangenen Woche (wir berichteten) gerieten Befürworter und Kritiker des 1,2 Millionen Euro teuren Vorhabens erneut heftig aneinander.

Die Ratsgruppe aus BWG/SEB, BfB, CDU lehnte den Nachtragshaushalt ab, weil darin der Eigenanteil der Samtgemeinde in Höhe von 400.000 Euro enthalten ist. 800.000 Euro sollen aus Fördertöpfen fließen. So wie die neue 5,5 Millionen Euro teure Sportstätte in Marienhafe und die Erweiterung des Rathauses gehöre die Bauhof-Sanierung zu jenen Maßnahmen, die überflüssig oder im geplanten Umfang nicht notwendig seien, stellte Ida Bienhoff-Topp (BfB) fest.

Das alte Bahnhofsgebäude, an dem hier im Juli 2020 erstmals ein ICE vorbeifährt, steht unter Denkmalschutz. Foto: Thomas Dirks
Das alte Bahnhofsgebäude, an dem hier im Juli 2020 erstmals ein ICE vorbeifährt, steht unter Denkmalschutz. Foto: Thomas Dirks

Nach wie vor habe man Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Investition. „Wir bleiben bei unserer Kritik“, pflichtete Harald Tammen (CDU) ihr bei. Die örtlichen Vereine – das habe eine Infoveranstaltung zum Bahnhof (wir berichteten) gezeigt – hätten lediglich ein „überschaubares Interesse“ an dem Gebäude, da sie über eigene Heime oder Räume verfügten. Für das geplante Jugendzentrum fehle schlicht das Konzept. „Wir wissen, wie die Räume aussehen sollen. Aber wie ein Angebot für Jugendliche geschaffen wird, das auch angenommen wird und nachhaltig ist, wissen wir leider nicht“, kritisierte Tammen, der sich dafür aussprach, die Angebote für junge Menschen zu dezentralisieren, sie „in der Breite“ anzubieten und Vereine und Verbände bei der Jugendarbeit einzubinden und auch finanziell zu unterstützen, was seine Partei nachweislich schon seit Jahren fordere. „Das wäre ein echter Beitrag zur Daseinsvorsorge“, sagte Tammen.

Kritik an freiwilligen Ausgaben

„Man könnte denken, im Brookmerland ticken die Uhren anders als anderswo“, sagte Karin Müller (BWG). Sie rügte, dass zwar 8,2 Millionen Euro plus Folgekosten an freiwilligen Ausgaben, nicht aber Pflichtausgaben für Schulen, Kitas und Feuerwehren eingeplant seien. „Vielleicht soll es so sein, dass man lieber einen tollen alten Bahnhof und vier neue Sportplätze hat und alles andere bleibt auf der Strecke. Mit uns aber nicht“, sagte sie.

Seit mehr als zehn Jahren werden Ideen für die künftige Nutzung des Bahnhofsgebäude (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2013) gesammelt. Foto: Thomas Dirks
Seit mehr als zehn Jahren werden Ideen für die künftige Nutzung des Bahnhofsgebäude (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2013) gesammelt. Foto: Thomas Dirks

Gegenwind kam von den Grünen: Der alte Marienhafer Bahnhof sei ein „kulturhistorisches Kleinod“, ein „echtes Juwel“, betonte Renate Erdt. Ein Haus für Jung und Alt, für Vereine und Gruppen, wie von allen politischen Gruppierungen im Wahlkampf gefordert, sei nun mal nicht zum Nulltarif zu bekommen. Viele Bürger hätten viel Zeit und Ideen in das Projekt investiert. Das Vorhaben verwerfen, hieße nicht nur ein besonderes Gebäude und Fördermittel zu verlieren, sondern auch das Engagement von Bürgern, die sich für ihre Gemeinde stark gemacht hätten und weiter stark machen wollten, zu enttäuschen. Eine „Inwertsetzung“ des Bahnhofs sei gerechtfertigt, befand sie.

Die Samtgemeinde hatte das Gebäude 2013 bei einer Auktion in Berlin für 36.500 Euro erworben. Foto: Thomas Dirks
Die Samtgemeinde hatte das Gebäude 2013 bei einer Auktion in Berlin für 36.500 Euro erworben. Foto: Thomas Dirks

Das sah auch Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) so. Der alte Bahnhof sei ein ortsbildprägendes und geschichtlich bedeutsames Gebäude, das es zu erhalten gelte. „Natürlich fallen nach dem Umbau Folgekosten an, wie bei jedem anderen Projekt auch“, räumte er ein.

Der Gruppe aus BWG/SEB, BfB, CDU warf er vor, offene Jugendarbeit gegen Vereinsarbeit auszuspielen. Zudem erinnerte er sie an ihre Wahlversprechen, etwas für die Jugendlichen tun zu wollen. „Lassen Sie ihren Worten Taten folgen“, appellierte Ihmels.

Angebot der Zusammenarbeit

Ähnlich äußerte sich seine Frau Beate Ihmels (SPD, vormals Kappher-Gruß). „Warum arbeiten wir nicht zusammen?“, fragte sie und lud die Ratsminderheit ein, „mitzugestalten, statt alles zu blockieren“. „Vielleicht fahren Sie alle mal runter“, empfahl sie. Im Übrigen sei das Projekt „Haus für alle“ längst demokratisch beschlossen. „Ob es Ihnen passt oder nicht“, so Ihmels.

Ungeachtet dessen beantragte Bienhoff-Topp den 400.000-Euro-Ansatz für den alten Bahnhof zu streichen und ihn durch einen Ansatz für Jugendarbeit zu ersetzen.

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